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Konzerte Berichte

Konzerte Berichte (83)

We are all dancing

Sono & Northern Lite bringen die Festung zum Beben

Auf der Festung Königstein, holla hi, holla ho, tanzt du in die Nacht hinein, holla hiahoo.


SonoIn schönster Abendsonne an einem brandheißen Tag ächzen wir steinerne Treppenstufen nach oben. Sono und Northern Lite warten dort auf uns, ein Co-Headliner-Konzert mit Aftershowparty zwischen Jahrhunderte alten Mauern. Ein Fahrstuhl fährt uns durch den Berg, auf dem die Festung über der Sächsischen Schweiz thront und wie von dem Pförtner angekündigt entschädigt uns ein Ausblick über Elbe, Täler und Berge für die Strapazen des Aufstiegs. Bei einem Bier blicken wir ins Land und gehen dann ins Innere des Burghofes, wo eine Bühne zwischen Grillständen einem kleinen Publikum gegenüber steht. Essen und Getränke sind günstig und gut und schon bald betreten Sono gut gelaunt die Bühne. 

Ob „Flames Get Higher“ als Einsteiger, „2000 Guns“, „All Those City Lights“ „Better“, viele weitere Songs plus „Keep Control“ – das Set enthält alles was ein Fan braucht. In einer altmodischen Hose und gemustertem Hemd springt Frontmann Lennart Salomon umher, spielt leidenschaftlich Gitarre und bringt das Publikum zum Mitsingen. Er sieht ein bisschen nach Urlaub aus mit seiner Sonnenbrille und so fühlen wir uns auch, als wir gut gelaunt mit Cocktail in Flip Flops im Sonnenuntergang tanzen.  Nach zwei neuen und noch einigen bekannten Songs schließen Sono mit dem grandiosen Coversong: „Killer“, das 1990 von Seal gesungen und von Musikfans direkt in die Top 10 gekauft wurde. Ein Knaller und für uns, die laut „Solitary Brotheeeheeeeheeer…“ singen ein würdiger Abschluss für einen echt coolen Gig.

Northern LiteWas kann jetzt eigentlich noch kommen, fragen wir uns, als Northern Lite die Bühne betreten. Cool wie 007 steht Andreas Kubat mit Sonnenbrille anfangs noch etwas zurückhaltend, später gut gelaunt vor der jubelnden Menge. Alle haben Platz zu tanzen als die Band mit dem Coversong „We Are All Dancing“ starten und später mit dem QOTSA-Cover „Go With The Flow“, „What You Want“ und den Zugaben „I See A Darkness“, zu der Kubat Johnny-Cash-mäßig in der Sonnenbrille in die Nacht singt, und „My Pain“ eine einfach nur schweißtreibende Show abliefern. So macht Elektropop Spaß!

Als die ersten Klänge der World-Violation-Aftershowparty erklingen verwandelt sich die Festung Königstein in eine Mode-Party mit alten Liedern (haben alle Mode-Party-DJs die gleiche Playlist?) bei leider anfangs schlechtem Sound, Videoanimationen auf den Sandsteinwänden und im Dave-Style tanzenden Fans. Wir hätten uns eher Konservenmucke gewünscht, die mehr auf die Dynamik des Konzerts eingeht. Lennart kann doch so gut auflegen, warum schreibt er da Autogramme anstatt uns noch etwas Feuer zu geben? Wir merken schnell, dass das stundenlange Tanzen auf unebenen Natursteinen in die Knochen geht. Man soll gehen wenn es am schönsten ist, denken wir uns und verlassen nach einem tollen Konzert die Festung gen Tal. Sono waren toll, Northern Lite nochmal eine Schippe besser und eigentlich wollen wir das am liebsten gleich nochmal!

Alle Fotos vom Konzert findet ihr hier!

 Wacken 2015 - das war's!

Alter Schwede, gerade aus dem Stau zurück nach Hause in die Badewanne gequält, da ist das Wacken Open Air 2016 schon wieder ausverkauft. Die Fans wissen eben dass ihr Festival, egal ob im Schlamm wie in diesem Jahr oder bei Hitzestichgefahr wie im letzten, ein Garant für eine hochgradige Runnig Order ist.  Doch ganz blind gekauft hat keiner sein Ticket erworben. Seit Samstag steht fest dass Axel Rudi Pell, Blind Guardian, Borknagar, Callejon, Eskimo Callboy, Orphaned Land und Weitere den heiligen Acker beschallen werden. Mit der Vorfreude stellt sich jetzt auch die Melancholie ein.

Wir haben ein großartiges Wacken Open Air erlebt. Die Bands und das Festival haben es geschafft, den fiesen Headliner aus dem Norden zu vertreiben: Das Wetter. Ein Irrsinn, wie durchweicht der Acker war, wie tief die Pfützen, wie unberechenbar die Traktorspuren, auf denen wir Halt suchten und wie unglaublich schmutzig unsere Klamotten. Und dann, pünktlich zum Freitag: Sonne! Sonnenbrand! Schwitzen! Nie wieder kalte Füße! Unter normalen Umständen hätten wir schlechte Laune gehabt. Doch in Wacken? Rain or Shine – scheiß drauf!

Doch welche Momente waren es, die uns das Festival in diesem Jahr unvergesslich gemacht haben?

Es waren mal wieder die Menschen. Schon bei der Anfahrt steckten wir im Schlamm fest, doch nicht lange, denn jeder schob jedes Auto, alle halfen einander, verliehen Zeltheringe, Gaffa, gaben einander Unterschlupf im Unwetter, teilten ihre Pavillons, halfen beim Tragen, fingen einen auf wenn man im Schlamm ausrutschte und hielten einfach nur die Laune oben. DANKE WACKEN!

Wacken im Schlamm

Und sonst so?

Europe! Viel mehr als Final Countdown! Als absolutes Highlight trat die Band aus 1979 am Mittwoch auf. Die Headbangers Stage im riesigen Zelt war knackevoll und die Wackenfans bekamen einen ersten musikalischen Vorgeschmack auf die nächsten Tage. Unheimlich spielfreudig, stimmlich top, mit großartig komponierten Liedern und absoluter Leidenschaft überraschten die Rocker wohl alle. Da lacht das Wackenherz! Nochmal, nochmal!

Am Donnerstag hatten wohl viele weitere Nischenvertreter des Metalgenre ihre Sternstunden. Combichrist, Mantar, Dark Tranquillity, The Answer und die jungen Metal Battle Helden ließen keinem langweilig werden. In unsere Gummistiefel gequält erlebten wir Rob Zombie eindeutig als Highlight und Sonnenschein im Line Up – was ist diese Band toll, liveaffin und mitreißend! Dagegen wirkte U.D.O mit dem Bundeswehrkorps etwas blass – im Nachhinein ist diese Erinnerung kein Wunder, denn Orchestermusik sollten wir dieses Jahr wirklich genug hören. Mithalten konnte jedoch das Trans Siberian Orchestra mit Savatage.  Wir haben ein Weltrekord gesehen. Die Savatage-Mitglieder, ihrerseits auch Bestandteil von TSO, bespielten als erste Formation die beiden Hauptbühnen gleichzeitig. Irre und voller Gänsehautmomente im vor schwarzem Wackenhimmel!

Freitag war das Highlight wohl die Sonne. Ehrlich, schön sie zu sehen, schön wie das Wasser aufgesogen, die Pfützen kleiner und die Freude größer wurde.

Und musikalisch? Hatte es der Freitag auch in sich! Death Angel, My Dying Bride, Kvelertak, Dream Theatre…  das Line Up war toll! Wir freuten uns mal wieder Opeth zu sehen, die jedoch einfach in dunklen Hallen besser Stimmung machen, weswegen wir die Bühne zu Annihilator wechselten, die live auch bisher IMMER eine Bank waren und ihre Klasse konsequent weiterführten. Ein weiteres Highlight: Black Label Society: Rock’n’Roll und live auch ohne Schlamm schön schmutzig – so muss es sein! Alles mal wieder nichts gegen In fucking Flames! Wir waren unglaublich heiser und unglaublich kaputt nach diesem großartigen Konzert, das wir mit gefühlt allen 75.000 Wackenfans erlebten. Boss Hoss waren danach jedoch ein wirklich gelungener Abschluss für einen tollen und sonnigen Tag und wir fielen – immer noch knülle von den Anstrengungen der letzten Schlammtage – ins Zelt.

BossHoss

Am Samstag holten uns Kataklysm aus dem Schlafsack und es ist immer wieder schön vor dem Frühstück den Security Stress Test zu machen! Groß!

Doch es folgten weitere Highlights: Walking Dead On Broadway und mit-Genrevertreter Suicide Silence haben in Zukunft unserer Meinung nach NOCH mehr Aufmerksamkeit verdient, das war ganz großes Kino.

Apropos Aufmerksamkeit: Die schenkten wir voll und ganz Skindread. Was hatten wir Spaß! Wir haben gebounced, getanzt, gesungen und sind sogar gesprungen. In Gummistiefeln. Bei 30 Grad! Mega! Können jetzt jedes Jahr spielen, vielen Dank liebes Wacken-Booking-Team für das Erfüllen unserer Wünsche.

Wie der aufmerksame Leser merkt waren wir am Samstagnachmittag nicht wirklich noch einmal an unseren mittlerweile an den letzten Ösen befestigten Zelten. Da kamen wir auch den ganzen Tag nicht mehr hin. Was war das denn bitte für ein Hammertag? Da waren ja auch noch Powerwolf, Danko Jones, Sabaton, Judas Priest und (sorry wir waren leider weder bei Cradle of Filth noch bei Subway to Sally) die Cannibal Corpse, Obituary und Shining. Unser Highlight trotz all dieser Größen: Rock meets Classic Live mit Twisted fucking Sisters Dee Snider und Gänsehaut- sowie Tränenlach-Momenten. Der Mann mit dem pinken Mikrofonständer und der krassblonden Krausemähne stellte Beyond The Blacks Jennifer Haben (warum spielen die eigentlich jetzt so häufig überall – für uns leider überbewertet), Michael Kiske, Marc Storace aber auch Joe Lynn Turner in den Schatten. Mit toller Songauswahl, den besten Fanchören zu „We’re not gonna take it“ und „I wanna rock“ und seiner Initiative „Stop taking Selfies“ war er unser Highlight! Aber im Rahmen der gesamten Rock Meets Classic Show auch schön: Wenn der Dirigent zum „Fluch der Karibik“-Soundtrack mit seinem Dirigentenstab ein Fechtduell eingeht. Große klasse!

Wacken 2015 war anstrengend, Wacken 2015 war schön, Wacken 2015 war voller Highlights. Hier unsere Highlights in Zusammenfassung für euch:

  • Bester Wind-und-Wetter-Moment: Als unsere Nachbarn uns Erdanker brachten und so unsere Zelte vor dem Wegwehen retteten. Ja, ihr hört richtig, Erdanker (80 cm lang). Danke!
  • Bester Campingtipp: LKW-Batterie und Wechselwander mitnehmen – so hat euer Camp Strom den ganzen Tag.
  • Bester Moment mit einem Ordner: Als die betrunkenen letzten zwei von zwanzig Nachbarcampern mit ewig brummendem Stromaggregat, riesiger Anlage und letztem unverständlichen Gröhlen nachts um 5 aufgefordert wurden, endlich schlafen zu gehen, wenn sie auch am Folgetag noch Strom haben wollen würden.
  • Bestimmt die besten Livemitschnitte auf YouTube: Rock meets Classics, Rob Zombie, In Flames, Carmina Burana vom Trans Siberian Orchestra und Europe.
  • Bester Starmoment: Als wir Mittwoch dabei halfen, Mambo Kurts Heimorgel von der Biergarten zur W.E.T.-Stage durch den Schlamm zu zerren.
  • Lustigster Moment: Die vielen Rebellen (und vorallem wir)  in dem Moment, als Dee Snider sein Shirt zitierte und dabei appellierte: Stop taking selfies!
  • Gänsehautmoment: Als Dee Snider seinem verstorbenem Drummer A.J. Pero huldigte und der Acker still wurde und dann andächtig klatschte.
  • Bestes Orchester: Rock meets Classic.
  • Beste Überraschung: Europe! Eindeutig!
  • Beste angekündigte Band für nächstes Jahr bis jetzt: Ministry, Steel Panther und Eskimo Callboy (ja, wir sind Rebellen).

Es war uns ein Fest! See you in Wacken – rain or shine!

Link zur Bildergalerie

 

 

 

 

 

 

 


03.-05.07.21015 - XXII. With Full Force Festival

3 Tage, 54 Konzerte, 120 Grad, 1000% und 24.000 Fans!

 

Erst von allen Seiten gut durch gegrillt und dann von oben bis unten einmal durchgeweicht. Ein irres Wochenende mit extremem Wetter und extremer Musik liegt hinter uns! 

 

Das With Full Force 2015 hat seinem Namen mal wieder alle Ehre gemacht und den ca 24.000 Fans, den Bands und allen Beteiligten ordentlich eingeheizt sowie alles abverlangt. Höchsttemperaturen von 40 Grad im Infield und kaum spürbare Abkühlung in den viel zu kurzen Nächten machten die diesjährige Auflage des traditionellen Hardcore-Familientreffens auf dem Flugplatz Roitzschjora zu einer infernalischen Hitzeschlacht. 

 

Doch nicht nur die Witterung auf dem WFF war gnadenlos, auch das diesjährige Lineup stellte sich der Illusion einiger ruhiger Stunden mit kühlem Dosenbier im Klappstuhl vehement entgegen. Anders als bei anderen großen Festivals gibt es beim Force keinen schonenden Einstiegstag, sondern drei Tage vollstes Programm. Der Auftakt zu insgesamt über 50 schweißtreibenden Konzerten oblag  dabei den Lokalhelden von Walking Dead on Broadway, die kurz nach Fraitag Mittag dem bereits bestens gefüllt Hardbowl Zelt ordentlich einzuheizen wussten. Während der Nachmittag auf der Main Stage mit den Italienern Destrage und den Griechen von Suicidal Angles südeuropäisch dominiert wurde, ebneten mit Pro Pain und Fear Factory zwei US-Urgesteine den Weg für die Headliner des Abends. Von Progressive und Thrash über klassischen New York Hardcore bis zum einzigartigen Industrial Sound der Combo um Burton Bell - schnell wird auch Neulingen auf dem Festival klar, dass hier jedem Geschmack etwas geboten wird. 
Besonders bemerkenswert war der Auftritt der Extreme Metaller von Carcass. Obwohl sie nun schon seit 30 Jahre (mit langer Unterbrechung) die Bühnen der Welt erschüttern, wussten die Briten um 
Bill Steer und Jeff Walker kraftvoll zu begeistern. 
Nach einem kurzen aber erheiternden Abstecher zu den Kassierern ins Zelt und einer Überdosis an Hoden und prallem Bierbauch wartete dann auch schon mit Parkway Drive der erste Headliner auf die Fans, die zweifelsohne mittlerweile auf Betriebstemperatur angekommen waren. Die Australier, die zuletzt eine Double-Headliner-Tour mit dem Samstag-Krachen Heaven Shall Burn ansolviert hatten, verstanden es mit einer gelungenen Mischung aus alten und neuen Songs auch noch das letzte Bisschen an Power aus den tobenden Pits herauszukitzeln, so dass nur ein besonders harter noch die nötigen Körner hatte, sich bei der anstehenden Knüppelnacht bei Belphegor und Co den Rest zu geben.

Auch der Samstag begrüßte die Hardcore-Fans mit gnadenlosem Sonnenschein und einem Programm, dass so manche Konkurrenzveranstaltung alt aussehen ließe. Beim steten Wechsel zwischen Main Stage und Hardbowl machten sich die strategisch bestens platzierten Trinkwasserstellen über alle Maßen bezahlt. Ein sensationeller Service der sicher so manches Hitzeopfer verhindert hat und den man nicht genug loben kann. 

Beim nachmittäglichen Bühnen-Ping-Pong ließen weder die etablierteren Bands auf der Hauptbühne (Dr. Living Dead & Deez Nuts) noch die Vertreter der härteren Gangart im Zelt (More Than a Thousand, Texas in July & Nasty) etwas anbrennen. Besonders die belgischen Beatdown-Ikonen brachten das Hardbowl Tent mächtig in Rage. Frontman Matthias hatte mächtig Spaß daran, in vorderster Front und bei vollem Fankontakt die Meute anzupeitschen; zur Freude der bestens beschäftigten Security. 

Ein wenig seltsam mutete kurz darauf das Backdrop der Spaßtruppe aus Castrop-Rauxel an. Dass der Schriftzug Äskimo Kohlboi die Bühen zierte, zeigt zwar dass auch bei der besten Planung mal was vergessen werden kann, aber auch dass man auf einem Festival wirklich nicht viel mehr als reichlich Bier und eine Rolle Gaffa braucht. Die gute Laune ließen sich die Herren von Eskimo Callboy jedenfalls nicht verderben, sondern steckten ganz im Gegenteil die zahlreich erschienenen Fans problemlos an und luden so manch junge Dame zu einer kleinen Bootsfahrt ein. 

Hardcore-Punk aus der Oberliga gab es danach bei Agnostic Front und ihrem charismatischen Gitarristen Vinnie Stigma zu hören. Die treibende Akkorde und der geradlinige Sound animierten nicht nur bei der AF-Hymne "Gotta Go" zu einem ordentlichen Schweine-Pogo! 

Einen knüppelharten Übergang zum absoluten Highlight des WFF 2015 lieferten im Anschluss Mille Petrozzas Kreator mit einer imposanten und Feuer-lastigen Show ab. Die beste und erfolgreichste Thrash-Band diesseits des Atlantiks gab den Metalcore-Anhängern eine kurze Verschnaufpause und den langhaarigen Metallern eine ideale Gelegenheit die staubige Matte zu schütteln. 

Vollgas voraus hieß es danach bei Heaven Shall Burn! Die Saalfelder Metalcore-Helden um Marcus und Eric Bischoff machten ohne Zweifel klar, wer in Roitzschjora ein Heimspiel hat und fegten einen Kracher nach dem anderen durch die Circlepits. Die beeindruckende Show aus Pyros und reichlich Flitterkram, umrahmte eine bunte Auswahl an neueren Machwerken und Alltime-Classics und wurde gekrönt von einem imposantem Feuerwerk - dem  unumstrittenen Höhepunkt des gesamten Wochenendes.

Den Samstag rundete das traditionelle Saturday Night Fever mit einem echt knorken Auftritt der meisten Band der Welt Knorkator ab. Nach einer kurzen Wartezeit (Headlinerfeuerwerk hat Vorfahrt) begann das Konzert jedoch gleich mit einer Schrecksekunde als Stumpen im Übereifer und im vollen Hoppse-Hoppse-Modus die Bühnenkante verfehlte und unfreiwillig die zahlreich erschienenen Fotografen im Graben begrüßte. Es folgten eine Wassertaufe für Gitarristin Jen Majura, ein Bällchenbad der besonderen Art und  onstage Nachwuchsförderung für und mit Timtom. Spaßfaktor 1000%!!!

Tag drei im gefühlten Vorhof zur Hölle brachte Temperatur weit oberhalb des allgemeinen Wohlfühlniveaus und auch bei uns schwanden langsam die Kräfte. Schongang und Durchschnaufen am Nachmittag und dann noch ein letztes Mal Attacke am Abend.

Mit den Melodic-Death Veteranen von Arch Enemy und ihrer Vollgas-Frontfrau Alissa White-Gluz bot sich dafür eine großartige Gelegenheit. Die Kombination aus stimmgewaltigem Energiebündel und markigen Sounds machen nicht zuletzt die Liveauftritte der Schweden immer wieder zu einem Hörgenuss. 

Kein bisschen ruhiger ging es kurz darauf bei  Randy Blythe und John Campbell und den Kollegen von Lamb of God zu. Pünktlich zum neuen Album "Sturm und Drang" touren die Herren aus Richmond momentan durch Europa und kommen später in 2015 auch nochmal nach Leipzig zurück und bringen mit Children of Bodom gleich noch ein Schwergewicht der Szene mit. 25 Jahre nach ihrer Gründung haben die Groove Metaller nichts verlernt und waren eine willkommene Bereicherung im Lineup. Gerne wieder! 

Den unfreiwilligen, weil ungeplanten Abschluss auf auf der Main Stage bestritten am Sonntag Abend die Hardcore-Ikone um die Koller-Brüdern Lou und Pete - Sick of it All! Nachdem sie im vergangenen Jahr mit ihrem Album "Last Act of Defiance" sauber abgeliefert hatten, gab es auch auf der WFF Main Stage kein Halten; und davor gleich gar nicht. Volle Eastcoast-Power gegen den aufziehenden Sturm. Band und Fans gaben alles, aber Mutter Natur war nach 120 Grad in drei Tagen gnadenlos und unaufhaltsam.

Was dann folgte war zwar schade, aber fraglos völlig richtig und nach den Erlebnissen früherer Jahre absolut vernünftig. Das verfrühte Ende des Festivals und die Streichung der Konzerte von Eisbrecher, Rotting Christ, The Ruins of Beverast und nicht zuletzt In Flames traf jedoch auf breites Verständnis seitens der Fans und war angesichts des massiven Unwetters die einzig Richtige Entscheidung der Veranstalter. Viele der Gäste traten noch in der Nacht eine zwar verfrühte, aber überaus koordinierte und besonnene Heimreise an, werden aber ohne Zweifel ebenso im kommenden Jahr wieder kommen, wie die gecancelten Bands.

Ein dickes Danke ans With Full Force Festival-Team, all die großartigen Bands, an die starken Jungs in den Gräben, all die fleißigen Hände vor und auf der Bühne, auf den Campinggrounds und allen Ständen und ganz besonders an all die hitzeresistenten Fans!

That was a hardcore blast! See you again next year!

Abschluss-Trailer: https://vimeo.com/133223671

Unsere Bilder: WFF Bilder 2015

 

 

 

2. Darkflower Open Air

Nicht nur Hoch „Annelie“ ließ am Samstag die Temperaturen rekordverdächtig steigen…

… auch die Jungs und Mädels von X-Divide, Rabia Sorda, Welle:Erdball und VNV Nation heizten dem Leipziger Publikum in dieser unvergesslichen Sommernacht gehörig ein. Bereits zum zweiten Mal fand die Darkflower Live Night auf der beschaulichen Parkbühne im Clara Zetkin Park statt. Bei Höchsttemperaturen von nahezu 40 Grad versammelten sich die Konzertbesucher langsam aber sicher auf dem von Baumkronen überragten Gelände. Heiß begehrt waren die Plätze vor den schattenspendenden Gebäudemauern, die den sonnendurchfluteten Platz umgaben. Ein harter Kern trotzte der Hitze mit Schirmen und nassen Handtüchern vor der Bühne. Immerhin durften sich die schweißgebadeten Fans in der ersten Reihe über eine Erfrischung aus dem Wasserschlauch der Security freuen. Ich selbst fand mein dunkles Plätzchen mit freiem Blick auf die Stage direkt vor dem Technik-Zelt, um meinen Ohren den besten Sound gönnen zu können und mich der Atmosphäre vor Ort hinzugeben.

Pünktlich 17 Uhr betraten X-Divide die Bühne und begrüßten die Zuschauer mit einigen kühlen Wasserstrahlen aus der Spritzpistole. Zugleich wurden die Anwesenden für ihre standesgemäß schwarze Kleidung trotz glühender Hitze gelobt. Wie gewohnt moderierte Keyboarder Jens D. das Programm der beiden Musiker, die angenehme Electropop-Rhythmen durch die Lüfte schallen ließen und das Publikum auf einen mitreißenden Abend einstimmten. Mit von der Partie war unter anderem der Song „Crying over you“, den das Duo vor einigen Wochen zum ersten Mal auf dem Blackfield Festival präsentierte. Zudem ließ es sich Sänger Eric S. nicht nehmen, seine Gitarrenkünste mit einem kurzen Solo unter gebührendem Jubel vorzuführen. Spätestens mit dem Depeche Mode Cover der bekannten Single „Enjoy the silence“ wippte dann auch der letzte Gast im Takt des Synthesizer-Sounds mit. Den Abschluss ihres Auftrittes rundeten die Kölner mit ihrem bisher erfolgreichsten Song „Forever“ ab, der sich 2010 ganze 9 Wochen in den Deutschen Alternative Charts hielt.

Nach dem gelungenen Auftakt betrat das mexikanische Bandprojekt Rabia Sorda die Bühne und machte seinem Namen durch in Musik geballte Wut alle Ehre. Unbeeindruckt von der Gluthitze schmetterte das Energiebündel Erk Aicrag in sportlicher Höchstleistung einen Song nach dem anderen ins Publikum. In Anlehnung an das letzte Album „Animales Salvajes“ (dt.: Bestien, wilde Tiere) sorgten dabei gleich zu Beginn zwei mit Schweine-Masken auftretende Tänzerinnen für verblüffte und zugleich amüsierte Blicke unter den Zuhörern. Sie hielten das tanzwütige Publikum jedoch nicht davon ab, sich von der kraftvollen Dynamik der Musiker anstecken zu lassen und den Kopf zum brachialen Sound im Kreis zu schütteln. Zwischenzeitlich donnerte Gitarrist Marcus Engel eine Trommeleinlage, die für einen nahezu explosiven Auftritt sorgte. Nicht fehlen durfte natürlich der Song „Hotel Suicide“ als Auskopplung der gleichnamigen Platte (2013), der im Vergleich zu seinen aggressiven Mitstreitern schon fast entspannend wirkte und Zeit zum Durchatmen bot.

Kaum wieder zu erkennen war die Bühne nach der nächsten Umbaupause, als die vier Bandmitglieder von Welle:Erdball vor das Publikum traten und sich zwischen zwei lebensgroße Roboter einreihten. Wie erwartet, schmückten die Musiker ihre Darbietung im Neue-Deutsche-Welle-Klang und Synthesizer-Melodie mit allerlei Accessoires. Während Honey und A.L.F. im gewohnten Anzug-Look und Sonnenbrille mienenlos nach vorne blickten, schwenkten Frl. Venus und Lady Lila beim Song „Hoch die Fahnen“ in roten Pünktchenkleidern zwei übergroße weiße Fahnen. Als die Band später riesige Luftballons in die Menge warf und Konfettikanonen knallen ließ, war vielen Besuchern die Freude ins Gesicht geschrieben und machte für einen kurzen Augenblick alles um sie herum vergessen. PKW-Liebhaber kamen hingegen beim „VW-Käfer“ Song auf ihre Kosten, der nostalgische Erinnerungen weckte. Das Finale bildete die Performance „Monoton und minimal“, die dem Commodore 64 noch einmal alles abverlangte. Danach flogen Papierflieger über die Köpfe der ersten Reihen und Zugabe ertönte im Chor. Den Ausklang lieferte das Quartett schließlich mit einem absolut geheimen Song, den Lady Lila zum erneuten ersten Mal auf dem Amphi Festival Ende Juli präsentieren wird.

Das Sahnehäubchen des Open Airs bildete das sympathische Duo von VNV Nation. Gleich zu Beginn legte die Band mit dem Klassiker „Space & Time“ vor und sorgte auf dem mittlerweile prall gefüllten Platz vor der Bühne für Gänsehaut. Nach wie vor herrschte eine drückende Hitze, die sich Sänger Ronan Harris zu Nutze machte, um die Konzertgänger zu einer Gartenparty aufzurufen. Mit sichtlich viel Spaß und einem Augenzwinkern rügte er manchen Zuschauer für ein erschöpftes Gähnen, mobilisierte zum gemeinsamen Anstimmen und forderte mit einer Handpuppe zum Tanzen auf. Im Song „Illusion“ durften die Zuhörer beim Refrain besonders aktiv werden und lautstark mitsingen. Bei „Resolution“ erhoben sich alle Arme und schwangen über den Köpfen hin und her. Ein besonderes Highlight bot der Abend bei einer kurzen Verschnaufpause für Fan Timo, der für seine Treue zur Band auf all ihren Touren ein Geschenk und ein Ständchen zu seinem Geburtstag erhielt. Gefühlvoll ging es auch bei „Nova (Shine a light on me)“ zu bevor mit einem energiegeladenen „Perpetual“ das letzte Lied eingestimmt wurde. Bei einem unaufhörlichen „Let there be, let there always be neverending light“ erhob das gesamte Publikum die Hände zum Klatschen und ließ den Abend gegen 22 Uhr ausdrucksvoll enden. Überwältigt von seinen Emotionen erinnerte Ronan Harris daran, dass er und Mark Jackson im September und Oktober dieses Jahres mit dem Filmorchester Babelsberg einige wenige exklusive Auftritte in Deutschland haben werden. Zugleich verriet er, dass sie Ende Juli noch eine Überraschung ankündigen werden, auf die alle Freunde der Musik jetzt schon gespannt sein dürfen.

Start im Hellen, Ende im Dunkeln… nach 5 erlebnisreichen Stunden inmitten gut gelaunter Menschen lautet mein Resümee für diesen fantastischen Abend: sehenswertes Line-Up, Balsam für die Ohren und eine beeindruckende Location, die den Charme von Leipzig versprüht. Vielen Dank an die Bands, den Veranstalter Mawi Concert GmbH und alle anderen, die diesen Tag so einzigartig gemacht haben. Gerne wieder!

Doch damit nicht genug. Wie all jene, die den Abend nach dem berauschenden Konzert noch nicht enden lassen wollten, schloss ich mich der Aftershowparty im DarkFlower an. Auch einige der Künstler wie bspw. Welle:Erdball ließen sich die Feier mit DJ frequen-C nicht entgehen. Bis in die Morgenstunden hinein bot der Alternative Club im Zentrum von Leipzig eine Fläche für ausgiebige Tanzeinlagen und genussvolle Momente an der Bar…

Text: Maria K.

Konzertbilder:

VNV Nation

Rabia Sorda

Welle: Erdball

X-Divide

Kunstblut, tausend Fotos und die Qual der Wahl

Mein ganz persönlicher WGT-Rückblick

Ist es schon Ende Juli? In den letzten habe ich wohl hunderte Bilder bearbeitet und in Alben für die Schwarze Presse zusammen gestellt, zuletzt nun tatsächlich das Fotoalbum zum Konzert von Agonoize. Was für ein spektakulärer Abschluss für dieses, das fünfundzwanzigste, Wave Gotik Treffen!

Ich schaue mir die Bilder noch einmal an und wie in einer Zeitmaschine sehe ich wieder alles vor mir. Was gab es denn nur wieder für fantastische Momente? Einer der lustigsten ist wohl mein Zusammentreffen mit meinem ahnungslosen Schweizer Kollegen. Als kurz vor dem Agonoize-Gig ein Ordner auf uns wartende Fotografen zukam und sagte "Hey, alle mal hergehört, ab dem dritten Lied gibt es Blut, bitte verlasst den Fotograben rechtzeitig!" stupste mich der Eidgenosse an und fragte "Was hat er gesagt? Blut? Was meint er…?". Ich zeigte ihm nur unaufgeregt meine sorgfältig in Regenschutz verpackten Kamera und sah, kurz bevor das Licht abgedunkelt wurde und das Konzert begann, in zwei völlig schockierte Augen.

An diesem Abend bin ich sicherlich nicht diejenige, die den weitesten Weg auf sich genommen hat, um ein tolles Festival erleben zu können. Vielen Dank an Holger, der in der Veranstalterwelt mittlerweile ein Garant für außergewöhnliche, familiäre Festivals ist.

Nach der herzlichen Begrüßung durch die Security geht es auf in die alten Hallen des Stadtbades zu Leipzig. Dezent dunkel gehalten, Kronleuchter in den Bögen der Seitenläufe. Angenehmes Licht und die Lokalmatadoren Versus auf der Bühne. Normalerweise hätte ich mir eine stille Ecke an der Seite gesucht, lässig an der Wand gelehnt und meine Notizen gemacht.. Leider waren auch die Sitzmöglichkeiten nicht da.. Nun gut, dann etwas jugendlicher.. Konzerterlebnis mal richtig und nur kleine Stichpunkte in das Telefon getippt. (Vielen Dank  So bleibt mehr Zeit für das Wesentliche.. TANZEN, oder auch nur etwas Wippen.. )

Wie erwartet starteten Versus souverän in den Abend. Klar die Ansage „Nazis raus“ - In der aufgeheizten Zeit, Politik überall.. Vielleicht stößt das bei dem einen oder anderen nicht auf Gegenliebe, mich hat es gefreut, nicht gestört. Doch zum musikalischen. Sie sind definitiv eine der besten Opener. Wenn auch noch Luft im Raum war, legten sie einen guten Start in den Abend und brauchen sich überhaupt nicht hinter den Headlinern zu verstecken. Sie pflegen den Kontakt zum Publikum, haben einen tragenden Fan- und Freundeskreis und genießen einfach ihre Musik und die Bühne..

Tanzwütig muss man nicht lange warten. Die Umbauzeiten sind sehr knapp, die Unterhaltungsmusik wünsche ich mir für das nächste Mal stimmiger zum Abend. Das Mikro übernehmen Syntec. Wahre Profis, die nix an Schneid über die Bühnenabstinenz verloren haben. „Leave me, love me“ - „Aus dem Alter bin ich eigentlich raus“ O-Ton des Sängers Tobias. Es wird keine Platte abgespielt, jedes Konzert wird anders. Syntec haben Besuch auf der Bühne. Dennis Schober von Solitary Experiments ist zu Gast und singt mit. Gepflegte elektronische Familie..

Es bleibt nicht viel Zeit zum Luft holen, Syntec haben schwungvoll den Staffelstab an Dance or Die übergeben. Endlich stimmt auch der Klang. Wer das Geknatter nicht so mag, wird der Formation aus Berlin nicht so viel abgewinnen können. Es wird laut, freakig, „Everything is beautiful“. Eine Zeitreise durch die elektronische Musik. „The Aliens are back“ und „Dance or die“ bringen mir viel Freude.

Solar Fake zieht die Festivalbesucher wieder gedrängt an die Bühne, sie präsentieren lebendig Ausblicke auf das neue Album, spielen Stücke des ersten Album. Die beiden Herren beglücken die Mädels, begeistern trotz des „Weiberelectro“-Images die Herrschaften. Es wird eine gute Show geboten. Der Saal feiert, die ersten Getränke sind alle..

In Strict Confidence machen es dem Publikum leicht. In diesen besonderen Räumlichkeiten bieten sie ein Potpourri aus Titeln, die älter als 10 Jahre sind. Keines der Lieder hat über die Jahre an Kraft verloren. Die Stücke lassen die Jahre vergessen oder erinnern an erlebte Partys und Konzerte, Abende mit Freunden. Doch ist erstmal keine Melancholie im Raum. Bis das „Zauberschloß“ zum Träumen einlädt. Ein Evergreen. Obwohl ich dachte, an diesem Titel keinen Gefallen mehr zu finden, war ich wie viele andere in den Bann gezogen. Dann verabschieden sich die Herren von „der schönsten Stadt der Welt, mit den schönsten Festivals der Welt!“

EBM ist nicht tot – Er ist älter geworden, wie auch die Tänzer, die den eigenen Nachwuchs zu solch tollen Veranstaltungen mitbringen.

:SITD: spalten wieder das Publikum. Für Ihre Verhältnisse finde ich diese Performance gar nicht so schlecht. Temporeich gibt es Lieder des aktuellen Albums zu hören: „Dunkelziffer“ , Ausblicke auf das neue Album: „Krematorium“ (da bin ich guter Dinge  ) und dann einen Partyhit „Snuff machinery“. Leider habe ich die meiste Zeit vor den Toiletten zugebracht, zum Glück war es laut genug, so blieb der Hörgenuss nicht auf der Strecke.

Und dann Covenant: Nun, für diese Herren war es eventuell nicht der beste Auftritt. Diesmal lag es weniger an der Technik. Es war auch für das Publikum schon ein langer Abend. Mich hat es dennoch gut unterhalten. Auch ein wunderbarer Aspekt: Bereits im Oktober sind sie wieder in Leipzig zu erleben. „Gothic meets Klassik“ wird sicher spannend. Covenant runden einen langen Abend beschwingt ab.

Viele gehen dann doch schon nach Hause, auch mir fehlt nach dem langen Tag der Atem für die Aftershow. Dabei hätte ich gern noch etwas gezappelt.

Ganz lieben Dank an die vielen Helferlein im Hintergrund, die zusammen mit Holger Troisch so einen Abend auf die Beine gestellt haben. Irre, Wahnsinn, wirklich großartig!!!

Bereits am 10. und 11. April diesen Jahres lädt dieses Team in die Sandsteinhölen nach Halberstadt ein, nach dem WGT erlebt man am ersten September in Deutzen das NCN und wen dann immer noch die Langeweile plagt: Gothic meets Klassik!

Bildergalerie:

Covenant

:SITD

In Strict Confidence

Solar Fake

Dance or Die

Syntec

Versus

Super Konzert mit den 17 Hippies im Täubchenthal

Wer meint, hier war ein Konzert mit flippigen Hippies à la Woodstock zu erleben, liegt falsch und richtig zugleich. Auf der Bühne geben sich nach 18 Jahren Bandgeschichte 13 starke Musiker die Hand und verbinden Stile, Musikrichtungen, Lebensfreude und wildes Chaos zu einer Welt.

Die Band freut sich, wieder in Leipzig auf der Bühne zu stehen. In dieser Stadt, in der sie die größte Anzahl unterschiedlicher Aufführungsorte bisher erlebten. Erstaunlich, denn die Berliner haben fast die ganze Welt bereist, sind seit 1995 häufig auf Tournee oder beglücken Ihre Zuhörerschaft auf zahlreichen Festivals. Das Erfolgsrezept lässt sich auch an diesem Abend im Täubchenthal erleben. Während die Welt zunehmend um die Akzeptanz des Anderen ringt, geben sich die Musiker Raum, jeder tritt nach vorn, jeder macht Platz. So wie sie die Folklore verschiedenster Nationen mischen, fließen in ihre Musik poppige Elemente, wird mal Englisch, mal Französisch, mal Deutsch, mal .. gesungen. Eine muntere Truppe die melancholische Momente mit purer Leichtigkeit, Lebensweisheiten und Neugierde paart und an die Konzertbesucher überträgt.

Wer sie verpasst hat, kann Sie dieses Jahr noch zu den Abschlusskonzerten der „Biester-Tour“ im Berliner Kesselhaus erleben. Und vielleicht sind sie bald wieder in Leipzig zu Besuch..

http://www.17hippies.de/

GALERIE

 

 

 

Irgendwie scheint das kulturelle Leben in unserer schönen Stadt an mir vorbeizuziehen, wenn mir eine derartig tolle Location wie das 'Täubchental' bisher verborgen blieb ... Da hat sich in der Plagwitzer Wachsmuthstraße ganz offensichtlich eine ernsthafte Konkurrenz zu etablierten Clubs wie dem Engelsdorfer 'Hellraiser' oder zum Werk II entwickelt.

Einer der positivsten Aspekte dieses Abends gleich vorweg. Während es bei anderen Champions League-Bands langsam zum grausigen Alltag zu werden scheint, die Nerven und Ohren ihres Publikums gleich mit zwei bis drei leichtgewichtigen Vorgruppen zu malträtieren ... auf das man darauf umso mehr glänzen kann ... begnügen sich Amorphis auf dieser 'Tales from the thousand lakes - 20the anniversary' - Tour, mit einer Vorband, aber die hat es in sich.

Avatarium, neuestes Projekt von Candlemess -Mastermind Leif Edling und Tiamat-Schlagzeuger Lars Sköld, erinnern mit ihrer wuchtigen, epischen Getragenheit und der Präsenz ihrer hübschen, stimmgewaltigen Sängerin Jennie-Anna Smith an einer der größten Bands dieses Metiers der neunziger Jahre, 'the Gathering'. Verträumt, wuchtig UND gleichzeitig zart. Lange keine so gute Vorband gehört. Nach einer knappen Stunde Spielzeit räumen Avatarium unter großen Applaus die Bühne ... Leute, den Namen könnt ihr euch getrost merken ...

Nach einer langen Umbaupause verdeutlicht das Intro 'Thousands Lakes' musikalisch gleich das Motto des Abends, und tatsächlich gibt es dann in der nächsten Dreiviertel Stunde das volle Brett. Into Hiding, First Doom, Black Winter Day, Drowned Maid, In the Beginning, Forgotten Sunrise, To Fathers Cabin Magic and Mayhem - fast das gesamte Programm ihres unvergessenen und stilprägenden Zweitwerks von 94, das erstmals klassischen Death Metal mit folkloristischen Elementen verband. Das Amorphis tatsächlich fast die komplette 'Tales from the thousands Lakes' war die erste Überraschung, die zweite folgte auf dem Fuß. Wer erwartet hatte, dass die Jungs aus Helsinki jetzt auf Nummer sicher gehen, die Vergangenheit ruhen lassen und sich auf die wunderschönen Melodien ihrer drei letzten Alben zurückziehen würden, die sie kommerziell erfolgreich machten, sah sich hammerhart getäuscht ... Es wurde nicht melodischer, sondern noch härter, denn jetzt hieß es Knüppel aus dem Sack. Mit 'The Gathering', 'Sign from the Northside' und 'Vulgar Necrolatry' gingen Amorphis noch weiter zurück ins Jahr 92 zu ihrem rauen, räudigen Erstlingswerk 'The Karelian Isthmus' ... Die drei letzten Titel waren schlüssigerweise vom dritten Album Elegy, und beendeten eine würdige und vom zahlreich erschienenen Publikum laut gefeierten Ausflug in die Anfangstage von Amorphis. Was für ein Abend - so Hard werden wir die Jungs in diesem Leben vermutlich nie wieder zu hören bekommen ...

Fotostrecke von PanTera

Avatarium

Amorphis

 

 

 

Je besser der Lemmy, desto besser die Band

Motörhead begeistern Berlin mit wiedererstarkter 68-jähriger Metallegende

Ein toller Abend stand uns bevor, als wir Sonntag gen Max-Schmeling-Halle rollten. Motörhead hatten geladen und mit Skew Siskin und The Dammed großartige Vorbands im Gepäck. Die Vorfreude was groß und wir fragten uns, wie es Lemmy seit dem Sommer ergangen war. Auf zwei Festivalgigs hatten wir Motörhead gesehen und waren jeweils froh, dass Lemmy wieder fit war, bemerkten jedoch auch recht lange Ansagen und Solos von Phil Campbell und Pausen, in denen Lemmy jedoch minutenlang im Backstage verschwand. Wir waren zufrieden, er war aber noch lange nicht der Alte.

Bis wir Lemmy, Phil und Mickey zu sehen bekommen würden, würde es jedoch erst noch eine Weile dauern. Der Einlass verlief trotz tausender Menschen reibungslos und schon bald warteten wir mit einem Bier vor der Bühne. Um uns herum viele ältere Punker, Pärchen in Sonntagsausgehkluft, junge Mädchen und langhaarige Kuttenträger jeden Alters, der Durchschnitt ungefähr bei 40 Jahren. Während im Innenraum der Max-Schmeling Halle nur der Bereich vor der Bühne sich füllte, waren die Sitze auf den Rängen bald belegt und das Publikum verlagerte sich von Currywurst an der Fressbude zu Rock’n’Roll an der Bühne.

Skew Siskin starteten pünktlich. Sängerin Nina C. Alice wirkte entspannt, dabei hat Berlin eine besondere Rolle in der Bandgeschichte. Hier, in ihrer Geburtstsstadt, gründete sie Skew Siskin gemeinsam mit Gitarrist Jim Voxx. Danach folgten sechs Alben, eine eigene Plattenfirma und ab 1993 Gigs im Vorprogramm von Motörhead, Alice Cooper und Saxon. Auch auf Lemmys Soloalbum und im Tribute „The Godfather Of Heavy Metal“ an ihn war die Band zu hören. Genauso laut, genauso Rock’n’Roll waren Skew Siskin dann auch, auch wenn wir uns die „schwarze Doro“ präsenter und dynamischer vorgestellt haben. Mit dem auf dem Tributealbum erschienenem „Shake me“ kriegte die Band auch die jüngeren Publikumsteilnehmer, sodass nach sechs Best-Of-Songs verhaltener Jubel Skew Siskin von der Bühne verabschiedete.

Mit einem theatralischen Intro betrat auch die Kult-Punkband The Damned nach einer Umbaupause als zweite Vorband die Bühne. Gitarrist Captain Sensible und Sänger Dave Vanian boten Unterhaltungspotential und zeigen sich sympathisch und publikumsnah. Es ist mehr als Drei-Akkorde-Punk, was die Briten auf die Bühne brachten. Klarer Gesang, Gothic Rock, Rockabilly oder Popelemente sorgten für wackelnde Hintern und Begeisterung. The Damned huldigten auch Motörhed und dankten Lemmy, der als Bassist die Band in den 70ern vor dem Ende gerettet hat. Es war schön, eine solche Band mal auf Deutschlands Bühnen zu sehen und auch wenn Teile des Publikums nicht allzu viel mit den Post Punkern anfangen konnten, war dies ein toller Gig und eine schöne Einstimmung.

Nach einer weiteren Umbaupause jaulten plötzlich Gitarren und Bassriffs durch die Halle. Jubel brandete auf und die inszenierte Dunkelheit wurde bald von Scheinwerfern durchschnitten. „Hello Berlin, it’s good to be back. We are Motörhead“, ertönte Lemmys Stimme stark ins Mirko, „and we play Rock’n’Roll!“. Nach den ersten Riffs von “Shoot you in the back” dröhnten Bässe in der Halle bis die Kopfhaut krabbelte. Die Playlist des Berliner Konzertes würde im Gegensatz zu den Festivalauftritten variieren, freuten wir uns und brüllten euphorisch zu Damage Case, Stay Clean, Metropolis und Over The Top mit. Stagediver wurden zu den brachialen Riffs über Hände getragen, Snaggletooth wurde auf jedem feuchtgeschwitzten T-Shirt auf stolzer Brust zur Bühne gestreckt. Zu „Suicide“ bot Phils Gitarrensolo dem 68-Jährigen Lemmy eine erste Pause und Phil brachte allein und völlig zu Recht das Publikum zum Kochen. Danach erschien Lemmy wieder erholt auf der Bühne und wurde zwischen den Songs richtig redselig.

Er prostete den Massen mit Wasser zu („Ich werde mich nie dran gewöhnen.“), begeisterte das Publikum mit einer Berlinflagge unter dem Murder One, ermunterte zu „Just `cos you got the power“ zu politischer Meinungsbildung und spornte das Publikum an („Das ist der letzte Song für heute Abend, aber wenn ihr genug Lärm macht, kommen wir zurück“). Zwar verstand man nicht jedes Wort seines genuschelten British English , doch schon allein dass er die Anmoderationen wieder selbst übernahm, stimmte uns froh. Zwischendurch staunten wir über Lemmy gefestigte Stimme und seine Freude über die Fans und vielleicht auch seine eigene Kondition. Auch „der beste Drummer der Welt“ Mickey Dee sorgte mit seinem Drumsolo für große Augen.

Gegen Ende des Konzerts begrüßte Lemmy Rammstein, die das Konzert von einem Logenplatz auf der Bühne genossen, sich den Fans aber nicht zeigten. Nachdem zu Ace of Spades die Halle kochte, zog sich die Band noch einmal zurück und unter tobendem Beifall drehten Motörhead zwischen den zum Beben gebrachten Tribünen zu Overkill ein letztes Mal richtig auf. Gänsehaut, Freude, Nackenschmerzen, eine heisere Stimme – dieses Konzert bot uns alles, was wir erhofft hatten und sogar noch etwas mehr. Waren wir im Sommer zufrieden, begeisterte uns dieses Konzert. Lemmys wiedergefundene Stärke steigert auch die Qualität eines Motörhead-Konzerts, das mit 46 Euro nicht im Schnäppchenberiech liegt. Dennoch: Lemmy und Co. begeisterten 12000 Menschen. „Don’t forget us“, wünschte er sich und wir sind uns sicher: Jeder hier in der Max-Schmeling Halle würde sofort wieder kommen, wenn Motörhead rufen.

Unsere Bilder vom Konzert finden ihr HIER.


Vielen Dank an Trinity Music!

XXV. WACKEN OPEN AIR

Is wie guter Wein, wird mit‘m Alter besser

Jubiläumsfestival zeigt uns, was das Wacken, Kreator, Emperor und Co. gemeinsam haben

„Hätte mir mehr versprochen, ist immerhin das 25. Jubiläum“, erklärt mir bei einem Jägermeister einer junger Metalfan mit Digitalkamera in der Hand und schulterlangen Haaren. Unser Fotograf ballt die Fäuste. In seinem Kopf schreit er laut „JUNNNGGÄÄÄ!“ und nimmt dabei den Jungen neben mir auf’s Korn. Ich hingegen zeige auf das diesjährige Wacken-Shirt. „Siehst du das? Alles gleich groß geschrieben in den ersten Reihen. Kein Rammstein in riesigen Lettern, kein Iron-Maiden-Logo, welches über dem Rest thront.“ Fragend guckt mich der Kollege zur linken an. Nach zehn Minuten spricht er mich erneut an. „Jetzt hab ich’s verstanden!“, ruft er und grinst. „Alles Headliner, richtig?“ Anerkennend proste ich ihm zu. Dass ich nochmal jemanden aufklären muss, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Aber mal ehrlich: Motörhead waren Headliner 2009 und 2006, Hammerfall 2005, Children of Bodom 2006, Avantasia 2008, Saxon 2009, Slayer 2003 und auch viele der anderen Bands, die 2014 auf den Wackenbühnen standen, waren bereits hier oder da Headliner. Nun sind sie alle hier versammelt, auf heiligem Acker, im Erlebnispark für Metaller, in Wacken.

Aber von vorn. In diesem Jahr nutzen wir erstmals die Gelegenheit der Frühanreise. Nach erholsamen Tagen am Meer kommen wir bereits am Dienstagvormittag in Wacken an und campen mit etwas Glück auf einem Stück Rasen direkt vor dem Haupteinlass. Im Camp neben uns läuft das Ballermann-Lied „Dicke Titten Kartoffelsalat“ mit Motörheads „Ace of Spades“ um die Wette und irgendwann bekommen  wir den Text des ersteren Liedguts nicht mehr aus dem Kopf und singen es in jeder passenden Situation. Hier vorn ist neben der Musik nicht nur die Luft gut (Feuerwehrzufahrt- und Aufstellfläche einmal vor und einmal neben uns bedeutete unverbaute Sicht), hier gibt es auch etwas zu erleben. Mit einer Flasche Captain und zwei Flaschen Cola bewaffnet beobachteten wir alsbald Lackhosenträger auf Fahrrädern, Metaller, die Spießschweine tragen, das Trashmobil mit seiner überaus schlechten Musik aber immer guter Stimmung, anreisende Metaller, die mit dem Zug nach Wacken gekommen waren und im Affentempo an uns im Stehen auf Quads vorbeirasende Securityscharen. Wir waren hier nicht lang allein, quatschten hier mal mit Bekannten aus der Heimat, da mal mit Angereisten aus Istanbul oder München und so verging die Zeit wie im Flug, bis Mittwoch – für uns Tradition – Mambo Kurt das Wacken eröffnet. Viel besser als letztes Jahr zeigt sich der Heimorgelvirtuose, spielte Kulthits, lässt die Wackenfans auf der Bühne tanzen und sorgt für einen gelungenen Auftaktabend.

Am Donnerstag entern dann die richtig Großen die Hauptbühnen. Wie immer eröffnen Skyline, die Band der Wackengründer, unter großem Jubel das Infield. Auch Bülent  Ceylan, der sein neues Programm, seinen Kumpel Ali und die Tittenfrau aus der dritten Reihe präsentiert und Hammerfall sorgen für ein schönes Nachmittagsprogramm. Dieses wird abgeschlossen von Steel Panther, einer wirklich bemerkenswert pathetischen Band, die in der Vergangenheit bereits ernsthaft eine Reality Show über ihr Rockstardasein einforderte. Mit viel Leo, Rosa und großer Klappe stehen die Jungs auf der Bühne und spielen tollen Pussyrock. Zugegeben: Es macht Spaß zuzugucken, vor allem als der Sänger die ersten entkleideten Brüste im Publikum zu Gesicht bekommt. Schon bald füllt sich die Bühne mit barbusigen Frauen, das ist Rock’n’Roll liebe Leser. Zwischen anfeuernden Worten („Gimme that pussylicking“), Frauenzüngeleien mit und ohne Michael Starr und einer Horde Mädels auf der Bühne wird nur noch wenig Musik gespielt aber viel gelacht – Steel Panther sind sympathisch, durchgeknallt und man kann mit gutem Gewissen das Anschauen des Livestreams dieses Konzerts im Internet empfehlen. Emanzipation? Nein, danke! FSK? 16!

Peinlich wurde es, als die Ehrlich Brothers, die deutschen Siegfried und Roy, die Bühne betraten. Sie wollten Eisenbahnschienen verbiegen und zu einer 25 formen um dem Festival mit viel Steel zu huldigen, doch das ging gehörig schief. Sicher, unter den Augen zweier prüfender Zuschauer bogen sich die Schienen und wurden mit anderen vorgeformten Stahlstücken zur Jubiläumszahl, doch spannend war der Auftritt der Magier mitnichten. „Zeigt mir eure Schädel!“, eigentlich „Horns high“, also der Aufruf, die Pommesgabel in die Höhe zu recken, führte zu jeder Menge Lachern und genervten Blicken – wirklich viel Applaus kriegen die Zauberer für ihre kurze Pausenshow nicht.

Doch wir wollen in diesem Jahr vor allem von den Highlights berichten, unsere Kraft  schonen, denn dieses Line-Up hält uns täglich von spätestens 14 Uhr bis etwa zwei Uhr vor der Bühne. Schon am ersten Tag wird0unsere Ausdauer belohnt: Saxon spielen zum 45-jährigen Jubiläum ein echtes Hammerset. Biff und Co. sind gut drauf und haben – Gänsehaut pur – Streicher mit auf der Bühne! In diesem Sommer spielen Saxon tatsächlich nur Festivals und während der Einstieg ein paar Kracher der Bandgeschichte enthält, wurde es ab „Crusader“ eng rund ums Mikro. Percussions und Violinistinnen ergänzen die Soundkulisse der folgenden Metalhymnen. Ein wirklich gelungenes Jubiläum.

Für Accept war der Auftritt von Saxon die denkbar schlechteste Ausgangssituation für die Deutschen. Sie spielen  ein souveränes Set, ein tolles Metalkonzert, aber auch bei Balls to the Wall oder Metal Heart hüpft das Herz nicht ganz so schnell wie beim vorangegangenen Gig. Auch wenn die Band die Livepremiere eines neuen Songs spielt, gibt es keine Überraschungen aber einen schönen Metalabend mit zwei großartigen Bands mit langer Geschichte. Wir sind eingestimmt, liebes Wacken, weiter geht’s!

Am nächsten Tag klettern wir etwas verkatert aus den Zelten. Eine neue Flasche Rum, dann wurde das Camp im Laufe des Vortages vollständig, noch eine Flasche Rum und vielleicht noch eine...  so richtig will uns das Frühstück mit Blick auf die anstehenden Menschen, die ihre Karte gegen das heißbegehrte Bändchen tauschen wollen, nicht schmecken.

Beim ersten Radler verpassten wir leider die Show von Chthonic, die andere Wackener gehörig wachpusteten. Klang gut aus unserer ersten Reihe (des Zeltplatzes), wir blieben jedoch noch ein wenig im Campingstuhl und hörten von weitem gebannt zu. Bei Skid Row erholten sich die geschundenen Knochen, wir mochten die Mischung aus Wackenstaub, Rock und kaltem Bier. Richtig munter werden wir, als Knorkators Stumpen seinen erschlankten Hintern in die Menge hält und die Band nach einer Pause wieder live Faxen macht. Für solche Konzerte ist die Partystage wahrlich gemacht. Fehlerfotze, brüllen wir, singen laut mit, trinken Bier, beobachten stagedivende Mario Brothers und freuen uns.

Später versuchen wir der Nachmittagshitze bei einer der Wrestlingshows zu entgehen. Hier gibt es ordentlich auf die Fresse, die Wrestlingshow bringt Spaß und die blöden Sprüche, engen Schlüppies und testosteronstrotzenden Kraftprotze passen zu unserer wiedererstarkenden Heiterkeit. Mit einer Reise zurück zu vertrauten und vermissten Panteraklängen bei Hell Yeah und C.O.P. UK, deren uns im Gedächtnis gebliebener, sympathischer Sänger Dale CDs an die Fans verteilt, stressen wir uns ein wenig. Wir eilen zudem zwischen Bring me the Horizon, Excrementory Grindfuckers und Five Finger Death Punch (die meisten „Fuck“s des Wochenendes) hin und her und kommen erst bei Heaven Shall Burn wieder zur Ruhe. Auf dem Balkon des Jägermeisterhäuschens platziert sehen wir wieder eine extrem gute Show der Endzeit-Helden, die ab dem ersten Riff Moshpits kreieren. Die Wall of Death, offiziell verboten, würde zum Staubmassacker noch fehlen, doch es scheint den Thüringern ganz recht, dass es auf dem Wacken weniger gewaltvoll als auf anderen Festivals zugeht. „Passt auf euch auf!“, fordert  Sänger Marcus Bischoff, schreit gegen Gewalt und Faschismus an und heizt die Fans doch mit seiner Energie in den Wahnsinn an. Wie immer sind wir schwer entzückt von riesigen Moshpits, Circlepits und perfekten Schwiegersöhnen, die richtig geile Mucke machen! Eines unser Highlights: Ein Cover – und zwar das von Blind Guardians Valhalla.

Ebenso laut, schnell und großartig geht es mit Fucking Children of Bodom weiter. Hier folgt ein fucking Kracher dem anderen, präsentiert natürlich mit vielen fucking Flüchen. Wir finden die Show wieder fucking gut und gehen kurz was Essen, damit wir uns Apocalyptica mit Orchester nicht mit leerem Magen anhören müssen.

Die Setlist der Finnen ist nicht unheimlich lang und von drei Covern (Metallica, Metallica und Sepultura) durchmischt, dafür ist die orchestrale Soundkulisse der Wahnsinn. Es scheint, als haben Apocalyptica einfach das Orchester eingepackt, mit dem sie Wagner Reloaded durch die Republik getragen haben. Falsch, denn das Avanti!-Orchester ist ebenfalls aus Finnland und hat sichtlich Spaß daran, zentausende Headbanger zu unterhalten. Fazit: Kulisse geil, Musik geil, Finnen geil, Gig geil, Gänsehaut fetzt!

Tatsächlich haben wir nicht nur dank Orchesterauftritt nun Hummeln in den Hintern. Nachdem wir im letzten Jahr aus nächster Nähe zusahen, wie Legende Lemmy KIlmister den Motörhead-Gig wegen eines Hitzeschocks und gesundheitlicher Probleme abbrechen musste, waren wir nun doppelt gespannt auf die beste Band der Welt. Die Stimmung in den ersten Reihen ist kämpferisch, viele weitgereiste Fans, viele jüngere Konzertbesucher (mit ihren Vätern) stehen hier und ehe wir uns sicheren Boden unter den Füßen besorgen können, kommen Kilmister und Co. auf die Bühne und die Masse bebt. „We are Motörhead and we play Rock’n’Roll“, sagt Lemmy. “Ja, bitte!”, denken wir kurz und werden erfasst von den Fanmengen, die zu Damage Case in Richtung Bühne gedrückt werden. Schnell sind wir eingekesselt, Stagediver unter uns, kein Blick auf Lemmy, Schweiß überall und glückliche Gesichter. Das Gedränge beruhigt sich zum Best-Of-Lineup irgendwann, nur die Männer schuften und tragen Stagediver jeden Alters und Geschlechts vor die Bühne, die vor Lemmy auf die Knie fallen, ihm zuwinken, sich mit Gesten bedanken und sich von den Fans in der ersten Reihe feiern lassen. Lemmy sieht besser aus, hat Farbe im Gesicht, eine erstaunlich erstarkte Stimme, er lächelt, redet für seine Verhältnisse viel, lächelt süffisant wie immer und holt sich sogar einen Gaststar auf die Bühne: Doro Pesch singt mit Lemmy Killed by Death, die Fans drehen erneut durch und wollen die drei Vollblutmusiker nicht mehr von der Bühne lassen. Bei so vielen Lemmy-Rufen tun einem Mickey Dee und Phil Campbell fast leid. Letzter über nimmt viele Ansagen und trotz seiner nicht vor Sympathie strotzenden Erscheinung heizen er und seine durchsichtige LED-Gitarre die Menge gehörig an, wenn Lemmy sich ein Päuschen gönnt. Der Motörhead-Gig war ein Overkill, wahrlich, und erstmals die letzten drei Songs selig grinsend von weiter hinten aus angesehen. Schade dass zum Duschen keine Zeit bleibt.

Es sind Slayer, die einen weiteren Topslot besetzen. Die Bühne glüht in rotem Licht, der Sound ist brillant und richtig, richtig laut.  Die Trasher beweisen, warum sie zu den Big Four gehören. Man merkt Kerry King  und Tom Araya die mittlerweile auch schon über 50 Lenze rein gar nicht an. Irgendwie kann man die 80er Jahre fühlen, auch dann, dem verstorbenem Gründungsmitglied Jeff Hanneman „Angel of Death“ widmen. Gänsehaut zu Slayer, auch das geht. Die schnellen Riffs, die vom neuen Schlagzeuger Paul Bostaph auf den Punkt gebrachten Drumtiraden und das immer noch gellende Kreischen von Tom Araya bleiben auch nach dem Gig lang im Kopf der Wacken Besuche.

Genauso düster, doch offensichtlich inszenierter sieht die Bühne von King Diamond aus. Der grammynominierte Däne spielt ein tolles Konzert und viele Publikumsgäste sehen hier das beste Konzert ihres Wackens 2014. Zugegeben: Wir schwelgen noch im Motörhead und Slayer und finden diesen doch etwas leichteren Rock schön, einen Jahrhundertgig nehmen wir jedoch nicht wahr. Sei es drum, King Diamond fasziniert auf der Bühne, hat eine bemerkenswerte Stimme, eine imposante Karriere hinter sich und es ist wie immer ein Vergnügen, solch einen Künstler auf einem norddeutschen Rasen zu erleben. Bei den ersten Klängen von W.A.S.P. ziehen wir uns dann tatsächlich zurück, es war ein schöner Tag, morgen folgt jedoch ein weiteres Full Metal Package.

Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Als wir aus dem Zelt krauchen, steht die Sonne schon hoch auf dem Acker. Beim Frühstück lauschen wir von weitem Arch Enemy mit neuer Sängerin und bereuen derbe, nicht dort vorn auf dem Infield zu stehen. Was für ein cooler Gig, was für eine tolle Stimmung, das hören wir bis hierher. Und: Die Stimme von Alissa White-Gluz passt perfekt zu neuen und alten Songs. Zwar will mir keiner glauben, dass Arch Enemy aufgrund der tollen Musik auch ohne Frauenpower auf der Bühne erfolgreich wäre, aber einig sind wir uns darin dass die Band die beste Frühstücksuntermalung war, die wir je hatten.

Wir sparen uns die vielgesehenen Sodom und verpassen auch Prong, die zeitgleich mit Arch Enemy zwölf Uhr starten. Zu Behemoth stehen wir dann in praller Sonne vor der Bühne und finden schade, dass die Polen nicht im Dunkeln ihre Feuershow zeigen dürfen. Für das Ohr gibt es natürlich trotzdem was: Behemoth sind live sehr atmosphärisch, spielen tolle Black- und Death Metal-Songs doch trotz tollem Bühnenbild und super Setlist wirkt die Masse statisch. Black Metal und 30 Grad passe einfach nicht zusammen, wir hoffen für das nächste Jahr auf einen besseren Slot für die durchweg starke Performance der Band.

Parallel zu Behemoth spielen auf der Partystage August Burns Red. Auch in vielen Jahren und nach zahlreichen Umgestaltungen des Infields hat es das Wacken noch nicht geschafft, die Partystage von den anderen Bühnen tatsächlich abzuschotten. Wie auch schon bei Knorkator ist der Sound hier nur gut, wenn man direkt mittig vor der Bühne steht. Schade, wir haben weder auf Soundbrei noch Moshpit Lust und schauen uns den großen Metal Market und die zahlreichen Futterstände an, die, teuer aber lecker, allerhand leckere Speisen bereithalten.

Zum Döner gibt es die letzten Klänge von Decapitated, die richtig reinhauen. Wir hätten gern mehr gesehen, gönnen uns jedoch eine kurze Verschnaufpause um zu Hatebreed und Emperor wieder fit zu sein. Und es lohnt sich! Sowohl Emperor als auch Hatebreed sind großartig, wir rennen zwischen Moshpits und den mit drei Gitarristen gewaltig aufgestellten Emperor hin und her, bleiben dann aber bei den Norwegern, die nach einer Bandpause nur noch selten live auftreten. Ein Donner, gutturaler Gesang, Black Metal zu Staub – wer mit 15 Jahren anfängt Black Metal zu machen und Ihsahn heißt, dem muss das Metaller(innen)herz wohl einfach zugewandt sein. Wir verstehen nun, warum Emperor Kultstatus haben und möchten sie unbedingt wieder sehen – schade, dass dies wohl so schnell nicht wieder passieren wird (und wenn, dann auf der Wackenbühne!).

Mittlerweile husten wir Staub und der Hals tut weh. Meine Mandeln sind geschwollen und nachdem ich Amon Amarth in diesem Sommer schon beim With Full Force gesehen habe, schaue ich mir diese nur von weitem an. Das Bühnenbild ist schon toll und Amon Amarth sind live einfach immer wieder ein Knaller. Wo neuere Songs noch nicht exzessiv von der Publikumsmasse mitgegrölt werden, schießen Flammen links und rechts neben dem Wikingerschiff von der Bühne in die Sommerhitze, dann heizen alte Klassiker die Menge an, die erwacht und für die letzte Wackennacht 2014 bereit gemacht wird.

Auf Megadeth warten wir gefühlt eine halbe Ewigkeit und als Dave Mustaine und Co. dann die Bühne betreten wollen, fällt auch noch der Sound aus. Erst als alle Boxen das Intro wieder in feinstem Stereosound hergeben, beginnt ein leidenschaftlicher und großartiger Gig. Mustaine schaut irre ins Publikum, wir überlegen ob er trotz seiner suchtnahen Vergangenheit illegale oder hochgradig alkoholische Substanzen ihm diesen Blick geben, verwerfen aber die Unterstellungen und lassen uns mitreißen von der mit einer Videoshow unterlegten Setlist. Immer wieder fluchen wir über technische Probleme, sind dann aber wieder elektrisiert und jubel zum Thin Lizzy Cover Cold Sweat oder singen mit 80000 Leuten an unserer Seite „Peace Sells“ oder „Symphony of Desctruction“. In einem langen Outro bedankt sich Mustaine und lässt sich feiern. Der irre Ausdruck von seinem Gesicht ist verschwunden, er sieht zufrieden aus. Das kann er auch sein. Die zweite Big Four-Band des Wacken 2014 war großartig!

Tobias Sammet und seine Rockoper Avantasia sind Stammgäste auf dem Wacken und auch wenn der Auftritt des Edguy-Frontmanns jedes mal einer Selbstinszenierung gleich, zieht sie jedes Mal Heerscharen von Fans an. Vielleicht liegt es nicht nur am verrückten und charismatischen Sänger Sammet, sondern an den Gastmusikern, die die Rockoper mitgestalten. Mit viel Pomp, Gerede und den Gastmusikern Ronnie Atkins von den Pretty Mais, Bob Catley von Magnum, Michael Kiske von Helloween, Amanda Somerville (hat schon mit Edguy zusammen gearbeitet) und Eric Lee Marin (Mr. Big) feiert Sammet seine Power-Metal-Party und viele Fans feiern mit. Mission Avantasia mal wieder geglückt!

Wir verabschieden uns mit Kreator aus dem Infield und erleben einen würdigen Abschluss.  Auch hier lodert die Bühne wieder in rot. 30 Jahre Bandgeschichte und deutscher Trash Metal betreten die heiligen Bretter und Sänger Mille und Co. zeigen schnell, dass Bands im Alter nicht schlechter, sogar besser werden. Und liegt es am Wacken, am Line-Up, an den Musikern an sich oder an unserer glücklichen Stimmung an diesem letzten Wackentag: Wir haben das Gefühl dass  diese Feststellung auf so einige der gesehenen Künstler in diesem Jahr zutrifft und beenden unser Festival mit einem Colamixgetränk am Zelt. Wir sind sehr glücklich mit dem Wacken 2014, und ärgern uns maximal über die geänderte Anordnung der Bühnen und Eingangsschleusen (die nach zahlreicher Kritik im nächsten Jahr nochmal umgestaltet wird) oder über parallel spielende Bands, die wir gern jede für sich gesehen hätten. Vielleicht haben wir bald wieder die Chance dazu und blicken in die Zukunft, wo das Wacken 2015 mit In Flames, Savatage, Sabaton, den Cannibal Corpse, Death Angel, Kataklysm und Sepultura aufwartet.