3. Kasematten Festival in der Sandsteinhöhle bei Halberstadt

On: 29/04/2017

Festival in der Höhle

Die Synthie-Pop-Band Nova-Spes, die erst kürzlich ihr 4. Album “A Dog and his Boy” herausbrachten, eröffneten die Bühne des Kasemattenfestival in Langenstein bei Halberstadt. Das besondere an diesem Festival ist die einzigartigen Kulisse einer Sandsteinhöhle. Es folgten X-Divide, die bekannte Songs wie Forever oder My Love is im Gepäck hatten, aber auch Lieder vom neuen Album, welches in diesem Jahr noch erscheinen soll. Als Zugabe gab es Coverversionen von Enjoy the Silence (Depeche Mode) und White Wedding (Billy Idol) auf die Ohren. 

Schon lange kein Geheimtipp mehr ist die Band Ash Code, die in den Bereichen Post Punk und New Wave unterwegs ist. Erst seit 2014 aktiv, erspielten sie sich in den letzten Jahren jedoch konsequent ihren Platz auf den Dancefloors der Clubs. In der immer etwas kalten Höhle tanzten sich die Besucher zu Dry your Eye oder Can´t Escape warm. Der klassischer Dark-Wave Sound von Ash Code wird durch die modernen elektronischen Einflüsse spannend und hörenswert, man fühlt sich als Genre-Liebhaber heimisch in dem, was sie tun und wird dennoch überrascht.

Ebenso wurde man auch von der nachfolgenden Band Rome mit Neuem bekannt gemacht. Die Musik des Duos aus Luxemburg ist schwer in einem Satz zu beschreiben: vielfältig sind die inhaltlichen und musikalischen Elemente, wie Klassik, Rock oder Jazz. Mit diesem Mix verbreiteten sie eine wunderbar entspannte Stimmung, die schwerlich zu toppen war. 

Dass das doch ging bewiesen Solar Fake, die den ersten großen Höhepunkt des Abends bildeten. Die Band rund um Sven Friedrich, bekannt durch Dreadful Shadows und Zeraphine, muss man wohl an dieser Stelle nicht weiter vorstellen, zumal sie als Support für u.a. VNV Nation, Peter Heppner und Project Pitchfork fungierten und durch diverse Festivalauftritte sicherlich viele Fans gewinnen konnten. Das könnte jedenfalls die große Fangemeinde im Publikum erklären.

Mit einem lauten Knall endet der ersten Kasematten Festivaltag: Agonoize. Aggrotech, so die Musikrichtung, ist wohl nicht jedermanns Geschmack, aber das muss es auch nicht. Die Band um Frontmann Chris weiß sich allemal zu inszenieren und dabei das Publikum zu animieren. So spielten die sonst stets blutbedeckten Jungs eine mehrstündige Show, die allerdings optisch etwas verhaltener ausfiel, als gewohnt.

 

Heiß auf die Aftershow Party zog es die aufgepeitschten Gäste dann in den zweiten Raum, wo bereits ordentlich getanzt und gefeiert wurde. Doch dann nichts mehr: kurzes Gemurmel über eine Pause, wonach die Musik weiterlaufen würde. Die Aftershowparty war, wie es am nächsten Tag hieß, aus behördlichen Gründen abrupt abgebrochen worden. Das drückte die beinahe frenetische Stimmung des Abends ein wenig, war jedoch der einzige Wermutstropfen. Beziehungsweise nicht ganz - denn für diejenigen Besucher, die auf ein Taxi angewiesen waren, um zu den Pensionen und Hotels in den nahegelegen Städten zu gelangen, war dies eher Glück im Unglück. Entweder hätten sie sonst im zugigen Wind noch Stunden warten oder sich selbst auf die Socken machen müssen, denn nachts um 2 Uhr waren Taxis Mangelware. Unterwegs auf der Landstraße konnte man so einige dann den circa 4 km langen Weg nach Halberstadt auf der Landstraße zurücklegen sehen, Gott sei Dank ist dabei nichts passiert.



Ein unvergesslicher Abend

Zum Start des weiten Festivaltags war quasi kein Kaffee notwendig, denn schon der Opener Amnistia heizte dem Publikum ordentlich ein. Dass dieser „EBM Frühsport“ Laune machte, sah man dann auch an der Anzahl der Besucher, die bereits 15 Uhr so zahlreich waren, als liefe das Festival bereits 3 Stunden. Hier sah man auch den Vorteil einer Sandsteinhöhle als Konzert Location: Oft passt das grelle Tageslicht nicht unbedingt zur Atmosphäre eines solchen Events, in einer Höhle aber ist die Stimmung sofort da Dank der gelungenen Lichttechnik.

Auch die zweite Band war ein absoluter Publikumsmagnet! Die 2 türkischen Künstler um She Past Away stehen für mitreißende Songs und eine unverwechselbare Stimme. Eine Mischung aus Gothic Rock, Post Punk und Dark Wave - hörbar beeinflusst durch die 80er Jahre.

Daran schlossen mit Klangexperimenten, sowie Coverversionen im Neo Folk-Gewand die Band von Death in Rome an.

Die Menge fing an noch mehr zu brodeln, als Escape with Romeo die Bühne betrat. Die Kölner Band gibt es bereits seit den 90er Jahren und verbindet elegant Gitarrensound mit elektronischen Elementen, dieser Wave Elektro Rock kam auch beim Kasemattenfestival mehr als gut an.

 Die folgende Umbauphase fiel dann länger, als gewohnt aus, kein Wunder, denn die Bühne wurde mit vielen Gerätschaften und Synthesizer vollgestellt. Wie zu jeder Pause lief dabei übrigens Joy Division - das wird niemals alt. Das zahlreiche analoge Equipment konnte nur auf eine Band hindeuten. Agent Side Grinder. Die Schweden bieten eine sehr spannende Mischung aus EBM und Dark Electronics mit Soundeinflüssen der 1970er bzw. 1980er Jahre.

Wenn nun zwei schwedische Bands in Deutschland auf einem Festival anwesend sind, liegt es natürlich nahe, dass das gemeinsam mit Henric de la Cour eingespielte Wolf Hour auch live dargeboten wird. So wurde die Hoffnung nicht enttäuscht, als Henric die Bühne enterte. Der ohnehin schon wunderschöne Song, nahm live und in dieser einzigartigen Location noch einmal an Intensität zu. Bemerkenswert war auch, dass es der letzte offizielle Auftritt der Band in dieser Formation war, Sänger Kristoffer Grip wird die Band verlassen. Er gab aber zur Freude der Fans, den Ausblick, dass Agent Side Grinder aber auf keinen Fall aufhören wird. Es wird neues Material geben.

Aber natürlich spielte Henric de la Cour danach noch eine eigene Show. Er ist schon seit Jahren, vor allem in der schwedischen Musikszene sehr erfolgreich mit seinem melancholischen Synthie-Pop, immer untermalt von seiner großartigen, düsteren Stimme.


Den Abschluss des diesjährigen 3. Kasemattenfestivals bildete der Auftritt von Project Pitchfork, die eindrucksvoll die bekannten Songs, voller Energie darboten.

Und dann steht man nun in dieser wundervoll heimeligen Höhle, Wolf Hour hallt immer noch im Ohr nach, während Peter Spilles Fire and Ice anstimmte. Es folgten Alpha & Omega und andere Klassiker und man spürte, wie sich eine kollektive Gänsehaut bei der Menge bildete.

Genau das sind die Momente, die ein Festival unvergessen und zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Auch wenn man sich etwas über fehlenden Taxen oder die abrupt abgebrochenen Aftershow Party am Vortag ärgern konnte, so versöhnt die wundervolle Musik, das einzigartige Ambiente und die Menschen und Freunde dann doch sehr schnell.

Übrigens: Bereits im September steht das nächste “Troisch-Event” an, das NCN Nocturnal Culture Night in Deutzen und wir können es kaum noch erwarten und werden gern davon berichten.

Reichlich weitere Bilder findet ihr in unseren Galerien:

Read 710 times Last modified on 15/06/2017

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