17. - 20.08.2016: Summer Breeze

On: 03/09/2016

Mein erstes mal Summer Breeze: Ein persönlicher Rückblick

Warum das sympathische Festival in Bayern ab sofort Pflicht ist

 Was macht eigentlich ein gutes Festival aus?

Gute Zeltplätze, nette Nachbarn, saubere sanitäre Einrichtungen, kurze Wege, zuvorkommende Securities, gute Bands, allseits einsehbare Bühnen mit gutem Sound, ausreichend Sitzmöglichkeiten, gutes Essen, die richtige Biersorte, gute Bedingungen bei jedem Wetter, gute Verkehrsanbindung und natürlich die Meute, mit der man sich selbst dorthin begibt.

Beim  Summer Breeze war ich allein. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als mir meine Zeltnachbarn beim Aufbau halfen und wir unser erstes Bier gemeinsam genossen. Wie es dazu kam? Es war recht spontan dass wir von der Schwarzen Presse kurz nach dem Wacken Open Air entschieden, in diesem Jahr auch noch das Summer Breeze in Dinkelsbühl mitzunehmen. Wir bekamen einen Fotopass und durften vom Festival berichten – dummerweise zu spontan, sodass ich ohne Fotografen, einen Tag nach den ersten auftretenden Bands und mit fremder Kamera gen Süden fuhr. Warum das Summer Breeze auch ohne meine geliebte Festivalclique ein Jahreshighlight war und ab jetzt immer auf der To Do-Liste steht, lest ihr hier.

Schon auf der A9 stellt sich bei mir Urlaubsstimmung ein. Die Autobahn ist frei, die Sonne scheint und ich tuckere am Donnerstagvormittag mit meinem Zeltcaravan „Klappi“ mit leicht erhöhter Geschwindigkeit die Autobahn entlang. In Dinkelsbühl angekommen erreiche ich schnell mein Ziel, beobachte beim Durchfahren des Ortes viele Gleichgesinnte beim Einkauf und grinse freudig aus dem Auto. Verpflegung gibt es hier offensichtlich nahe dem Gelände in Hülle und Fülle. Pluspunkt.

An der Einfahrt zum Zeltplatz bin ich, nachdem ich nach dem eigentlichem ersten Festivaltag anreise, die Einzige. Zwei Securities filzen mein Auto und Klappi, räumen aus was ich verstaut hatte, suchen nach Glas oder  Waffen. Als Dosenkind verneine ich, bin mir sicher, sie würden nichts finden - ich bin ja vorbildlich und campingerfahren. Ich habe nicht an das Nutellaglas in meinem Vorratsbeutel gedacht, darf aber, erleichtert um die Kalorienbombe an Bord, passieren. Wie im Laufe des Wochenendes erlebe ich die Secus bei dieser Kontrolle zuvorkommend aber gründlich. Auch dafür, gibt es einen Pluspunkt.

Über leichte Hügel und stationäre Sanitärcamps mit Duschcontainern vorbei, fahre ich zum freien Zeltplatz. Ich sehe die Bühne, halte. Nun muss ich noch jemanden finden, der meinen Zeltanhänger mit mir aufklappt. Also falle ich nach drei Stunden Fahrt aus dem Auto, öffne ein Bier und schnell bieten sich die herzigen Bayern aus dem Camp neben mir an. Wir trinken, bauen gemeinsam auf und zwei Stunden später bewundern sie mein riesiges Steilwandzelt mit dem Anhänger als Schlaffläche. Ich habe erstmal Anschluss gefunden, das ging schnell!

Blick auf die Bühnen

Ein paar Bier später packe ich mein Zeug zusammen und gehe zum Infield. Vor dem Eingangsportal steht ein Zirkuszelt, in dem später am Wochenende unter anderem eine Metalband für Kinder spielt. Eine klasse Idee, die Klein und Groß begeistert.

Nach einer ordentlichen Taschenkontrolle an der Schleuse ohne lange Wartezeit schaue ich vom Eingang aus links zur Zeltbühne und rechts den Hügel entlang über Shops bis zur Hauptbühne und der danebenliegenden Pain Stage. Geradezu neben einer Tribüne finde ich kleinste Bühne, die Camel Stage, auf der Newcomer sich die Klinke in die Hand geben. Die Wege sind kurz, das Gelände übersichtlich und doch fehlt es an nichts. Sogar das Speisenangebot ist ansprechend und ein kleiner Biergarten lädt zum Verweilen ein. Super!

 Infield

Ich beobachte. Familien mit Kindern, Gruppen von gutgelaunten Metalfans die trinken, hübsche Menschen die vor den Kameras der Pressevertreter posieren, schnapstrinkende Betrunkene und rücklings in der Sonne liegende Pärchen tummeln sich auf der breiten Rasenfläche zwischen Biergarten und den Fressständen. Viele der Festivalbesucher essen Eis, einige stehen zwischen Shops unter einer erfrischenden Nebeldusche, andere wühlen in sehr ausgesuchten Shops mit mehr als 0-8-15-Produkten nach Schmuck und Shirts. Die Atmosphäre ist entspannt, kein Drängeln, kein Hetzen. Ich wandere umher und sehe vor Main- und Pain Stage Wellenbrecher, die aber gut von der Seite zugänglich sind und mir – anders als beim Rock am Ring – keine Angst machen nach dem Toilettengang ohne viel Aufwand nicht wieder zum einst eroberten Platz zurück zu kommen.

Wellenbrecher

Ich amüsiere mich über die Bierverkäufer, die statt mit Rucksäcken mit Wägen umherfahren und lässig auf Barstühlen daneben sitzend ihr Bier verkaufen. Ich lasse mich nicht aufhalten und drehe meine Runde zu Ende. Vor der Camel Stage bleibe ich stehen und schieße ein paar Fotos, um mit der ungewohnten Cam warm zu werden. Hier finde ich an diesem Wochenende oft klasse Bands die mir bisher unbekannt waren, die von den Fans gefeiert werden wie die Großen und bei bestem Sound spielen. Das gefällt mir sehr gut, denn die Slots sind super abgestimmt auf die Bands auf den größeren Bühnen. Ich gucke auf die Running Order und plane meinen Abend.

 Camel Stage

Gleichzeitig mit Airbourne starte ich, Ready To Rock. Die O'Keeffes habe ich schon das ein oder andere Mal gesehen, genieße aber die verrückten Australier jedes Mal sehr. Ich proste gen Bühne, als Joel die erste Bierdose an seinem Kopf aufschlägt und in die Menge wirft. Wie irre lacht er, kreischt, rennt von links nach rechts, klettert auf die Bühnentraverse, spielt in 15 Metern Höhe und bringt einen Security damit gehörig zum Schwitzen. Das Bier fließt in Strömen. Airbourne machen sich gefühlt keine Gedanken über ihre Liveshow, ob die Gitarre funktioniert oder die Töne sitzen ist egal. Dem Publikum auch, das headbangt, grölt, trinkt und freut sich. Und ich mich mit.

Fear Factory sind eine meiner Lieblingsbands und ich freue mich wie ein Schnitzel, als diese endlich die Bühne entert. Die aktuelle Tour gibt einen Einblick in eine Art Best Of der Band und genau das zeigt diese Liveshow. Ich stehe, wie viele der jubelnden Fans, im Regen. Klitschnass tanze ich zu „Demanufacture“ oder „Edgecrusher“. Ich bin glücklich aber fix und alle, als Fear Factory und das Wetter fertig mit uns feiernder Menge sind. Doch nun muss ich erst einmal zum Zelt und trockene Klamotten anhosen. Als ich dort kurz verschnaufe, rennt eine Maus quer durch mein Vorzelt. Ein Glück sind meine Vorräte gut verstaut und meine Schlaffläche hoch über dem Boden. Ernstgemeinter Tipp: Macht IMMER das Zelt richtig zu, Haustiere sind zwar niedlich aber sicher nicht wenn sie euch nachts quer über das Gesicht krabbeln oder in den Schlafsack machen. 

Ich habe Sabaton schon oft gesehen und auch wenn das immer lustig war, verziehe ich mich ins Zelt zu Abbath. Der Ex-Immortal Sänger mit schönstem CorpseStage Staget lässt es brennen und spielt nicht nur Solonummern, sondern mithilfe seiner Band auch alte Immortal-Klassiker. Die Flammen heizen mir ein, insgesamt empfinde ich das Bühnenwerk des Black-Metal-Veteranen jedoch etwas zu progressiv und kühle stimmungsmäßig ab. Obwohl das Zelt richtig voll ist, haut es mich nicht aus den Schuhen und ich beobachte ein paar Menschen um mich herum. Die Stimmung ist ausgelassen, man prostet mir zu und der nette Bayer neben mir hat schon am zweiten Festivaltag keine Stimme. Respekt. Ich stehe trocken, habe Bier und bleibe noch eine Weile, auch wenn ich Abbath nicht zu meinen Favoriten zähle.

Nach einem Bier im VIP-Bereich, wo ich zu meiner Überraschung alte Bekannte treffe und heftig bei Weinschorle in einem Zelt mit metallischer Diskomusik versacke, raffe ich mich letztendlich doch auf. The Black Dahlia Murder rufen zum Tanze und auch wenn ich ein bisschen platt bin, springen die Fans wie verrückt zu einem gut arrangierten Set und ich komme auch wieder in Bewegung. Frontmann Trevor Strnad growlt und screamt zu schnellem Death Metal mit tanzbaren melodischen Riffs. Er sieht aus wie gerade dem Publikum entsprungen, mit seiner Jeansweste und den Shorts zu strähnigen Haaren und Brille. Aber er ist ein Tier und dirigiert die Menge. Hoffen wir, dass der letzte Song I Will Return ein Versprechen ist, denn das war fett!

Am Freitag schlafe ich lang und koche mir dann Chili con Carne auf, das ich mit frischem Gemüse in Wraps genieße. Ich grinse, denn auf der gut hörbaren Stage Stagestage spielen die Grailknights. Ich bereue, nicht schon ausgehfertig zu sein, denn das, was ich höre, gefällt mir. Mit einem Augenzwingern servieren die Superhelden auf der Bühne nach einem „muskulösem Empfang“ Power Metal und eine wohl humorvolle Bühnenshow. Die Capeträger verbünden sich mit dem Publikum und wollen den Heiligen Gral vom Fiesling „Dr. Skull“ zurück erobern. Ich fühle mich an Powerwolf erinnert und finde schade, dass ich nicht sehe, was auf der Bühne vor sich geht. Ich erkenne jedoch zu meiner Verzückung ein Medley aus Melodien großer Superheldenfilme und höre viel Jubel von den anwesenden Fans. Beim nächsten Mal sind die Grailknights, denen ich das brillant humorvolle Austragen sämtlicher Klischees aus Power Metal und Comicgeschichten, nicht zugetraut hätte.

Nach dem Besuch der gut organisierten und sauberen Duschcontainer mit Einzelkabinen mache ich mich auf zu Dying Fetus. Vor der Stage Stage Stage ist es voll, aber von der Seite komme ich in eine gute Fotoposition. Ich muss aufpassen, dass mich kein Stagediver erwischt, denn als die US-Death Metaller erst einmal losknüppeln, gibt es für viele Fans kein Halten mehr. Es ist echt heiß und ich schwitze. Wie muss es John Gallagher, Sean Beasly und Drummer Trey Williams oder den moschenden, meist männlichen, Festivalbesuchern gehen? Dying Fetus feuern souverän einen Song nach dem anderen in die Menge und stehen vor den Mikros wie angewurzelt. Wir werden von einer Walze aus Growls und nicht endenden Riffs überrollt, die den meisten Zuhörern bekannt sein dürften, da Dying Fetus seit 2012 kein neues Album veröffentlicht haben. Sei es drum, live wird das energiegeladene Set der Amerikaner sicher nie langweilig und vielleicht kommt ja bald auch neues Material dazu.

Dying Fetus

Nach Dying Fetus verweile ich kurz zu Queensryche vor der Bühne. Wie auch gestern bei Abbath ist mir der progressive Metal der ebenfalls aus den USA stammemden Band zu lahm. Ich weiß, hier stecken viel Geschichte und auch Konflikte in den Songs, doch live packt mich die Band nicht. Ich gehe über die Camel Stage und Parasite Inc. etwas trinken, finde den Melodic Death Metal, der von der kleinsten Bühne tobt, super und zudem absolut liebenswert, wie die Newcomer  geradezu überwältigt von  dem großen und begeisterten Publikum zu sein scheinen. Ich denke einige Bands sind überrascht, dass die Stimmung hier der vor den Mainstages in nichts nachsteht. Ich finde das super und kehre an diesem Wochenende oft hierher zurück. 

Soilwork mag ich seit Melodic Death Metal mich in meiner Abizeit begleitet hat. Scheinbar geht es vielen so, denn als ich an der Bühne ankomme, geht schon der erste Circle Pit durch das Publikum. Die Securities behalten alles im Auge, setzen jeden Stagediver sicher ab und spritzen immer wieder Wasser ins mittlerweile gut gegrillte Publikum. Björn Strid ist schweißgebadet, sporn das Publikum an, bringt es nicht nur bei Rejection Role zum gänsehauterzeugendem Mitsingen und genießt sichtlich die Aufmerksamkeit der Menge. Hat sich in den letzten 10 Jahren etwas an der Klasse von Soilwork geändert? Nach diesem brillanten Spiel kann ich keinen Unterschied erkennen.

Soilwork

Als auf der Main Stage die Khaos Overture erklingt, gibt es kein Halten mehr. Einer der Headliner, Arch Enemy, betritt die Bühne und Alissa White-Gluz beweist schnell ihre Präsenz. Sie growlt in feinster Arch-Enemy-Damenmanier und gerät trotz schnellster Riff und knüppelnder Drumparts kaum aus der Puste. Ob My Apocalypse, Bloodstained Cross, neue Songs oder meine Lieblinge No Gods No Masters und Nemesis – das Set ist prall gefüllt. Ich reiche einen Stagediver nach dem Anderen weiter, die gefühlt zu hunderten gen Bühne schweben. Flammen steigen immer wieder auf und so sind meine Augen nach vorn gebannt. Die Band zeigt sich spielfreudig und scheint Spaß miteinander zu haben. Auch wenn ich Arch Enemy schon sehr oft gesehen habe und anfangs kritisch war, ob sie mich wieder überzeugen würden, kann ich nur empfehlen, die durchgestylte schwedischstämmige Band zu begutachten. Sie sind, sagen wir, anders als vor 10 Jahren. Ob man das Makeover mag oder nicht, überlasse ich gern jedem selbst – musikalisch gibt es rein gar nichts zu meckern.

Stagediver

Eine wirkliche Überraschung erlebe ich am späteren Abend auf der Tent Stage. Hier spielen die mir bisher unbekannten Coheed And Cambria und gehen mir in Mark und Bein über. Auf der Bühne steht Frontmann Claudio Sanchez, ein wahr gewordener Haarbausch.  Zu progressivem und verspieltem Rock, deutlich dynamischer als der von Opeth, singt der Haarbausch klar und schillernd, fast weiblich und reißt mich mit. Es geht um eine Sci-Fi-Saga in den Texten der Band, soviel weiß ich, und nach einigen Songs bin ich gefangen in den sensiblen und doch energischen Songs.  Mit der doppelhalsigen Gitarre spielt Sanchez sogar einen mir bekannten Song: Drain You von Nirvana. Als Coheed And Cambria ihr Set beenden tun sie dies unter lauten „Coheed“-Rufen und ich stimme spontan mit ein. Danke Breeze, ich gebe hier zu, ich habe wohl viele Jahre Musikgeschichte verschlafen, habe aber definitiv eine neue Lieblingsband.

„Slayer, nanananaaaanaaaananaaanana“ höre ich mich später zum Intro Thunderstruck von AC/DC singen. Ich muss grinsen und freue mich, auch wenn ich Slayer schon furchtbar oft gesehen habe. Nach einer Schlappe in den 2000ern geben die Herren wieder richtig Gas und entzücken mich von Konzert zu Konzert. Araya und seine Mannen hauen nach Repentless ein wahres Hitgewitter raus, of Mandatory Suicide, Seasons In The Abyss, das großartige South of Heaven (in Erinnerung an Jeff Hannemann) oder Raining Blood, Slayer geben der Menge was sie verlangt und auch verdient. Slayer-Rufe erklingen in jeder kurzen Spielpause, ich glaube wir tun den Kaliforniern gut, die zufrieden ins Publikum schauen. Mit „Angel Of Death“ beenden die Thrash-Götter ihr Set und es ist ein Wunder, dass der Acker von Dinkelsbühl nicht brennt.

Auch wenn mich Satyricon oder In The Woods erwarten, gehe ich ins Bett und stehe am nächsten Tag munter auf. Samstag ist der letzte Festivaltag und zum Frühstück höre ich die vielumjubelten Goitzsche Front.  Schon um 11 Uhr morgens ist es warm aber ich höre, dass Der Osten Rockt, das Prinzen-Cover Alles Nur Geklaut oder Solange Mein Herz Noch Schlägt gefeiert werden im fernen Bayern. Überrascht beglückwünsche ich insgeheim die Bitterfelder, steige jedoch selbst erst zu Psychopunch wieder in den Ring.

Die Schweden spielen tanzbaren Punk Rock und ich schwofe mich langsam ein. Psychopunch werden von der VIP-Tribüne aus von einigen Triple-A-Passbesitzern beobachtet und machen sich selbst keine Schande. Gut gelaunt spielen sie Hymnen wie The Way She’s Kissing oder das Motörhead-Cover R.A.M.O.N.E.S.. Für mich ein klasse Opener und ein guter Übergang zu den Horror-Punkern von The Other, die im Zelt die müde Menge aufrütteln. Mit klischeehaftem Make-Up und schnellen Riffs sowie typischen Texten berichten die Deutschen von Ghouls und Transylvanien und haben bald das Summer Breeze überzeugt. Mit einem Ohrwurm mehr gehe ich zurück in die Sonne und gönne mir ein Weinschörlchen.

Nebeldusche auf dem Infield

Zu Disneyland After Dark kehre ich zurück ins Infield. Die Dänen mit dem liebenswerten Akzent rocken die Stage Stage Stage und könnten auch auf Volksfesten die Menge überzeugen. Nicht nur der Name, der über das Backdrop prangt, auch der durchsichtige Bass und die zirkusverdächtigen Outfits wären sicher auch dort Erfolgsgarant. Die Songs sind gängig und erinnern an AC/DC und tatsächlich kenne ich einen – den letzten- Song der Setlist: Sleeping My Day Away. Der Auftritt von DOD in ihren zirkusverdächtigen Outfits war ein schöner Nachmittagsact, den ich mir auch erneut anschauen würde.

Auf der Camel Stage sehe ich den zweiten Horropunk-Programmpunkt auf meiner persönlichen Setlist. Nim Vind kenne ich vom Wave Gotik Treffen und mag die Kanadier mit dem Alternative-Rock-Country-Mix. Weniger klischeehaft als The Other spielen „Nim Vind“ alias Chris Kirkham und Co. ohne grellweißes Make-Up. Mit mehrstimmigen, stimmungsmachenden Songs spielt die Band mit besonderen Effekten – aufziehenden Wolken und gehörigem Wind, der ein Unwetter wahrscheinlich macht.  Ich werde ein bisschen nervös und hole lieber meinen Regenmantel aus dem Zelt, wo ich die geliehene Kamera Widerwillens einschließe.

Auf der Main Stage ist es inzwischen Zeit für Steel Panther, meine seit vorletztem Jahr liebster Glam Rock Band mit abgefahrener Show auf und vor der Bühne. In meine Regenjacke gehüllt stehe ich Schulter an Schulter neben jugendlichen Fangruppen. Als Michael Starr und Co. die Bühne betreten, brüllen die Fans und etliche Mädchen landen auf den Schultern ihrer Freunde. Ob mit Songs wie Eye Of The Tiger oder 17 Girls In A Row, deutschgesprochenen Anheizern wie „Zeig mir deine Titten“ oder das Spiel mit einem riesigen aufblasbaren Penis: Steel Panther liefern, was man von ihnen erwartet. Und mehr! Neben mir lüpfen junge Mädchen die Shirts und Michael Starr weist auf ein jedes von ihnen und kommentiert zur Freude der Mädels während der Songs jedes Paar Brüste. Wie auch noch bei keinem Wacken gesehen wandern die Damen stagedivend über den Graben auf die Bühne und haben Mühe, sich vor den sie tragenden Händen zu schützen. Starr und Band sind mehr als angetan, als neben ihnen dutzende, teils barbusige Mädchen jeden Alters wild zu Party All Day (Fuck All Night) tanzen.  Dieser Steel Panther-Auftritt war, auch dank des großartigen Publikums in Dinkelsbühl, wirklich die beste Show, die ich bisher von Steel Panther sehen konnte. Wer hätte gedacht, dass die hinter der Bühne wartenden Models in den Schatten gestellt würden und die Band die Securities anweisen würde, alle Fans ruhig auf die Bühne hoch zu lassen? Vielen Dank dafür, dass in einer durchaus wiederkehrenden Show Überraschungen passieren und immer neue Lacher Platz haben!

Vorbereitung auf Steel Panther

Auch wenn der Regen nach DIESER Show von Steel Panther einem nicht mehr die Laune verderben konnte, freue ich mich auf die Tent Stage und auf Napalm Death. Die Briten haben das Zelt bereits im Griff und prall gefüllt, als ich ankomme. Schnell komme ich ins Schwitzen, als Deathcore-Tiraden abgefeuert werden und von Song zu Song die Grenzen zwischen extremen Metalstilen verschwinden. Mit großer Geschwindigkeit, Klassikern wie Nazi Punks Fuck Off und Ansagen mit ehrlichen politischen und gesellschaftlichen Statements, runden Napalm Death ihren Auftritt ab.

 Tent Stage

Dick eingekreist auf meiner persönlichen Running Order sind Parkway Drive und ich bin aufgeregt wie ein kleines Mädchen, bis die Australier endlich die Bühne betreten. Vom ersten Song Destroyer bis zum letzten zünden Parkway Drive nicht nur ein Hitfeuerwerk, sondern auch echte Pyros und eine spektakuläre Lichtshow. Winston McCall wirkt nahezu besorgt, als er nach dem ersten Song die moschende und stagedivende Menge fragt, ob alles in Ordnung sei. Gleich darauf springen  ALLE, auch wir in den hinteren Reihen, zu Songs wie Vice Grip oder Bottom Feeder, brüllen das typische Ohohohohohoho, das so viele Melodien der Band begleitet, und singen zu melodischen Refrains ohne Aufforderung mit. Ein riesiger Circle Pit zu Karma und Gänsehautatmosphäre mit gigantischem Feuerwerk zu Home Is For The Heartless machen für mich diesen Auftritt unvergesslich. Was für ein großartiger Livemoment mit bewegenden Elementen, einem Gefühl der Gemeinsamkeit und grandios gespielten Songs. Besser kann man es nicht machen!

Mit diesem Gedanken im Kopf irre ich nach dem Konzert etwas umher. Die meisten meiner neuen und alten Bekannten sind schon abgereist und so beschließe ich, das Summer Breeze 2016 mit dieser Glanzstunde für beendet zu erklären. Ich bin richtig glücklich, als ich im Bett liege. Trotzdem ich allein ankam, war ich nie einsam. Trotzdem ich viele Bands schon live gesehen hatte, gab es hier in Dinkelsbühl auch für mich Highlights. Auch habe ich neue Bands kennen gelernt und ein für ich neues Festival ins Herz geschlossen. Im nächsten Jahr will ich wiederkommen Diesmal unbedingt mit einem guten Fotografen und gern auch mit mehreren meiner Freunde. Dieses sympathische, unkomplizierte und gut organisierte  Liveprogramm lasse ich mir garantiert nicht wieder entgehen. Und wenn ich oben nochmal auf meine Aufzählung schaue, was ein gutes Festival ausmacht, kann ich dem Summer Breeze nur volle Punktzahl geben.

Eine Fotogalerie mit meinen Eindrücken findet ihr hier.

Bis zum nächsten Jahr!

 

 

 

 

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