31.07.–02.08.2026: Full Rewind Summer Open Air – Zwischen Gewitter, Chaos und Abriss

On: 14/10/2026

Ein Festival, das uns einiges abverlangt hat: Stundenlange Anreise, Evakuierungen, Gewitter und ein Donnerstag mit verkürzten Shows. Doch dazwischen gab es jede Menge gute Musik, sympathische Bands, volle Moshpits und genau die Momente, für die wir immer wieder auf den Acker nach Roitzschjora fahren. Unser Rückblick auf das Full Rewind 2026.

Manchmal beginnt ein Festival mit einem kühlen Getränk, einem entspannten Aufbau und der Vorfreude auf die ersten Bands. Und manchmal steht man trotz Abfahrt am Mittag bis weit nach Einbruch der Dunkelheit im Stau. Willkommen beim Full Rewind 2026!

Die Anreise am Mittwoch entwickelte sich zu einer echten Geduldsprobe. In Schlangenlinien wurden wir zum Gelände und wieder zurück dirigiert. Hin, her, warten, weiterfahren – und das gefühlt endlos. Irgendwann war die Stimmung im Auto entsprechend im Keller. Doch wir blieben nicht, wie andere Fahrer, am Wegesrand liegen. Und wir hatten Essen zugänglich und versorgten uns notdürftig, während wir, alle 20 Minuten zehn Meter nach vorn fuhren. Als wir endlich ankamen, war es stockdunkel. Nun noch nüchtern Zelt aufbauen - ein echter Downer.

Während wir noch versuchten, unser Camp halbwegs gerade und sturmfest hinzustellen, war im Partyzelt die Feier bereits in vollem Gange. Die Stimmung dort war ausgelassen, der Alkohol floss offenbar reichlich. Für uns nach dieser Anreise allerdings nicht mehr ganz das Richtige. Also entschieden wir uns für die vernünftigste Variante: Früh ins Bett, Schlaf nachholen und am nächsten Morgen hoffentlich besser gelaunt ins Festival starten. Dennoch waren wir echt sauer. Wenn wir uns vorstellen, wir hätten Donnerstag im Stau gestanden und erste Bands verpasst, satt nur die Pary in Camp und Zelt, wäre das noch weniger akzeptabel. Wir fragen uns auch, wann die anderen Leute sich auf den Weg gemacht hatten. Noch zeitiger als wir? Und wie erging es denen, die erst um 18 Uhr, zur offiziellen Zeit der Eröffnung am Campground waren? Wir konnten dies nicht in Erfahrung bringen, hoffen aber, dass wir diese Erfahrung nicht noch einmal machen müssen.

Donnerstag: Ausgeschlafen Bändchen holen und ab dafür!

Den Anfang unseres musikalischen Programms machten Party Cannon aus Schottland. Musikalisch bewegt sich die Band zwischen Slam Death Metal und Deathgrind. Die Band selbst nennt ihren Stil augenzwinkernd „Party Slam“. Und genau diese Mischung aus musikalischer Abrissbirne und komplettem Partywahnsinn funktioniert live hervorragend. Es wurde viel gelacht, Wasserbälle wurden geworfen. Warum eigentlich nicht! Gerade bei der ersten Band des Tages macht so etwas einfach Spaß. Maximaler Krawall, eine gehörige Portion Humor und ein Auftakt, bei dem man nicht alles ernst nehmen muss, um ordentlich Spaß zu haben.

Anschließend standen Blacktoothed auf dem Programm. Die Lokalmatadore haben eine besondere Verbindung zum Full Rewind, denn sie erzählten von früheren Besuchen als Gäste. Damals waren sie selbst auf dem Gelände unterwegs, haben gefeiert und – nüchtern oder nicht – Party gemacht. Nun stehen sie auf der Bühne großer Festivals. Ihr Auftritt war energiegeladen und machte deutlich, wie viel Freude die Band an dieser Entwicklung hat. Man spürte, dass ihnen dieser Moment etwas bedeutet. Die Jungs und das Mädel können wirklich stolz auf sich sein: Aus ehemaligen Festivalbesuchern sind Musiker geworden, die selbst auf solchen Bühnen stehen und das Publikum mitreißen. Ein schöner Moment, der zeigt, dass Festivals nicht nur Orte für große Namen sind, sondern auch große Geschichten hervorbringen. 

Dann wurde es ernst. Die erste Evakuierung des Wochenendes stand an. Statt weiter Musik zu genießen, hieß es plötzlich, das eigene Lager zu sichern. Wir halfen auch bei den Nachbarn, Pavillons und Zelte zu retten. Auf einem Festival ist man schließlich nicht nur für sein eigenes Zeug verantwortlich – wenn das Wetter umschlägt, zählt jede helfende Hand.

Nachdem die erste Aufregung überstanden war, brauchten wir etwas Vernünftiges zu essen. Auf dem Gelände fanden wir asiatisches Essen, das sich als echter Glücksgriff herausstellte: Lecker, günstig und sättigend. Genau das, was man nach einer solchen Unterbrechung gebrauchen kann.

Danach ging es zu Stick To Your Guns. Die Band gehört zu den großen Namen im melodischen Hardcore und weiß, wie man aus einer Menge eine Einheit macht. Obwohl die Spielzeit wegen der Ereignisse verkürzt war, fühlte sich der Auftritt wie eine konzentrierte Ladung A-Seiten an. Die Atmosphäre war fantastisch – vielleicht gerade deshalb, weil man wusste, dass man diese Show in dieser Form nicht einfach beliebig nachholen konnte. Im Partyzelt wurde währenddessen deutlich, dass längst nicht alle mitbekommen hatten, wie es nach der Evakuierung weiterging. Wir fragten uns, ob die Kommunikation besser hätte laufen können. Wann muss man das Gelände verlassen? Wann darf man zurück? Wann geht das Programm weiter? Bei solchen Entscheidungen geht Sicherheit natürlich vor. Hätten wir uns nicht dank günstiger Campsituation ah am Infield freiwillig mit unserem Bier an die Schleusen gestellt, die unter Jubel der Wartenden bald geöffnet wurden, hätten wir diesen Startschuss ebenso nicht gehört.

Doch die Ruhe hielt nicht lange. Das nächste Gewitter zog auf, Blitze waren zu sehen, die Bühne wurde erneut evakuiert und Planen wurden abgenommen. Das Festivalgelände stand wieder im Zeichen des Wetters. Im Partyzelt war davon zunächst wenig zu spüren. Dort herrschte gute Stimmung, Songs von Bands aus dem Line-up liefen und die Leute feierten weiter. Es war ein seltsamer Kontrast: Draußen die Unwetterlage, drinnen Festivalparty. Nachdem schließlich angekündigt worden war, dass alle Bands am Donnerstag nur kurze Sets spielen würden, kam das Ende. Weitere Auftritte fanden nicht mehr statt. Schade! Gerade nach dem schwierigen Start hätten wir uns gewünscht, dass der Abend musikalisch noch etwas länger weitergeht. Das Partyzelt rettete die Stimmung zwar ein Stück weit, trotzdem blieb die Frage: War das Konzept so geplant? War das Partyzelt bewusst als Alternative gedacht, solange es die Sicherheitslage zuließ? Oder war es schlicht eine spontane Reaktion auf die Umstände? 

Fest steht: Wir möchten nicht in den Köpfen der Macher stecken. Der Donnerstag war organisatorisch sicher anstrengend, musikalisch vielversprechend und am Ende ein kurzes Programm. Aber einer, bei dem die Kommunikation und die Abläufe bei den Unterbrechungen Raum für Verbesserungen ließen.

Freitag: Metalcore, Thrash und große Namen

Der Freitag begann mit der Hoffnung auf einen besseren Festivaltag. Die Anreise lag hinter uns, das Camp stand und das Line-up versprach reichlich Abwechslung.

Elwood Stray lieferten einen starken Metalcore-Auftritt. Die Band hatte nicht nur musikalisch einiges zu bieten, sondern auch ein Publikum, das richtig Lust auf Bewegung hatte. Wall of Death, Crowdsurfer und jede Menge Energie vor der Bühne machten das Konzert zu einem echten Highlight. Die Fans waren mit vollem Einsatz dabei, und die Band verstand es, diese Energie aufzunehmen und zurückzugeben. So darf ein Festivaltag beginnen: Laut, intensiv und mit einer Menge Bewegung vor der Bühne.

Bei Milking the Goatmachine fiel unser Eindruck etwas gemischter aus. Die Band ist für ihren humorvollen Ansatz und ihren extremen Sound bekannt, doch der Auftritt hatte für uns auch einige Längen. Nicht jeder Song wollte gleichermaßen zünden, wie Intro oder die beiden letzten Klassiker des Ensembles.

Deutlich mehr Eindruck hinterließen Chained Saint. Die junge Band wurde im Vorfeld groß angekündigt – und das völlig zu Recht. Vor allem die Stimme von Sänger WillianDuVall blieb hängen, dazu kam ein guter Thrash-Metal-Sound, der ordentlich Druck machte. Während sich das Infield allmählich füllte, wurde klar, dass hier eine Band steht, die noch einiges vorhaben dürfte. Bemerkenswert war auch, wie viele ältere Besucher inzwischen vor der Bühne standen und zufrieden die Haare schüttelten. Während zum letzten Song der Sänger selbst in den Circle Pit ging und mit den Fans um die Wette moshte, bedankte sich die Band anschließend beim Publikum und verteilte fleißig Andenken. Ein sympathischer Abschluss eines Konzerts, das uns richtig Spaß gemacht hat.

Auf dem Zeltplatz angekommen, wurden wir erneut von den Securities per Megafon auf eine Evakuierung hingewiesen. Also hieß es wieder: Sachen sichern, Pavillon kontrollieren und hoffen, dass das Camp den Wetterbedingungen standhält. Da sind sie wieder, unsere drei Probleme.

Musikalisch ging es mit As Everything Unfolds weiter. Die Band verbindet Metalcore mit elektronischen Elementen und setzt dabei auf eine Sängerin, die sowohl Growls als auch klaren Gesang beherrscht. Bei uns im Camp gingen die Meinungen darüber auseinander. Für die einen war das eine spannende Mischung, für die anderen waren es zu viele Breaks und zu kurze Songs, die den Fluss des Auftritts etwas unruhig wirken ließen. Die Sängerin wirbelte über die Bühne und brachte jede Menge Energie mit. Auch vor der Bühne war auffällig, wie viele Frauen sich im Moshpit befanden. Von wegen, harte Musik sei reine Männersache! Das Publikum hatte offensichtlich seinen Spaß. Unser persönlicher Eindruck blieb etwas zwiespältig, aber die Band fand ihre Fans – und das ist bei einem Festival schließlich das Entscheidende.

Kittie boten eine Mischung aus älterem Material und neueren Songs. Die Band war gut aufgelegt, und vor der Bühne fanden sich zahlreiche langjährige Fans ein. Es war schön zu sehen, wie viel Begeisterung eine Band auslösen kann, die viele schon seit Jahren begleitet. Gerade bei solchen Auftritten wird deutlich, wie unterschiedlich die musikalischen Generationen auf einem Festival zusammenkommen. Die einen entdecken eine Band gerade erst, die anderen verbinden mit ihr Erinnerungen an frühere Konzerte und längst vergangene Zeiten.

Im Partyzelt wurde es anschließend mit The Bones deutlich rotziger. Ihr Rock'n'Roll klingt nach Kneipe, Bier und einer ordentlichen Portion Punk-Attitüde. Ich hatte die Band schon vor rund 20 Jahren gesehen – und es war interessant, sie nun wieder auf der Bühne zu erleben. Für manche ist dieser Sound genau das Richtige, andere können damit weniger anfangen. Wir ließen uns jedenfalls auf die Atmosphäre ein. Da der Gitarrist eine persönliche Bierassistentin hatte, beschlossen wir kurzerhand, ebenfalls etwas zu trinken. Man muss schließlich auch mal Prioritäten setzen!

Mit Arch Enemy stand einer der großen Namen des Festivals auf dem Programm. Die Band trat 2026 mit Lauren Hart am Mikrofon auf. Sie übernahm den Gesang nach dem Ausstieg von Alissa White-Gluz. Hart war zuvor unter anderem bei Once Human aktiv. Die Reaktionen auf den neuen Gesang fielen unterschiedlich aus. Einige vermissten den gewohnten Druck und fanden, dass dem Auftritt der letzte Biss fehlte. Andere sahen in Lauren Hart eine würdige Nachfolgerin von Angela Gossow, deren kraftvoller Gesang für viele bis heute den Maßstab setzt. Was unabhängig davon überzeugte, waren die Gitarrensoli und die Setlist. Mit Songs wie „War Eternal“, „The Eagle Flies Alone“ und „Nemesis“ hatte die Band einige ihrer großen Stücke im Gepäck. Auch „We Will Rise“ gehört zu den Klassikern, die bei einem Arch-Enemy-Auftritt nicht fehlen dürfen.  Die musikalische Klasse von Sonwriting über Gitarrenspiel ist unbestritten. Teile von uns waren auch von der neuen Frontfrau begeistert, ob die neue Besetzung für alle Fans bereits vollends funktioniert, ist eine andere Frage. Der Auftritt bot jedenfalls genug Stoff für Diskussionen auf dem Campingplatz.

Dann kam Slaughter to Prevail – und die Band machte keine halben Sachen. Viel Feuer, eine wuchtige Produktion und ein Publikum, das von der ersten Minute an mitging. Alex Terrible zeigte sich bei den Ansagen nicht nur als Frontmann, sondern sprach auch über persönliche Erfahrungen und seine Vergangenheit. Die Einladung der russischen Band war im Vorfeld des Festivals kontrovers diskutiert worden. Das Full Rewind war dafür angefeindet worden, Slaughter to Prevail auf das Line-up zu setzen. Die Band musste sich also nicht nur musikalisch beweisen, sondern stand auch im Schatten einer politischen Debatte. Alex nutzte seine Ansagen, um sich mit der eigenen Geschichte und der Kritik auseinanderzusetzen. Am Ende überwog auf der Bühne jedoch die Musik: Slaughter to Prevail waren sichtlich froh über die vielen begeisterten Fans. Alex schrie sogar ohne Mikrofon bis in die hinteren Reihen. Musikalisch war das ein gewaltiger Abriss. Unabhängig davon, wie man die politischen Aussagen und die Diskussion um die Band bewertet, war die Show intensiv, laut und visuell beeindruckend. Das Publikum bekam genau das, wofür es gekommen war: eine brachiale Darbietung mit ordentlich Feuer unterm Dach.

Für alle, die nach diesem Programm noch nicht genug hatten, ging es in der Knüppelnacht weiter. Panzerchrist, Nornír, Cryptopsy und Taake standen auf dem Programm – vier Bands, die unterschiedliche Spielarten extremer Musik abdeckten. 

Panzerchrist lieferten kompromisslosen Death Metal, während Nornír mit ihrem atmosphärischen Black Metal eine andere, düstere Klangfarbe einbrachten. Beide Auftritte fanden wir stark. Cryptopsy, die kanadischen Tech-Death-Veteranen, sorgten für technisch anspruchsvollen und extremen Sound. Taake setzten schließlich mit norwegischem Black Metal den Schlusspunkt.

Taake gefielen uns besonders gut. Der Auftritt hatte eine finstere, intensive Atmosphäre und passte hervorragend in die späte Stunde. Da wir nicht alle Bands vollständig gesehen haben, wäre es allerdings vermessen, für die gesamte Knüppelnacht ein abschließendes Urteil abzugeben. Unser Eindruck: Wer auf extreme Musik steht, bekam hier ein vielseitiges Programm geboten – von Death Metal bis Black Metal. Nach diesem langen Freitag war die Müdigkeit jedenfalls mehr als verdient.

Samstag: Regen, Gummistiefel und trotzdem Festival

Die Nacht von Freitag auf Samstag hatte es noch einmal in sich. Ein Unwetter zog direkt über das Festivalgelände, und die Blitze waren so laut, dass sie uns aus dem Schlaf rissen. Es schepperte ordentlich über dem Camp. Entsprechend müde krochen wir am Morgen aus den Schlafsäcken.

Bis etwa 15 Uhr regnete es. Der Samstag startete also nicht gerade unter Festivalbedingungen, die man sich wünschen würde. Glücklicherweise war das Infield mit Platten ausgelegt. Lediglich vor den Dixies gab es einige matschige Stellen, die im Laufe des Tages wieder abtrockneten. Angesichts der Wassermassen hätte das deutlich schlimmer ausgehen können.

Mambo Kurt eröffnete unseren Samstag vor einer überschaubaren Zahl wetterfester Fans. Regenmäntel, Gummistiefel und Tanzbewegungen, die sich vermutlich auch bei Sonnenschein nicht wesentlich unterschieden hätten, bestimmten das Bild vor der Bühne. Mambo Kurt selbst nahm das Wetter mit Humor, interagierte mit dem Publikum und ließ sich die Laune nicht verderben. Besonders sympathisch: Er verkaufte seinen Merch direkt vor der Bühne. Näher am Publikum geht kaum.

Seine Interpretationen bekannter Songs auf der Heimorgel sind ohnehin eine Sache für sich. Man muss sich darauf einlassen können, aber wenn man es tut, bekommt man einen Auftritt, der sich wohltuend vom üblichen Festivalprogramm abhebt. Gerade an einem verregneten Nachmittag ist das die richtige Unterhaltung. Mambo Kurt gehört für uns einfach dazu – und liefert immer wieder ab.

Mit Employed to Serve wurde es anschließend wieder deutlich härter. Die britische Band bewegt sich zwischen Metalcore, Hardcore und chaotischen, teilweise extremen Metal-Einflüssen. Besonders die Stimme der Sängerin blieb bei uns hängen. Der Wechsel zwischen verschiedenen Gesangsstilen brachte Abwechslung in den Auftritt. Die Band zeigte sich erfreut über das gute Feedback aus dem Publikum – und das völlig zu Recht. Auch wenn die Wetterbedingungen den Start in den Tag erschwert hatten, fanden sich nach und nach mehr Leute vor der Bühne ein. Die Band nutzte die Gelegenheit, das Publikum für sich zu gewinnen.

Hemlock gefielen uns ebenso richtig gut. Die Band überzeugte nicht nur musikalisch, sondern vor allem durch ihre sympathische Art. Es wurde viel gelacht, die Musiker wirkten gut gelaunt und hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Besonders beeindruckend waren die Geschichten rund um die Band: Seit rund 30 Jahren unterwegs, ohne Label, selbst organisiert und gefühlt ständig auf Tour. Sänger und seine Frau lenken den Tourbus, das Leben besteht zu großen Teilen aus Musik, Straße und Konzerten. Für die Band war es der letzte Tourtag vor einer wohlverdienten Pause. Und als wäre das noch nicht genug, feierten wir auch noch den anstehenden Geburtstag des Gitarristen mit. Solche Momente machen Festivals aus: Man kommt wegen der Musik und nimmt am Ende Geschichten mit, die weit über die Setlist hinausgehen. Hemlock waren für uns eines der Highlights des Samstags. Nicht nur wegen der Musik, sondern auch, weil die Band so viel Freude und Dankbarkeit ausstrahlte. Wir gratulierten auf jeden Fall später um Mitternacht dem Bandmitglied, das sich mitnebst der restlichen Hemlock-Mitstreiter unter das Publikum gemischt hatte. Nach all den Wetterkapriolen war das genau die richtige Portion gute Laune.

Wir hielten uns bei Sanguisugabogg vor allem zum Fotografieren auf. Viel können wir deshalb aus eigener Sicht nicht über den kompletten Auftritt sagen. Der Blick in andere Konzertberichte zeigt aber: Die Death-Metaller aus Ohio machten keine Gefangenen. Mit Songs wie „Rotted Entanglement“ und „Skin Cushion“ lieferten sie ein kompaktes Death-Metal-Gewitter ab, das beim Publikum gut ankam. Am Ende gab es reichlich Applaus. Das klingt nach einem Auftritt, der Fans der härteren Gangart ordentlich bedient hat.

Auch Evergreen Terrace nahmen wir vor allem durch die Kamera wahr. Die Band aus Florida gehört mit ihrer Mischung aus Melodic Hardcore und Metalcore schon lange zum Geschäft. Laut anderen Festivalberichten sprang der Funke im Zelt schnell über: Sänger Craig Chaney suchte den direkten Kontakt zu den Fans und stieg sogar in die ersten Reihen. Songs wie „Jail on Christmas“ und „Wolfbiker“ durften dabei nicht fehlen. Der Auftritt soll das Zelt ordentlich zum Kochen gebracht haben – ein schöner Kontrast zum nassen Wetter draußen.

Am Nachmittag schauten wir bei Alien Ant Farm vorbei. Die Band ist natürlich vor allem für ihre Version von Michael Jacksons „Smooth Criminal“ bekannt. Der Auftritt der US-Amerikaner stand für uns schon aus Kultgründen auf der Liste. Während er musikalisch zum seichteren Programm gehörte, sprach Sänger Dryden Mitchell über seinen Weg in die Nüchternheit, hatte Lebensgeschichte und toxische Beziehungen in Songs verwandelt. Musikalisch konnten wir nicht bei jedem Song gleichermaßen mitgehen, so erging es uns auch, als wir die Band letztes Jahr als Vorband zu Skindred sahen. Bei "Smooth Criminal" tanzten wir dennoch wieder ausgelassen mit einem verkleideten Obelix und anderen Festivalbesuchern - wir sind halt Kinder der 80er und waren auch mal jung...

Unearth offenbarten vom ersten Ton an volle Energie, ein Publikum im Ausnahmezustand und einen Trevor Phipps, der die Menge fest im Griff hatte. Spätestens bei „Zombie Autopilot“ verwandelte sich das Zelt in eine einzige laute Staubwolke. So lieben wir unser Rewind!

Caliban waren anschließend wieder deutlich mehr unser Ding. Die Metalcore-Veteranen  traten selbstbewusst auf und wussten genau, was sie können. Zwischen Balladen und Hymnen wie "VirUS" dirigierte Sänger Andreas Dörner das Publikum, war später mittendrin statt nur dabei. Caöiban heizten mit einem abwechslungsreichen, guten Set und guter Energie noch ein letztes mal die Masse an, bevor der schon ein Jahr im Voraus angekündigte Headliner den Sack zumachen Sollte. 

In Flames. Für uns waren sie der absolute Hammer und ein würdiger Höhepunkt des Festivals. Die schwedischen Melodic-Death-Metal-Pioniere brachten die nötige Mischung aus Härte, Melodie und großen Refrains mit. Genau diese Kombination macht die Band seit Jahrzehnten zu einer festen Größe auf den großen Bühnen. Der Auftritt fühlte sich wie der Moment an, auf den wir nach den Strapazen der vergangenen Tage hingearbeitet hatten. Keine Sorge um den nächsten Wetterumschwung – einfach vor der Bühne stehen und den Moment genießen. Der Bühnenaufbau fackelte eine Lichtshow ab, während sich die Bands mit Klassikern wie "Colony", "Only For The Week" oder "Cloud Connected" wieder einmal ein Denkmal setzt. Jung und Alt tanzen, moshen, feiern, Stagediver werden getragen, Stimmen vereinen sich. Den Abschluss bildet "Take This Life" und wir werden von der Stimmung eingeatmet, wollen auch, dass der Moment noch ein bisschen bleibt. In Flames lieferten für uns einen großartigen Auftritt. Damit war der Samstag musikalisch ein echter Erfolg und ein schöner Abschluss unserer persönlichen Festivalreise.

Fazit: Viel Wetter, viel Metal und ein Festival mit Luft nach oben

Das Full Rewind 2026 wird uns mit gemischten Gefühlen in Erinnerung bleiben. Musikalisch gab es jede Menge Highlights, sympathische Bands und tolle Momente vor den Bühnen. Organisatorisch dagegen hat uns das Wochenende an einigen Stellen Nerven gekostet.

Der größte Ärger begann bereits bei der Anreise. Obwohl wir mittags losgefahren waren, standen wir bis in die Nacht im Stau. Auch der Umgang mit den Evakuierungen und die Kommunikation mit den Gästen sind aus unserer Sicht ausbaufähig. Natürlich steht die Sicherheit bei Gewitter und Sturm an erster Stelle. Da gibt es nichts zu diskutieren. Aber gerade dann ist es wichtig, dass alle möglichst schnell erfahren, was passiert, wo sie hinmüssen und wann es weitergeht. Wir hatten mehrfach den Eindruck, dass Informationen nicht alle Besucher gleichermaßen erreichten.

Dabei muss es nicht zwingend eine eigene Festival-App sein. Über Social Media, die Festivalwebsite und klare, regelmäßig aktualisierte Meldungen ließe sich schon einiges verbessern. Wichtig wäre, dass Informationen über eine Evakuierung, eine Entwarnung oder die Fortsetzung des Programms möglichst zeitgleich und verständlich verbreitet werden. Wer sein Handy nicht ständig in der Hand hat oder keinen guten Empfang besitzt, sollte trotzdem eine Chance haben, auf dem Laufenden zu bleiben. Megafondurchsagen sind hilfreich, könnten aber durch digitale Kanäle sinnvoll ergänzt werden.

Positiv ist, dass einige Kritikpunkte, die wir bereits bei früheren Besuchen hatten, inzwischen beseitigt wurden. Besonders angenehm fiel uns der Zustand der Dixies auf. Sie waren während des Festivals durchweg sauber und hatten meistens Toilettenpapier und Wasser – lediglich am ersten Abend gab es dabei noch Luft nach oben. Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit, ist auf einem Festival aber alles andere als selbstverständlich. Deshalb an dieser Stelle ausdrücklich ein Lob!

Auch bei den Preisen bleibt das Full Rewind erfreulich fair. Das Essen auf dem Gelände war lecker, die Auswahl gut und die Portionen machten satt. Tatsächlich hatten wir nicht das Gefühl, dass man mit Selbstversorgung am Campingplatz günstiger weggekommen wäre. Wer keine Lust hat, sich den halben Urlaub mit Kocher, Kühlbox und Essensplanung zu beschäftigen, kann sich hier entspannt versorgen, ohne gleich ein Vermögen auszugeben.

Ein Wermutstropfen war das zeitweise bestehende Problem mit dem Trinkwasser. Zwischenzeitlich hatte das Wasser seinen Trinkwasserstatus verloren. Das ist natürlich ärgerlich, gerade bei hohen Temperaturen, wenn man besonders viel trinken muss. Ob die Hitze vor dem Gewitter tatsächlich die Ursache war, können wir nicht beurteilen. Bei Wasserleitungen, die hohen Temperaturen ausgesetzt sind, können Probleme auftreten; entscheidend war dann, dass die Info dazu schnell über Social Media rausging und alle Gäste an den Versorgungsstationen für einen schmalen Taler ein alternatives Trinkwasser einkaufen konnten.

Musikalisch hat uns das Festival dagegen reichlich entschädigt. Party Cannon sorgten für einen herrlich absurden Auftakt, Blacktooth begeisterten als Lokalmatadore, Stick To Your Guns lieferten trotz verkürzter Spielzeit eine intensive Show und Chained Saint machten deutlich, dass man sie im Auge behalten sollte. Arch Enemy und Slaughter to Prevail brachten große Bühnenmomente, während Hemlock mit ihrer sympathischen Art besonders positiv in Erinnerung blieben. Und In Flames waren für uns schließlich der Hammer und ein würdiger Abschluss.

Dazu kamen all die kleinen Geschichten, die ein Festival ausmachen: Ob Wasserballschlacht, das gemeinsame Retten von Pavillons, die Fans, die sich selbst von strömenden Regen vor der Bühne nich entmutigen ließen oder der Graben Crew und den Menschen auf den Versorgungs- und Bierständen, die wirklich immer mit Herzlichkeit und guter Laune ihren Job machten. Wir sind dankbar und wünschen euch dass ihr immer einen Einkaufswagen erwischt, der geradeaus fährt und dass ihr immer ein weiches Kissen und den besten Schlaf habt!

War alles perfekt? Nein. Haben uns die Wetterkapriolen und manche Abläufe Nerven gekostet? Definitiv. Unsere Nachbarn waren bereits am vorletzten Tag abgereist, zu viel Schaden hatte das Camp genommen. Kann leider passieren. Wir haben trotzdem ein Wochenende erlebt, das uns musikalisch viel geboten hat und vorallem viel Verständnis, Hilfsbereitschaf und Motivation durch andere Festivalbesucher erfahren hat lassen.

Das Full Rewind hat für uns weiterhin einen besonderen Charme. Die fairen Preise, das gute Essen, die familiäre Atmosphäre und das abwechslungsreiche Line-up sind starke Argumente, wiederzukommen. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass aus den Erfahrungen dieses Jahres Konsequenzen gezogen werden – besonders bei der Anreise und der Kommunikation in kritischen Situationen.

Denn wenn die Musik stimmt und die Menschen zusammenhalten, ist schon viel gewonnen. Wenn dann auch noch die Organisation mitzieht, steht einem richtig guten Festivalwochenende nichts mehr im Weg.

Full Rewind 2026: ein Wochenende zwischen Chaos und Gänsehaut. Wir kommen gerne wieder – und hoffen, dass 2027 nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch noch eine Schippe drauflegt!

 

Read 0 times Last modified on 21/10/2026

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