Wir sind die Apokalypse!: Arranged Chaos im Proberaum-Gespräch

On: 02/07/2012

Vor zwei Jahren war ich schon einmal im Proberaum von Arranged Chaos. Die Leipziger Krawallbrüder hatten damals ihr Zweitwerk "As Time Goes By" eingehobelt. Bis jetzt tat sich einiges bei den lautstarken Metallern. Mehr Auftritte, sogar Festivalteilnahmen und eine neue EP stehen ins Haus. Klar, dass der Gang auf das Gewerbegebiet hinter der Alten Baumwollspinnerei wieder sein musste. Was steht an bei Arranged Chaos?



Daniel Thalheim: Was ist seit 2010 bei euch passiert?

Felix Kießig: Unsere Auftritte steigern sich seit dem Erscheinen von "As Time Goes By..." stetig. Darunter sind auch größere Shows gewesen. Inzwischen gab es bei uns auch einen Besetzungswechsel. Unserer Gitarrist Claudius musste uns aus privaten Gründen verlassen. Johannes, unser ehemaliger Bassist stieg aus, weil er sich anderen Projekten widmete.

DT: Gute Bassisten gibt es selten in Leipzig, oder?

Felix Kießig: Richtig. Gute Bassisten sind wirklich rar gesät. Wir hatten lange nach einem passenden Mann Ausschau gehalten und mit Paul Grams endlich den Richtigen gefunden. "Poal Grähms", wie ich ihn immer nenne. (Lacht)

DT: Und Gitarristen?

Felix Kießig: Mit Volkmar Bluhm als Nachfolger von Claudius haben wir einen sehr guten Leadgitarristen gefunden. Es freut uns sehr, dass wir endlich mit einer neuen und starken Besetzung weiter machen können. Konzerterprobt ist sie übrigens auch schon.

DT: Mit Claudius habt ihr aber einen Komponisten verloren ...

Felix Kießig: Claudius übernahm bei uns einen großen Teil des Songwritings. Es wird natürlich schwierig, wenn einer wegfällt, der den ganzen Stoff lieferte. Sein Weggang eröffnet auch für uns wieder neue Wege beim Liederschreiben und Komponieren. Wir komponieren beim Proben, wobei Songs rein zufällig entstehen können. Wenn Bassist und Drummer einfach mal zusammen jammen, kann dabei was cooles entstehen, was wir dann gemeinsam weiter entwickeln.

DT: Änderte sich mit der neuen Besetzung auch was bei der Live-Atmosphäre?

Felix Kießig: Für mich änderte sich nicht viel. Volkmar und Paul haben sich in kürzester Zeit unseren Stoff drauf gepackt und mussten sich in die Bühnensituation einfitzen, weil sie zuvor noch nicht so viel Konzerterfahrung hatten. Wir konzentrieren uns erst einmal aufs Spielerische. Das Komponieren kommt von ganz allein. Sogar Philipp wacht langsam bewegungstechnisch auf ... er bewegt schon seinen Kopf. Vielleicht noch den Fuß. (Lacht)

Philipp Küffner: Etwas Beinarbeit muss sein. (Lacht)

DT: Eine Tour steht im Herbst an?

Felix Kießig: Über die Domination-Of-Brutality-Tour mit u.a. Cytotoxin und Dying Humanity freuen wir uns sehr! Aber erst einmal stehen die Festivals wie das "In Flammen Open Air", das "Kuhstock Open Air" und das "Rock auf dem Berg" an.

Philipp Küffner: Mit Cytotoxin sind wir schon seit Jahren befreundet. Mit ihnen und den anderen Bands von Stadt zu Stadt zu ziehen und das in der Kombination, lässt uns richtig kribbelig werden.

Felix Kießig: Das wird wirklich geil!

Paul Grams: Uns tut das gut, kontinuierlich am Ball zu bleiben, auf Tour zu gehen, auf Festivals zu fahren.

DT: Ist die Tour zusammenhängend?

Paul Grams: Wir spielen nur an den Wochenenden. Anders geht es ja gar nicht, weil wir alle arbeiten, manche von uns studieren.

DT: Früher hat es Iron Maiden auch nicht anders gemacht ...

Felix Kießig: Eben. Heutzutage können Bands froh sein, wenn sie von ihrer Musik leben können. Davon sind wir noch ein Stückchen entfernt. (Lacht)

DT: Und bei euch, Paul und Volkmar - Live-Erfahrungen ... Wie ist es mit Arranged Chaos?

Paul Grams: Ich bin seit November 2010 dabei. Lass das mal bis dato 25 Konzerte gewesen sein. Ist schon beachtlich, man spielt sich ein. Inzwischen haben die Leute schon wahrgenommen, dass Arranged Chaos ein anderes Gesicht bekam. Unsere Bühnenpräsenz und unsere Show haben sich gewandelt.

DT: Festivals! - Irgendwelche Favoriten?

Philipp Küffner: Ich lass mich gern überraschen. Wir freuen uns auf jede Festivalteilnahme. Mit dem ...-Festival stiegen wir in diesem Jahr schön ein. Jetzt brennen wir für das In Flammen Open Air beim Thomas in Torgau. Das wird ein Brett!

DT: Kriegen die Leute was Neues von euch zu hören - ich habe gehört, ihr schreibt an neuen Songs.

Felix Kießig: Ein neues Album für 2012 fertig zu stellen, schaffen wir nicht mehr. Wir haben das Jahr packevoll mit Konzerten. Da bleibt nicht viel Zeit für Studioarbeit.

DT: Aber eine EP wollen wir mit vier bis fünf Songs einzimmern. Das Interessante daran ist, dass man Arranged Chaos vom "alten" Stil her kennt. Wenn uns einer jetzt fragen würde, welchen Stil wir spielen, könnten wir das nicht beantworten. Denn sobald wir Musik schreiben würden, die andere hören wollen, ergibt es keinen Sinn mehr, Musik zu machen. Wir machen Musik ausschließlich für uns und schreiben Stoff worauf wir als unsere eigenen Fans auch Bock hätten. (Lacht)

Philipp Küffner: Wenn es den Leuten, unserer Fan-Base auch gefällt, dann haben wir richtig gelegen. So war das mit jedem Album von uns.

Paul Grams: Wir haben aber wesentlich mehr Harmonien und Melodien in unseren neuen Stücken als auf "As Time Goes By", soviel darf man schon verraten.

Felix Kießig: Trends kümmern uns herzlich wenig. Wir haben uns von diesen "Trends" freigeschwommen.

DT: Myra hat sich etwas rar gemacht, Portrait Of Tracy gibt es nicht mehr. Wie sieht es mit Konkurrenz aus in Leipzig?

Paul Grams: Man muss allgemein feststellen, dass Leipzig eine rege Musikszene hat. Auf einzelne Bands würde ich mich da nicht beschränken. Es sind unvorstellbar viele Musiker hier aktiv. Leipzig hat ein paar größere Acts und ganz viele kleine. Aber immer kann sich das hören lassen. Von Konkurrenz würde ich da nicht reden. Eigentlich ergänzt sich alles ganz prima.

DT: Myra spielte kürzlich auf dem Campusfest. Ein Ziel für euch auch dort mal aufzutreten?

Felix Kießig: Na sicher doch!

Philipp Küffner: Spielen ist das A und O. Jeder Gig ist unser Ziel, jeder Gig ist was wert, bei jedem Gig sind Leute da. Das ist die Hauptsache.

Paul Grams: Wir sind deutschlandweit tierisch gut rumgekommen, von Hintertupfingen bis Berlin war alles dabei. Und das wollen wir weiter machen.

DT: Vor zwei Jahren sah das bei euch noch anders aus, oder?

Felix Kießig: Da hatten wir noch Pläne, die wir nicht schafften. Die überregionalen Auftritte haben sich erstaunlicherweise erst in der zweiten Jahreshälfte von 2011 und in diesem Jahr ergeben. Ich bin mir ganz sicher, dass das alles so wie bisher weiter gehen wird. Im Grunde genommen fahren wir erst jetzt die Ernte von "As Time Goes By" ein. Erst jetzt wird man auf uns aufmerksam. Jetzt geht was.

Philipp Küffner: Durch den Besetzungswechsel sind wir als Band wesentlich kompakter geworden, sind insgesamt besser aufgestellt. Das hat uns auch nach vorn gebracht, weil wir eine stärkere und saubere Bühnenpräsenz haben. Der Qualitätssprung spricht sich nun herum.

DT:  Noch einmal zurück zu euren Studioaktivitäten: Wartet ihr mit der EP-Veröffentlichung bis zum 21. Dezember, zur Apokalypse?

Felix Kießig: Wir sind die Apokalypse!

Philipp Küffner: Myra hat vor uns gewarnt! (Lachen)

Felix Kießig: Wir müssen nur darauf achten, dass wir unser Energielevel halten. Das bedeutet harte Arbeit. Alles andere kommt allein.

DT: Wann kommt nun die EP?

Felix Kießig: Bald! Und 2013 haben wir unser drittes Album im Blick!

DT: Was können Fans erwarten?

Philipp Küffner: Arranged Chaos, ein neues Kapitel und mehr Reife!

Felix Kießig: Lasst euch überraschen!

DT: Wann kommen erste Unplugged-Gigs?

Paul Grams: Coole Idee!

Felix Kießig: Gar nicht! Erinnere dich mal unseren Unplugged-Gig im Flower Power. Eine Frau klatschte aus Anstand. Und du hast mein Bier geklaut. (Lacht)

Text: Daniel Thalheim
Foto: Band-Presse

Read 191485 times Last modified on 07/11/2012

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