schwarzePRESSE.de

04.07.2015 - 2. Darkflower Open Air @ Parkbühne

On: 06/07/2015

2. Darkflower Open Air

Nicht nur Hoch „Annelie“ ließ am Samstag die Temperaturen rekordverdächtig steigen…

… auch die Jungs und Mädels von X-Divide, Rabia Sorda, Welle:Erdball und VNV Nation heizten dem Leipziger Publikum in dieser unvergesslichen Sommernacht gehörig ein. Bereits zum zweiten Mal fand die Darkflower Live Night auf der beschaulichen Parkbühne im Clara Zetkin Park statt. Bei Höchsttemperaturen von nahezu 40 Grad versammelten sich die Konzertbesucher langsam aber sicher auf dem von Baumkronen überragten Gelände. Heiß begehrt waren die Plätze vor den schattenspendenden Gebäudemauern, die den sonnendurchfluteten Platz umgaben. Ein harter Kern trotzte der Hitze mit Schirmen und nassen Handtüchern vor der Bühne. Immerhin durften sich die schweißgebadeten Fans in der ersten Reihe über eine Erfrischung aus dem Wasserschlauch der Security freuen. Ich selbst fand mein dunkles Plätzchen mit freiem Blick auf die Stage direkt vor dem Technik-Zelt, um meinen Ohren den besten Sound gönnen zu können und mich der Atmosphäre vor Ort hinzugeben.

Pünktlich 17 Uhr betraten X-Divide die Bühne und begrüßten die Zuschauer mit einigen kühlen Wasserstrahlen aus der Spritzpistole. Zugleich wurden die Anwesenden für ihre standesgemäß schwarze Kleidung trotz glühender Hitze gelobt. Wie gewohnt moderierte Keyboarder Jens D. das Programm der beiden Musiker, die angenehme Electropop-Rhythmen durch die Lüfte schallen ließen und das Publikum auf einen mitreißenden Abend einstimmten. Mit von der Partie war unter anderem der Song „Crying over you“, den das Duo vor einigen Wochen zum ersten Mal auf dem Blackfield Festival präsentierte. Zudem ließ es sich Sänger Eric S. nicht nehmen, seine Gitarrenkünste mit einem kurzen Solo unter gebührendem Jubel vorzuführen. Spätestens mit dem Depeche Mode Cover der bekannten Single „Enjoy the silence“ wippte dann auch der letzte Gast im Takt des Synthesizer-Sounds mit. Den Abschluss ihres Auftrittes rundeten die Kölner mit ihrem bisher erfolgreichsten Song „Forever“ ab, der sich 2010 ganze 9 Wochen in den Deutschen Alternative Charts hielt.

Nach dem gelungenen Auftakt betrat das mexikanische Bandprojekt Rabia Sorda die Bühne und machte seinem Namen durch in Musik geballte Wut alle Ehre. Unbeeindruckt von der Gluthitze schmetterte das Energiebündel Erk Aicrag in sportlicher Höchstleistung einen Song nach dem anderen ins Publikum. In Anlehnung an das letzte Album „Animales Salvajes“ (dt.: Bestien, wilde Tiere) sorgten dabei gleich zu Beginn zwei mit Schweine-Masken auftretende Tänzerinnen für verblüffte und zugleich amüsierte Blicke unter den Zuhörern. Sie hielten das tanzwütige Publikum jedoch nicht davon ab, sich von der kraftvollen Dynamik der Musiker anstecken zu lassen und den Kopf zum brachialen Sound im Kreis zu schütteln. Zwischenzeitlich donnerte Gitarrist Marcus Engel eine Trommeleinlage, die für einen nahezu explosiven Auftritt sorgte. Nicht fehlen durfte natürlich der Song „Hotel Suicide“ als Auskopplung der gleichnamigen Platte (2013), der im Vergleich zu seinen aggressiven Mitstreitern schon fast entspannend wirkte und Zeit zum Durchatmen bot.

Kaum wieder zu erkennen war die Bühne nach der nächsten Umbaupause, als die vier Bandmitglieder von Welle:Erdball vor das Publikum traten und sich zwischen zwei lebensgroße Roboter einreihten. Wie erwartet, schmückten die Musiker ihre Darbietung im Neue-Deutsche-Welle-Klang und Synthesizer-Melodie mit allerlei Accessoires. Während Honey und A.L.F. im gewohnten Anzug-Look und Sonnenbrille mienenlos nach vorne blickten, schwenkten Frl. Venus und Lady Lila beim Song „Hoch die Fahnen“ in roten Pünktchenkleidern zwei übergroße weiße Fahnen. Als die Band später riesige Luftballons in die Menge warf und Konfettikanonen knallen ließ, war vielen Besuchern die Freude ins Gesicht geschrieben und machte für einen kurzen Augenblick alles um sie herum vergessen. PKW-Liebhaber kamen hingegen beim „VW-Käfer“ Song auf ihre Kosten, der nostalgische Erinnerungen weckte. Das Finale bildete die Performance „Monoton und minimal“, die dem Commodore 64 noch einmal alles abverlangte. Danach flogen Papierflieger über die Köpfe der ersten Reihen und Zugabe ertönte im Chor. Den Ausklang lieferte das Quartett schließlich mit einem absolut geheimen Song, den Lady Lila zum erneuten ersten Mal auf dem Amphi Festival Ende Juli präsentieren wird.

Das Sahnehäubchen des Open Airs bildete das sympathische Duo von VNV Nation. Gleich zu Beginn legte die Band mit dem Klassiker „Space & Time“ vor und sorgte auf dem mittlerweile prall gefüllten Platz vor der Bühne für Gänsehaut. Nach wie vor herrschte eine drückende Hitze, die sich Sänger Ronan Harris zu Nutze machte, um die Konzertgänger zu einer Gartenparty aufzurufen. Mit sichtlich viel Spaß und einem Augenzwinkern rügte er manchen Zuschauer für ein erschöpftes Gähnen, mobilisierte zum gemeinsamen Anstimmen und forderte mit einer Handpuppe zum Tanzen auf. Im Song „Illusion“ durften die Zuhörer beim Refrain besonders aktiv werden und lautstark mitsingen. Bei „Resolution“ erhoben sich alle Arme und schwangen über den Köpfen hin und her. Ein besonderes Highlight bot der Abend bei einer kurzen Verschnaufpause für Fan Timo, der für seine Treue zur Band auf all ihren Touren ein Geschenk und ein Ständchen zu seinem Geburtstag erhielt. Gefühlvoll ging es auch bei „Nova (Shine a light on me)“ zu bevor mit einem energiegeladenen „Perpetual“ das letzte Lied eingestimmt wurde. Bei einem unaufhörlichen „Let there be, let there always be neverending light“ erhob das gesamte Publikum die Hände zum Klatschen und ließ den Abend gegen 22 Uhr ausdrucksvoll enden. Überwältigt von seinen Emotionen erinnerte Ronan Harris daran, dass er und Mark Jackson im September und Oktober dieses Jahres mit dem Filmorchester Babelsberg einige wenige exklusive Auftritte in Deutschland haben werden. Zugleich verriet er, dass sie Ende Juli noch eine Überraschung ankündigen werden, auf die alle Freunde der Musik jetzt schon gespannt sein dürfen.

Start im Hellen, Ende im Dunkeln… nach 5 erlebnisreichen Stunden inmitten gut gelaunter Menschen lautet mein Resümee für diesen fantastischen Abend: sehenswertes Line-Up, Balsam für die Ohren und eine beeindruckende Location, die den Charme von Leipzig versprüht. Vielen Dank an die Bands, den Veranstalter Mawi Concert GmbH und alle anderen, die diesen Tag so einzigartig gemacht haben. Gerne wieder!

Doch damit nicht genug. Wie all jene, die den Abend nach dem berauschenden Konzert noch nicht enden lassen wollten, schloss ich mich der Aftershowparty im DarkFlower an. Auch einige der Künstler wie bspw. Welle:Erdball ließen sich die Feier mit DJ frequen-C nicht entgehen. Bis in die Morgenstunden hinein bot der Alternative Club im Zentrum von Leipzig eine Fläche für ausgiebige Tanzeinlagen und genussvolle Momente an der Bar…

Text: Maria K.

Konzertbilder:

VNV Nation

Rabia Sorda

Welle: Erdball

X-Divide

Gelesen 3512 mal Letzte Änderung am 04/12/2016

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.