schwarzePRESSE.de

„Thrash! ihr Affen - Komm mir nich‘ auf die Tour 2011“ mit Leather Phantom, First Aid und Godslave

On: 12/10/2011

7.10.2011 Werk 2, Halle 5

Zugegeben, bei pünktlich zum Wochenausklang unfreundlicher Wetterlage zum Metal-Happening zu laden, ist schon etwas gewagt. Im Falle des von den Markleeberger Metalheadz organisierten Tourauftaktes bewahrheitet sich allerdings einmal mehr, was Oma schon immer wusste: Mut wird belohnt. Und so wird an diesem Abend getrunken, gefeiert und geschüttelt, was Haupthaar und Geldbeutel hergeben.

 

 

Pünktlich 21 Uhr macht das seit 2009 existierende Leather Phantom aus Leipzig den Anfang. Mit Wollmütze statt der zu erwartenden, ledernen „Phantom der Oper“-Maske auf dem Kopf, betritt Sänger Constantin Strobel samt seinen Mannen die Bühne. Was dann aus den Boxen der gerade mal Anfang Zwanzigjährigen dröhnt, überrascht: das Ganze klingt nach einer fleischgewordenen Auferstehung des 80er Jahre Old-School-Thrash Metals, wie ihn Metallica auf ihren ersten Alben zelebrierten. Gewürzt mit einem Schuss Speed Metal spielen Leather Phantom ein wirklich ordentliches Brett, das sich den wohlwollenden Applaus nach knapp 45 Minuten mehr als verdient hat.

In Heidi Klums Model-Casting-Show hätten die Jungs von First Aid aus Berlin sicher eher weniger Chancen – bei der Suche nach „Germany’s Next Topmetal“ hingegen scheint der Sieg in greifbarer Nähe. Nach dem krankheitsbedingten Ausfall der Thrash-Götter Hatred leisten Sänger Chris und Co. „Erste Hilfe“ in Sachen Stimmungsmache, föhnen ordentlich die Gehörgänge und vertreiben so auch das letzte Quäntchen Herbstkälte aus den Knochen. Die selbsternannten „Boozing Maniacs“ knüppeln sich mit feinstem Old-School-Thrash in die Herzen der Zuschauer, die vor allem in den vorderen Reihen anständig die Haare fliegen lassen. Selbst für einen kleinen (aber feinen) „Suicide Moshpit“ reicht es am Ende noch – da überrascht es wahrlich nicht, dass erste „Zugabe!“-Rufe laut werden. „Prisoner of Hell“, quasi als Sahnehäubchen, läutet dann endgültig das Ende dieses fulminanten Gigs ein.

Als Headliner des Abends setzen Godslave schon mal modisch neue Akzente und stechen durch ihren eigenwilligen Band-Einheitslook (bestehend aus bei jedem Bandmitglied anders platziertem grünen Totenkopf auf schwarzem Shirt) klar aus der Menge der sich durch Aufnäher als Anhänger verschiedenster Metal-Formationen outenden Besucher heraus. Obwohl der Barbetrieb während der Umbaupause und bis in die erste Gig-Hälfte floriert: „schöntrinken“ muss man sich Godslave nun wirklich nicht. Die fünf Jungs aus Saarbrücken werfen sich in schicke Posen und präsentieren nebenbei druckvollen Thrash mit einem kräftigen Hauch Death Metal. Bei so viel Spiel- und Selbstdarstellungsfreude kann auch schon mal die Bühne kurzerhand in den Zuschauerraum verlegt werden, ganz nach dem Motto: „Kommst du nicht zu mir, komm ich dich holen!“. Auch beim letzten Act des Abends konnte man sich an einem tollen Sound erfreuen, der definitiv Lust auf mehr Veranstaltungen dieser Art macht und den Markleeberg Metalheadz am Ende Recht gibt: Wer wagt, der gewinnt.

Text: Anja Hassel
Fotos: Rocksau Pictures

Gelesen 2359 mal Letzte Änderung am 15/05/2012

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.