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Konzerte Berichte

Konzerte Berichte (69)

Kunstblut, tausend Fotos und die Qual der Wahl

Mein ganz persönlicher WGT-Rückblick

Ist es schon Ende Juli? In den letzten habe ich wohl hunderte Bilder bearbeitet und in Alben für die Schwarze Presse zusammen gestellt, zuletzt nun tatsächlich das Fotoalbum zum Konzert von Agonoize. Was für ein spektakulärer Abschluss für dieses, das fünfundzwanzigste, Wave Gotik Treffen!

Ich schaue mir die Bilder noch einmal an und wie in einer Zeitmaschine sehe ich wieder alles vor mir. Was gab es denn nur wieder für fantastische Momente? Einer der lustigsten ist wohl mein Zusammentreffen mit meinem ahnungslosen Schweizer Kollegen. Als kurz vor dem Agonoize-Gig ein Ordner auf uns wartende Fotografen zukam und sagte "Hey, alle mal hergehört, ab dem dritten Lied gibt es Blut, bitte verlasst den Fotograben rechtzeitig!" stupste mich der Eidgenosse an und fragte "Was hat er gesagt? Blut? Was meint er…?". Ich zeigte ihm nur unaufgeregt meine sorgfältig in Regenschutz verpackten Kamera und sah, kurz bevor das Licht abgedunkelt wurde und das Konzert begann, in zwei völlig schockierte Augen.

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Tja, und nun ist alles schon wieder vorbei … ich sitze in meinem Auto und fahre auf ein letztes Bier in die Moritzbastei. Hoffentlich werde ich nicht von irgendeinem Polizisten angehalten, denn so "blutüberströmt" - das würde er wohl nicht verstehen…

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Zeit euch ein bisschen mehr von meinem WGT 2016 zu berichten.

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Mein WGT-Rückblick begann schon im April mit einer Facebook-Nachricht: "Hey mein Alter, wir haben Deine Akkreditierung fürs WGT!" Meine Freude war riesig, kurze Zeit später mischte sie sich jedoch mit Panik. Meine Redakteurskollegin dürfte mich leider nicht begleiten und so fraß nicht nur die Bearbeitung der Fotos meine vergangene Freizeit, sondern auch dieser Text.  Konnte ich nicht nur hinter der Kamera überzeugen, sondern auch in Wort und Schrift? Das 25. Treffen schien für mich als regelmäßigen Gast zur Feuertaufe zu werden.

Vorbereitung ist ja alles! Das 25. Wave Gotik Treffen bringt so viele spannende Programmpunkte, so viele großartige Bands, so viel Einzigartiges mit sich...  Wie, fragte ich mich oft, sollte ich mir auch nur annähernd ganz allein einen vernünftigen Eindruck verschaffen?!

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Das WGT begann. Meine Zweifel, für mich das richtige Programm gewählt zu haben, waren immer noch da. Gleich am ersten Tag war ich mit der Wahl der richtigen Location überfordert. Vielleicht ging es euch auch so, aber ich stand schon am Shuttlebus an der Agra und war mit einem Fuß schon auf dem Weg zum Eröffnungsspektakel im Freizeitpark Belantis, da spulte ich im Kopf noch einmal allle weiteren Varianten ab: Darkflower, Sixtina, Moritzbastei... Vor den Bussen bildeten sich riesige Trauben… Aber Belantis? Und was ist mit den Clubs, die die Szene das ganze Jahrbeleben? Ich entschied  doch nicht einzusteigen und für das “Schwarze Leipzig Tanzt” in der Moritzbastei und wurde nicht enttäuscht.

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 Erste WGT-Party geglückt. Das Publikum in der Moritzbastei ließ erahnen, welch verrückte und schöne Menschen ich in den nächsten Tagen noch vor die Linse bekommen würde.

 Freitag erholte ich mich jedoch erst einmal im Haus Leipzig mit einem spannenden Vortrag von Lydia Benecke

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Während der Lesung nahm meine innere Uhr Fahrt auf. Eine Stunde nach der Lesung wollte ich im Kohlrabizirkus sein, doch da war ja noch das Viktorianische Picknick... Im Stechschritt nahm ich die die Wege wie sie kamen, mein Blick immer suchend rechts und links. Beim Viktorianischen Picknick sah ich einige bekannte Kostüme aus den Vorjahren und auch vieles Neues, dabei alles mit Liebe zum Detail. Auch wenn ich im Vorbeilaufen fotografiere, lasse auch ich diese nicht aus den Augen. 'Wieviel Zeit hab ich noch? Ach, ein Foto geht noch...'

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Im Kohlrabizirkus war der Andrang am Einlass riesig. Zugegeben: Wenn man etwas in den letzten Jahren hätte lernen konnte wäre es wohl gewesen: "Wer zuletzt kommt, den beißen die Hunde."  Hätte... diesmal hatte ich meine Chance verpasst.

Kein Problem für mich, ich konnte mich ja kurz zuvor schon nicht von den aufwändigen Kostümen der Treffenbesucher auf dem Viktorianischen Picknick lösen. Traditionell wird in Leipzig auch nach 25 Jahren immer noch geschaut und gegafft, aber auch verführt. Manch aufreizendes Outfit brachte die Passanten dazu, die Kamera zu zücken und den Erinnerungsspeicher zu füllen. Und immer war ich mit dabei - hier der Beweis.

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Am späten Nachmittag konnte ich mich lösen und düse zur Agra. Patenbrigade Wolf zählen zu den heimlichen WGT-Highlights vieler Besucher - auch mir ging es so. Bierkästen werden aufgestapelt und abgeräumt, literweise Bräu vergossen, dazu wummern harte Beats und mehr oder minder sinnhafte Texte... Die Agra war nun heiß für alles, was da an diesem WE noch kommen würde. Sexorcist zum Beispiel.

Nachdem ich das Rohmaterial für die Sexorcist-Galerie im Kasten hatte, fuhr ich zur Parkbühne. Dernière Volonté spielten an diesem warmen Sommerabend, ich entspannte mich kurz, fotografierte Band und Menschen, dann hielt es mich nicht mehr. Auf meinem Programmplan dick eingekreist: Haujobb, im Kohlrabizirkus, first come, first serve. Also ging es wieder weiter. 

Haujobb begeisterten das WGT-Publikum so wie mich jedes Mal. Trotz der Enge in den vorderen Reihen stand niemand still, die Luft war zum Schneiden, egal. Ganz ehrlich: Die Leipziger hatten die Menge genauso im Griff wie die Helden von Project Pitchfork, die auch mit starker Setlist das WGT-Publikum forderten.

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Das kontrastreiche Programm war bis hierher sehr anstrengend. Rechtzeitig am Einlass sein, rechtzeitig am Graben sein, den Zeitplan im Auge behalten und auch die Menschen im Auge behalten. Ich hätte theoretisch schon jetzt müde ins Bett fallen können. Doch heute war Mitternachtskonzerttag und einer der Bauhaus-Musiker und wohl damit einer der Einflussgeber des Gohtic-Genres lud in die Agra-Halle: Peter Murphy. Im Gegensatz zu den harten Electroklängen der letzten Stunden erwarteten mich Live-Musik von einem Gitarristen, einem Drummer, einem Bassisten und natürlich die eindrucksvolle Stimme Murphys. Neben alten Bauhaus-Klassikern und eigenen Stücken spielte er auch Coverversionen, so Nine Inch Nails Hurt und David Bowies Space Oddity. So ausdrucksstark hatte man, auch zu den immer atmosphärischen Mitternachtskonzerten, selten Musiker performen sehen. Was für ein lohnenswerter Abschluss für diesen WGT-Freitag!

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Samstag zog es mich zuerst in den Kohlrabizirkus, wo Crematory, zeitgleich mit dem WGT, ihr 25. Jubiläum feierten. Mir schien, als würden die Gans jedes Lied können und spätestens bei der Zugabe, natürlich Tear Of Time, trällerte auch ich fröhlich mit. Wieder einmal bemerkte ich, wie vielfältig das WGT und seine Besucher doch sind. Standen am Vortag noch herausgeputzte Goth' neben mir, versammelten sich jetzt hier im Kohlrabizirkus Metalheads und schwangen ihre Mähne gemeinsam mit Altgothen. Soviel Harmonie tut doch wirklich mal gut!

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Ab ging es zur Agra, wo die Krupps schon auf mich warteten. Die seit den 90ern gefeiert EBM- und Industrialhelden brachten die Menge zum Kochen und jubelten in den höchsten Tönen, als Keyboard und Gitarre, wie so mancher WGT-Besucher, nach dem Konzert zerstört waren. Seit 35 Jahren kompromisslos, auch das bringt eine bunte Mischung ins Publikum. Hier eindeutig Jung und Alt.

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Der Samstag endet für mich heute mal zeitiger. Nach einem Abstecher zur Gothic Pogo Festival im WerkII fiel ich ins Bett.

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Am Sonntag war mein erster Anlaufpunkt am Nachmittag die Agra. Lang schlafen, schön! Ich traf einen alten Bekannten: Chris Harms von Lord Of The Lost sah ich nicht zum ersten Mal. Im Darkflower als DJ hinter dem Pult, stand er nun mit seiner Band auf der Bühne, vor ihm eine knackevolle Agra-Halle und lauter spannende Treffengänger in fantasievollen Kostümen. Kein Wunder, denn auch die Band ist - wie immer - fantasievoll gekleidet. Neben Iro, futuristischen Kostümen und rockigen Klängen singen die WGT-Besucher zu eingängigen Refrains und teilweise harten Riffs. Hier blieb der Spaß nicht auf der Strecke. Auch wenn in dieser Halle alle mehr als böse gucken konnten, am Ende feiern sie ein Hitfeuerwerk.

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Nach Lord Of The Lost machte ich noch ein paar Fotos auf der Agra

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Danach ließ ich im Schauspielhaus meine schmerzenden Füße langgestreckt und genoss die weichen Sitze. Peter Yates feat. Evi Vine konnte einen schon verzaubern. Die Augen wurden schwer doch lösen konnte ich sie nicht. Ich entspannte und zog langsam weiter - in die Agra, wo Diary of Dreams als weiteres Highlight schon auf mich warteten. Adrian Hates und Co. rockten sich durch den Abend, schufen Gänsehautmomente und wirkten dabei immer ein wenig schüchtern. Mit aufwändiger Lightshow und toller Stimmung zogen sie das Publikum in den Bann ihrer Songs und zauberten zufriedene Kächeln auf die Gesichter ihrer Fans.

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Den Montag begann ich, noch ganz verzückt von den Freuden des Vortags, mit einer weiteren Tradition: Den Schlangen vor der Lesung von Mark Benecke. Diesmal habe ich Glück. Als gebranntes Kind kam ich rechtzeitig und begehrte einen der wohl meistumkämpften Plätze des Treffens.

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Im Täubchenthal erwarteten mich ein paar alte Bekannte, so kam es mir zumindest vor, denn The Fright sind aus der Leipziger Szene auch nicht so wirklich wegzudenken. In der schönen Location im Westen spielten sich die Horrorpunker, die schon mit Größen wie The Blitzkid, The Other, Bloodsucking Zombies From Outer Space oder Ghoultown touren durften, mal wieder die Seele aus dem Leib. Was soll ich sagen, Horrorpunk auf dem WGT ist immer einer der unterhaltsamsten Momente im Line-Up und so genoss ich den Gig zwischen Skeletten und Loveskulls.

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Wie auch Lon Fright legte Der Schulz von Unzucht mehrere Male in meinem Lieblingsclub, dem Dark Flower auf. Also noch so ein Heimspiel, hier in Leipzig? Es sah so aus! Unzucht fühlten sich bei Ihrem Auftritt im Rahmen des WGT sichtlich wohl und begeisterten das auffällig weibliche Publikum. Stagediver, Mädchen in Uniform und eine sensationelle Stimmung waren der Dank für ein schönes Konzert.

Vor meinem persönlichen Abschlusshighlight, Agonoize, zog es mich noch ein letztes Mal ins Heidnische Dorf, wo ich nach einem Regenschauer mit Freunden gut gemachtes Essen und mittelalterliche Klänge genoss. Und wie das WGT mit Agonoize für mich ausging (nämlich mit einem meiner persönlkchen Highlights!) wisst ihr ja nun auch...

Hier findet ihr all unsere WGT-Bildergalerien (in chronologischer Reihenfolge):

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-lydia-benecke.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-viktorianisches-picknick.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-patenbrigade-wolff.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-sexorcist.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-derniere-volonte.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-haujobb.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-project-pitchfork.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-peter-murphy.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-crematory.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-die-krupps.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-lord-of-the-lost.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-peter-yates.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-diary-of-dreams.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-dr-mark-benecke.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-the-fright.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-unzucht.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-agonoize.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-agra.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-heidnisches-dorf.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/25wgt-city.html

http://www.schwarzepresse.de/index.php/component/joomgallery/events-konzerte/1405-160516-gothic-pogo-festival-xi.html

 

 

 

IAMX – Vorweihnachtlicher Jahresausklang zum “Everything is Burning” Tour-Finale

Sinnlichkeit lag in der Luft…

 

… und mit ihr eine explosive Spannung, die an Vielfältigkeit und Emotionen wohl kaum zu übertreffen war. 

 

Wer sich am ersten Advent in der beliebten Location Werk 2 im Süden der Messestadt einfand, wusste, dass sich das Warten auf Chris Corner lohnen würde. Nach mehr als zwei Jahren meldete sich der Solo-Künstler an diesem unvergesslichen Abend mit neuem Spirit bei den deutschen Fans zurück. Nicht zuletzt die visuell ausgereiften Bühnenauftritte mit aufwendigen Requisiten und Lichtprojektionen machten den außergewöhnlichen Live-Act bereits in der Vergangenheit immer wieder zu einem einmaligen Erlebnis.

Vier schwarz durchtränkte Projektionsschirme mit weißen Blüten begrüßten das Publikum, das an jenem Sonntag geduldig den Auftakt des Konzerts erwartete, während ein einsamer Luftballon aus der dunklen Menge empor stieg. Schon der Anblick des langhaarigen Roadies, der sporadisch mit Taschenlampe über die Bühne schlich, ließ begeisterte Freudenschreie in den ersten Reihen ertönen. Neugierig richteten sich die letzten Blicke gen Podium bevor schließlich mit einem lauten Rumms der federgekrönte Chris Corner, zwei leicht bekleidete Keyboarderinnen und ein oberkörperfreier Drummer die Bühne unter Lichtgewitter betraten.

Mit einer einzigartigen Hingebung spielten die Musiker nicht nur Songs aus dem letzten Album Metanoia (2015) und dessen Addendum, bei der der prägnante Titel der Tour – Everything is Burning – umgeben von einer projizierten Feuerwand natürlich nicht fehlen durfte. In musikalischer Ekstase verschmolzen Corner und seine Begleiter tanzend mit jedem Werk, sodass sich von Lied zu Lied eine instrumentelle Schwerelosigkeit entfaltete. Im Gepäck waren hierbei auch das emotionsgeladene Happiness mit seinem aufrüttelnden Musikvideo, das versunkene North Star inmitten von vorüberfliegenden Wasser-, Strand- und Bergaufnahmen sowie ein verträumtes Insomnia. Ebenso wartete man mit zahlreichen Stücken aus früheren Alben auf. So zum Beispiel mit dem pianountermalten Spit it Out und dem instrumental in LED bestückten Nightlife der Platte The Alternative (2006). Auch das Werk The Unified Field (2013) lud u.a. mit dem gleichnamigen Titel in warmes Scheinwerferlicht gehüllt auf eine Reise in die Gedankenlosigkeit ein. Und sogar das erste Album Kiss + Swallow (2004) wurde ehrwürdig mit vollem Körpereinsatz hinter den Mikros und an den Tasten bei einem illustrativen You Stick It In Me zum Besten gegeben.

Ob actionreich oder besonnen – nicht nur die Musiker sondern auch das Publikum gab sich voll und ganz dem intensiven Musikgefühl hin. Mit den einleitenden Worten „Ich vermisse Deutschland ein bisschen“ und dem deutschen Intro zu I Come With Knives zeigte Corner den Zuhörern in einer ersten Zugabe sodann seine innige Verbundenheit. Schließlich verabschiedete sich der britische Musiker in einem nebelgehüllten Lichtmeer mit der Ballade This Will Make You Love Again.

Mehr als ein „You Are Fucking Incredible! We Love You So Much!” braucht es wohl nicht, um diesen Abend mit wenigen Worten zusammenzufassen. //Text: Maria K.

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14 Jahre hat  sich der Ex-Gorgoroth Drummer Einar “Kvitrafn” Selvik auf eine spirituelle Reise begeben um in der Gestalt seines Prokjekts Warduna den nordischen Naturglauben für sich zu entdecken. " Sowing New Seeds, Strengthening Old Roots" - neue Saaten säen, alte Wurzeln stärken. Lange suchte Einar nach dem Weg den Runen des älteren Futhark eine authentische Stimme zu verleihen, er baute oder erlernte schon fast vergessene Instrumente wie wie Rahmentrommeln, Knochenflöten, Hörner, Fiedeln, Leiern, Bronzelure zu spielen und suchte Geräusche der Natur an verborgenen Plätzen. 2008 erschien die erste Platte Gap Var Ginnunga, 2013 Yggdrasil und in diesem Jahr vollendete Ragnarok den Runaljod-Zyklus.

Genreübergreifend fanden sich begeisterte Zuhörer und so war das erste und einzige  Konzert in Deutschland ein begehrtes Ereignis  das seine Besucher sogar über Deutschland hinaus fand. Warum die Schwierigkeiten eine Eintrittskarte zu ergattern, sich am Einlaß fortsetzen mussten, blieb mir und vielen anderen aber unverständlich. Nur verspätet und in kleinen Grüppchen wurde Einlaß gewährt, so das wegen der viele noch draussen anstehenden sogar der Konzertbeginn verschoben wurde.

Dennoch überwog schnell wieder die Vorfreude und viele, die zum ersten Mal den Eventpalast betreten hatten bestaunten den dem römischen Pantheon nachempfundenen Kuppelsaal. Eigentlich das genaue Gegenteil der angestrebten Naturmystik von Warduna und dennoch passte diese Umgebung sehr gut, den sie päsentierte und barg später die Gruppe und ihre Musik wie eine kostbare Hülle.
Leider hat Einars Ex-GORGOROTH-Kollge Gaahl, obwohl er auch Teil der konzeptionellen Entstehung der Trilogie war, seine Teilnahme bei Liveauftritten seid 2015 eingestellt. Sein Gesang und lokihafte Erscheinung waren eine gute Ergänzung zu Einar schon bei den vorhergehenden Platten und dem Auftritt von Wardruna 2012 im Schauspielhaus gewesen. Gerade das noch in weiten Teilen unheilvoller gewordene Ragnarok hätte eine angemessene  Bühne für seine düstere Aura geboten.


Endlich gegen 21:00 begann mit Tyr das Konzert und Einar und Eilif Gundersen traten mit ihren gewaltigen Bronzeluren aus dem Dunkel einer fernen Vergangenheit. Verhaltend beginnend wie ein Erzählung am Lagerfeuer träufeln fremde und doch irgendwie vertraute Klänge an unser Ohr, das stöhnen eines Auerochsen, das singen von Eis oder der rituelle Ruf der Luren zu Opfer oder Kampf.  Immer beschwörender, ein schweben, stampfen, mahlen, singen, eine Erinnerung an Leben, ein Möglichkeit an Leben, Freude, Wachsen und Vergehen. Einsam und doch nebeinander, konzentriert und hingegeben bieten Einar und seine Mitstreiter, worunter vor allem die Sängerin Lindy Fay Hella  Einar oft einen wunderbaren Gegenpol bietet, Magie in klingender Form. Nur vor dem letzten Lied wendet sich Einar sichtbar ergriffen direkt an das Publikum, dankt ihm und entschuldigt sich schon mal dafür, das man keine Rock ’n’ Roll-Band sei, die Zugaben vorbereitet hätten. Ein letztes mal führt der Helvegen in eine archaische Welt, wo die Beschwörung der Natur ein Teil des Kreislaufs des Lebens war und das Wort Rune den allgemein verstandenen Beiklang von raunenden Geheimnis besaß.

Meisterhaft!

Danke an In Move und der Treffen & Festspielgesellschaft!

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Gothic Meets Klassik 2016 – Zweifache Dosis purer musikalischer Leidenschaft!

Schwungvoller Auftakt im Haus Auensee & bewegende Auftritte im Gewandhaus

 

Ein solch emotionales Wochenende darf sich gern wiederholen! Bereits zum fünften Mal fand Gothic Meets Klassik nun in gewohnt stilvollem Rahmen statt und die letzten Zweifel über die anfangs ungewohnte Kombination aus elektronischen Arrangements in sinfonischem Gewand dürften längst verflogen sein.

Bereits am Freitag wurde das unvergessliche Event im Haus Auensee eingeläutet. Inmitten des gut gefüllten Konzertsaales, der als Location mit seinem historisch imposanten Charme ohnehin beliebt ist, tummelten sich dutzende schwarze Seelen, um den Klängen von Elektro, Synthpop, EBM und Industrial zu lauschen. Auch ausgelassene Tänzer im Publikum fanden hier und da ein Plätzchen, um ihren Start-ins-Wochenende-Tanzmodus auszuleben.

Das Opening bestritt an diesem Abend das Leipziger Electronic/Wave/Progressive-Trio Framheim. Mit melancholisch treibenden und verträumten Stücken sorgten Sängerin Dorain und ihre Jungs im Raum schnell für eine instrumentelle Schwerelosigkeit. Nicht zuletzt die in Silhouetten visualisierten Live-Mitschnitte, die während des Konzerts auf einer Leinwand im Hintergrund flimmerten, verliehen dem kurzweiligen Auftritt einen eigenen Charakter. Eine knappe halbe Stunde entführten die Musiker auf eine kleine Reise durch weniger bekannte, aber durchaus hörbare Songs.

Nach dem anregenden Auftakt stürmten nach einer kurzen Umbaupause die Berliner Musiker von Forced To Mode die Bühne und machten ihrem vorauseilenden Ruf als eine der besten Depeche-Mode-Tribute-Bands alle Ehre. Voller Energie (oder auch wegen der Hummeln im Ar***?) schwang Sänger Christian nicht nur die Locken sondern auch den Mikroständer und stimmte das Publikum auf einen lebhaften Auftritt ein. Ein Klassiker nach dem anderen wurde ins Publikum geschmettert: ob ein poppiges „Walking in My Shoes“, ein ausgelassenes „A Question of Time“ mit stilvoller Bühnenperformance – der Propellerfigur –  oder ein gitarrenerfülltes „Personal Jesus“, bei dem selbst das Publikum den Refrain trällerte. Unverkennbar, dass hier eine hüftschwingende Stimmungskanone die Bühne belebte und unüberhörbar, dass die Zuhörer eine Menge Gefallen an den bekannten Cover-Songs fanden.

Mit den Jungs um Camouflage-Sänger Marcus Meyn und deren noch recht frischem Musikprojekt M.I.N.E wurde die Performance anschließend wieder in etwas ruhigere Gewässer gefahren. Mit interessierten Blicken lauschte das Publikum den bisher vor allem in Live-Auftritten dargebotenen Songs, die von Dark Electronic über Wave bis hin zu Pop eine bunte Mischung bereithielten. Stolz präsentierte Frontmann Marcus u.a. die im August aufgenommene, erste Single „Things We´ve Done“. Zur Freude des Publikums wurde nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ mit dem Camouflage-Hit „The Great Commandment“ zum Abschied sogar noch ein Ohrwurm ausgegraben, der die Masse wieder in Schwung brachte und den ein oder anderen mitsingen ließ.

Aller guten Dinge sind… vier. Denn ebenfalls im Bunde war an diesem Abend das Duo von Solar Fake. Schon zu Beginn heizten die Jungs den Saal ein. Vor allem dem knalligen Dance/Electro-Song „Under Control“, aber auch dem gemächlicheren Stück „Here I Stand“ wurde deutliches Tanzpotential bescheinigt, sodass der Aufforderung ans Publikum nach mehr Bewegung nichts im Wege stand. Keyboarder André machte es vor - unbeeindruckt vom glühenden Scheinwerferlicht verausgabte sich das Energiebündel in sportlicher Höchstleistung hinter, vor, neben, über, unter seinem Instrument und dirigierte das Publikum auf charmante Art und Weise mit Hand- und Hörzeichen während Sänger Sven mit ausdrucksstarker Stimme die Lyrics zum Besten gab. Nicht nur vom Klassiker „More Than This“ sondern auch von der ersten Single - „All The Things You Say“ - des im letzten Jahr veröffentlichten Albums ließen sich die Konzertgänger mitreißen. Fast sprachlos wurde daraufhin im Berliner Dialekt ein unverkennbares „Alter Verwalter“ ins Mikro gepustet, bevor für einen kurzen Augenblick der Stille die Augen durch die Halle schweiften. Dass die Jungs nicht nur kraftvoll sondern auch gefühlvoll können, ließ in Anbetracht des bevorstehenden Abends im Gewandhaus große Hoffnung auf einen weiteren grandiosen Auftritt.

Sichtlich gut eingestimmt und warmgetanzt, begrüßte das dunkle Volk schließlich den Headliner des Abends – Peter Heppner. Der Hamburger Songwriter mit der charismatischen Stimme überzeugte wie gewohnt mit packenden Texten aus jahrelangem, musikalischen Schaffen und fesselte damit Jung und Alt. Allerlei Synthpop-Liebhaber entpuppten sich unter den zahlreichen Zuhörern: Ob bei der Singleauskopplung „Alleinesein“, dem ersten Solo-Werk, dass sich mehr als zwei Monate in den Charts hielt, dem nachdenklichen „Das Geht Vorbei“ oder dem Wolfsheim-Refrain „Doch Du Siehst Mich Nicht“. Es wurde mitgesungen, mitgeträumt, mitgewippt. Auch Klassiker aus alten Zeiten, wie „The Sparrows and the Nightingales“, wurden mit ruhiger, aber intensiver Stimme ins Publikum getragen. Der Verzicht auf aufwendige Performance schaffte viele besondere Momente, die Heppners Liedbotschaften immer wieder verstärkten. Ein in Regenbogenfarben gehülltes Lichtmeer zum Titel „Meine Welt“ oder der warme, rote Schein für „Being Me“ verliehen der vertrauten Atmosphäre dennoch zusätzlichen Charme, der durch die Nacht begleitete… Nicht verwunderlich, dass eine Zugabe verlangt wurde, die die Spannung auf den Folgetag nunmehr erst recht ansteigen ließ.

Nach einem gelungenen Opening am ersten Festivaltag, folgte Samstag schließlich das eigentliche Highlight. Im eindrucksvollen Großen Saal des Gewandhauses trafen die Gothic-Stimmen in ihren eigenen Werken an diesem Abend auf ein Instrumentalensemble der klassischen Art, was die Veranstaltung für Musiker und Publikum zu einem unvergesslichen Erlebnis machte.

Gespannt richteten die Zuhörer ihre Blicke auf die orchesterbesetzte Bühne, bevor Forced To Mode als erste Band den Saal betrat. Die noch am Vorabend schwungvolle Bühnenperformance wurde dem Anlass entsprechend gegen ein sanftes Wippen am Mikro ausgetauscht. Mit der Depeche-Mode-Ballade „Sister of Night“ stimmten die Musiker in einen entspannten und genussvollen Abend mit dem Zielona Gora Orchester ein. Nicht weniger emotional war der zweite Song, den Sänger Christian in Unterstützung der zarten Frauenstimme von Christiane „Bobo“ Hebold und dem akustischen Arrangement der Streicher und Bläser zum Besten gab. Wieder zum Leben erweckt wurde u.a. auch die mittlerweile fast 30 Jahre alte Single „Little 15“ und für Überraschung sorgte sicher die gesangliche Darbietung von Keyboarder Thomas, der „One Caress“ aus den 90ern tadellos und mit einer gehörigen Portion Gefühl in der Stimme aufführte. Im abschließenden Klassiker „Enjoy the Silence“ wurde die bis dahin ruhige Atmosphäre dann aber doch noch einmal aufgemischt, um der Energie freien Lauf zu lassen. Auch der Saal ließ sich packen und klatschte eifrig im Takt, bevor die Musiker mit begeisterndem Applaus von der Bühne verabschiedet wurden.

 

Schon wenig später wurden mit einem ausgiebigen instrumentalen Orchester-Intro Sven Friedrich und André Feller vom Electro-Act Solar Fake auf die Bühne geleitet. Aufgeregt wie Bolle und überwältigt von der Stimmung lieferten sie ihre Werke in erster Sahne mit Orchester-Topping ab. Im Gepäck waren u.a. die Piano-Ballade „Stay“ und die sofort ins Ohr gehende Single „I Don´t Want You In Here“ aus dem aktuellen Album „Another Manic Episode“. Während Keyboarder André seinen Bewegungsdrang selbstbeherrschend in ein Kopfnicken und mitschwingende Arme umleitete, ließ Frontmann Sven in andächtiger Versunkenheit die Gedanken und Emotionen schweifen. In Begleitung von seinen Zeraphine-Musikerkollegen wurden auch deutsche Lyrics - wie das sonst aus rockigerem Terrain stammende Werk „Die Wirklichkeit“ - mit sinfonischen Klängen untermalt. Passend zum letzten Song vor der Pause, beendete die Berliner Schnauze schließlich den Auftritt mit den Zeilen „And I’ll shine so bright for you | for a last time tonight”, bevor auch hier das Publikum in Hochachtung vor der musikalischen Leistung in Beifall ausbrach.

Nach einer kurzen Verschnaufpause für die Orchester-Mitglieder spazierte unter tobendem Jubel schließlich Peter Heppner in anmutiger Gelassenheit vor sein Mikro. Ohne großes Brimborium überzeugte er vom ersten Song an mit seiner charismatischen und oft melancholisch wirkenden Stimme. Neben „Meine Welt“, „Once in a Lifetime“, „Kein Zurück” u.v.m. fehlte wohl kaum ein deutsch- oder englischsprachiger Klassiker aus der Wolfsheim und Solokünstler-Ära. Als hätte er nie etwas anderes gemacht, harmonierte er mit dem Orchester und sorgte mit seinen tiefgreifenden Werken für pure Gänsehaut-Stimmung. Auch Stücke aus der Zeit als Gastmusiker, wie „I Feel You“ in Zusammenarbeit mit Schiller, wurden ins Repertoire des Abends aufgenommen und zogen das Publikum in den Bann. Nicht fehlen durfte außerdem seine wohl erfolgreichste Kooperation „Die Flut“, die von Joachim Witt initiiert wurde und für einen weiteren bewegenden Auftritt sorgte. In voller Konzentration auf die musikalische Gesamtwirkung zwischen emotionaler Stimme und klangvollem Ensemble im Rücken, bestritt Heppner in gewohnter Pose vor dem Textbuch den atemberaubenden Abend. Mit den Worten „So schnell werdet ihr mich doch nicht los“ sprach er einen Dank an alle Beteiligten aus und rief in einer Zugabe erneut die Botschaft „Wir sind Wir“ in Erinnerung. Unter tosendem Jubel würdigten die Zuhörer im Saal den außerordentlichen Auftritt und verliehen ihrer Begeisterung mit Standing Ovations Ausdruck.

Ein Rundum-Glücklich-Paket an zwei aufeinanderfolgenden Tagen – erstklassige Auftritte mit allerlei Herzblut. So manch Musiker-Kindheitstraum dürfte in Erfüllung gegangen sein. Vielen Dank an die Bands, Steven Dornbusch, den Veranstalter Mawi Concert GmbH und alle anderen, die dieses Wochenende so einzigartig gemacht haben! //Text: Maria K.

Haus Auensee

Gewandhaus

 

11. NCN 2016

On: 24/09/2016

11. NCN - Nocturnal Culture Night – heiße schwarze Septembernächte

Nun war es wieder soweit und am ersten Septemberwochenende  öffnete das NCN die  Pforten des Kulturparks Deutzen für das beliebte und familiäre Treffen der schwarzen Szene aus nah und fern.  

Wir konnten leider nicht schon am Donnerstag zum warm-up starten, aber am Freitagnachmittag nach Feierabend fuhren wir in freudiger Erwartung von Leipzig nach Deutzen. Raus aus der Stadt und rein in die naturverbundene Atmosphäre des Kulturparks in dem das 3-tägige Festival im familiären Kreis der schwarzen Szene stattfand. Schon auf dem Weg zum Festivalgelände trafen wir viele Bekannte und Freunde,  einem schwarzen Sog gleich strömten die Festivalbesucher durch das Dorf Deutzen.  Ebenso zeugten die Straßen und Parkplätze von einer sehr großen Fangemeinde aus dem gesamten Bundesgebiet und weiteren europäischen Ländern.
Das 3 Tages Festival Ticket ohne Camping kostete 57,- € , mit einem kleinen Aufschlag von 5,- € konnte man im wunderschönen grünen Kulturpark campen. 

FREITAG, 02. September 2016

Der erste Tag begann mit hochsommerlichen Temperaturen, die Sonne meinte es eigentlich zu gut mit uns.  So konnte man gleich die Zeit nutzen um ein kühlendes Getränk mit Freunden und langjährigen Bekannten zu trinken, ein großes Hallo gab es überall. Dies ist ja auch das Schöne an dem NCN Festival, es hat seinen ganz eigenen unverwechselbaren Charakter gegenüber den großen Festivals. Zuerst wollten wir uns einige Neuerungen anschauen. Der Mittelaltermarkt wurde nun vor dem Festivalgelände platziert, so konnten alle Gäste auch ohne Festivalbändchen diesen Markt besuchen. Obwohl es manchmal das Gefühl gab, dass der Mittelaltermarkt etwas „verloren“ wirkte, es kann aber auch sein, dass wir ja nur sehr sporadisch daran vorbei liefen. Als weitere tolle Neuerung ist die 4. Bühne, die Weidenbogenbühne,  sofort sehr angenehm aufgefallen, diese stand nun dort wo früher einmal der Mittelaltermarkt war.  
Dadurch war dort sehr viel mehr Platz vorhanden und dies nicht nur gefühlt. Als Folge würden wir sogar sagen, dass es bei den Konzerten insgesamt viel entspannter zuging, wobei da sicherlich auch der gut durchdachte Spielplan alles etwas auflockerte.

Unser musikalische Geniessen begann mit AEON SABLE, welche auf der Weidenbogenbühne spielten die in Front zum Eingang stand. Am späten Nachmittag hatten sich schon zahlreiche Fans und Besucher vor der Bühne und an den nahen Ständen versammelt. Es wurde Goth Rock vom Feinsten gespielt, was für ein schöner Einstieg in das diesjährige NCN. Die neue Bühne inmitten des wunderschönen Ambiente, sie heißt ja nicht ohne Grund Weidenbogenbühne und gefiel uns sofort sehr gut.

Durchaus sehr überzeugend von Sound und Optik fesselte TYING TIFFANY kurz danach auf der Amphiebühne die Besucher und Fans. Die kreative Italienerin ist auch sehr gefragt als Model oder DJane. Mit den melodischen Rhythmen in Verbindung ihrer einmaligen Stimme begeisterte sie als zweiter Act am Freitag auf der Amphiebühne.

  

Zwischenzeitlich war die Kulturbühne schon sehr gut mit Besuchern gefüllt. Im Lichte des nun gehenden Tages und des künstlich blau/weißen Lichtes im Inneren der Bühne aus Weidenhölzern spielten 7JK. Das wunderschöne und sehr charakteristische Violinenspiel und Gesang Howends lenkten ein in eine sehr angenehme Atmosphäre. Sicherlich sehr typisch für SIEBEN nun in Verbund mit JOB KARMA, man kann dazu nur sagen: 1A! Ein wahrlich sehr schönes Konzert, kombiniert mit guten Sound und vielen Fans. Nun hatte man aber bald die Wahl der Qual, nach 7JK spielten DEATH IN ROME  auf der Kulturbühne und parallel dazu GARDEN OF DELIGHT auf der Amphiebühne.

 

 

Nun ging es weiter zum zweiten Act auf der neuen Weidenbogenbühne, die Jungs der slowensichen Electro Pop Band TORUL gaben sich in neuer Besetzung die Ehre. Ein schöner Sound mit einem passenden Konzept umrahmte ihre Show. Torul spielten auch schon zum WGT und zum Amphi weshalb sie einen gewissen Bekanntheitsgrad haben.

So gingen wir weiter zur Parkbühne, von der aus die Belgier von SONAR mit ihren typischen Industrial - Electroklängen den frühen Abend einheizten.
Viele weitere Besucher strömten zu dieser Zeit zum NCN, wir hatten ja einen kurzen Weg aus dem nahen Leipzig. Nun wurde es Zeit für ein doch etwas besonderes Konzert!

GARDEN OF DELIGHT oder auch kurz GOD genannt wurden auf der Amphibühne angekündigt!
Aufgrund der besonderen Initiative von Holger Troisch war es zu verdanken, dass GARDEN OF DELIGHT zum Jubiläumskonzert nach 25 Jahren beim NCN in Deutzen spielten!
Bei Goth Rock vom Allerfeinsten mit einer mystischen Lichtershow und mitreißenden Rhythmen schwelgten alte sowie neuere Fans der Band in Erinnerungen. Das musikalische Programm bestand aus einem exklusiven Querschnitt der langen musikalischen Geschichte der Band.  Obwohl es seit vielen Jahren keine Neuerscheinungen der Band gab, ein perfektes Konzert!

Als dritter Act der Weidenbogenbühne beschlossen Solitary Experiments dort den Abend. Nun sah man wirkungsvoll wie gut dort die große neue Bühne zur Wirkung kam!
Die Band ist nun mehr seit 20 Jahren bekannt und spielen in der Oberliga der elektronischen Unterhaltungsmusik. Musikalisch auf einem hohem Niveau, einer tollen dargebotenen Show mit einem Sound der im EBM Bereich wurzelt.

Nach einem kurzen Umbau der Amphiebühne war es nun für ein weiteres Highlight soweit: KLANGSTABIL! Insgesamt 3 Mal schon spielten sie auf dem NCN und spielten nun als Headliner zum Freitagabend. Getreu dem Motto von Holger Troisch „Neue Headliner braucht das Land“ war die Amphiebühne voll mit Besuchern und es herrschte eine tolle Stimmung zwischen Fans und Band.  Der Beginn der Show ist ein kleines Ritual von Sänger Boris, so entledigt er sich Uhr, Gürtel, Schuhe und Socken um ganz in die Welt seiner Musik zu tauchen. Dies alles untermalt mit einer faszinierenden Lichtershow und gewaltigen Electro Klängen. Eine tolle Show, beeindruckend und allemal mit viel Begeisterung aufgenommen.

Die Nacht zum Sonnabend ist dunkel und noch recht warm, für heute geht es zurück nach Leipzig um den morgigen Tag beizeiten zu starten ;)

SONNABEND, 03. September 2016

Der zweite Festivaltag begann ebenso mit strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen. Zeit die genutzt wurde um das wunderschöne Festivalgelände zu erkunden, einem kurzen Bad im nahen See „Blaue Adria“ oder einfach relaxen in der schönen naturverbunden Parkatmosphäre. Ein wenig abseits von Trubel und Lärm stellte sich Urlaubsfeeling ein. Dazu ein reichhaltiges Mittagessen und eine Kanne Kaffee, was gibt es schöneres?

Es sollte ein langer und heißer Festivaltag werden!
Die bekannte Leipziger Band QUELLENTHAL spielte in den warmen Mittagsstunden stilgerecht als erste Band am Sonnabend auf der Kulturbühne. Romantischer Folk und deutsche Balladen wie die von Eichendorff`s und einigen anderen erzeugten eine ganz eigene Atmosphäre. Voller Emotion und auch Melancholie, den Gedichten eine eigene Interpretation gebend, zauberte die Band aus Leipzig eine besondere musikalische Welt.

Die Sonne prasselte auch weiterhin unbarmherzig vom wolkenlosen Himmel, aber davon ließen sich UNZUCHT welche am Nachmittag auf der Amphiebühne spielten nicht sonderlich beeindrucken. Mit Hut und in Leder gehüllt trotzte man den Temperaturen mit Mikro auf der Bühne. Eine tolle Show mit einer wohl gewählten Songauswahl aus dem umfangreichen Repertoire der Band rundeten den Auftritt am Nachmittag harmonisch und ganz auf ihre Art typisch ab.

Jetzt war das Festivalgelände sehr gut gefüllt, man sah und traf überall Freunde und langjährige Bekannte. Es blieb auch mal gemütlich Zeit im Schatten der hohen Bäume ein kühlendes Getränk zu trinken, mit einem kurzen Plausch da und dort, so wie ein gut ausgewähltes Angebot der Händler anzuschauen um dies und das zu erwerben.

THE EXPLODING BOY  verbreiten am Nachmittag auf der Weidenbogenbühne eine ausgelassene fröhliche Stimmung. Nicht nur schwitzte man hier wegen des warmen Wetters und des Tanzes. Ein gelungenes Konzert, die nachfolgende Band hatte dann aber leider mit großen Technikproblemen zu kämpfen.

Nun sollte es eine kleine Reise in die Zeit der 1980èr Jahre, jedenfalls musikalisch, geben. Die Amphiebühne füllte sich rasch, keine Geringeren als THE FAIR SEX mit Frontmann und Goth - Urgestein Myk Jung spielten eine perfekte Mischung ihrer Hits.  Eine tolle Show und Elektro/Wave/Gothic vom Feinsten.

Ein wenig später wurde ROTERSAND auf der Weidenbogenbühne angekündigt. Eine Band die ihre ganz eigenen Vorstellungen und  Auffassungen von elektronischer Musik haben und sie so zeitlos aber mitreißend umsetzen. Leider gab es am Anfang des Konzertes technische Schwierigkeiten, welche aber gekonnt umschifft wurden. Die Band schaffte es das Publikum mitzureißen, es wurde ein tolle Show.

Etwa zur gleichen Zeit spielte die italienische Dark Wave Band THE FROZEN AUTUMN auf der Parkbühne, welche von zwei Seiten sehr gut gefüllt war. Die beiden setzten den Sound der 1980er Jahre mit moderner Technik fort. Absolut perfekt und live überzeugend!

Eines der großen Highlights am Sonnabendabend waren ZEROMANCER aus Norwegen. Ein kraftvoller Start in den Abend, mit wuchtigen Klängen, begleitenden Gitarren. Die Band begeisterte mit ihrem einstündigen Konzert die Besucher, umrahmt mit einer fantastischen Lichtershow.

Wir wechselten hinüber zur 4. Bühne auf den sich die Jungs von DAF die Ehre gaben. Nach all den Jahren immer noch eine perfekte Show, toller Sound und die vielen Wasserflaschen gehören einfach dazu. Der Andrang war jetzt richtig enorm und wieder zeigte sich das Konzept einer weiteren großen Bühne klappte sehr gut. Alte Hits mit ihrem aggressiven Sprechgesang reißen die Fans mit. Ein wirklich schönes Konzert zum Abend.

Es wurde Zeit für den Headliner des Abends, die Band mit den 3 Buchstaben. Es spielten ASP, aber sie ließen die Presse nicht in den Fotograben, darum schreiben wir nichts über euch!

Ein langer aber schöner Festivaltag neigte sich nun dem Ende. Die Stiefel staubig, mit müden Füßen ging es zurück nach Leipzig. Die Nacht war noch tropisch warm, wir freuten uns auf den kommenden Festivaltag.

 

SONNTAG, 04. September 2016

Die Frage ist ja die? Gibt es ein NCN ohne Regen? Nein gibt es nicht. In den frühen Morgenstunden zogen fette Regenwolken über Sachsen und auch das Wetterradar ließ wenig Gutes  erwarten. Also Regensachen und Hut mitgenommen. Während der kurzen Fahrt nach Deutzen regnete es ohne Unterbrechung. Es sollte aber dann bald wieder die Sonne am wolkenlosen Himmel scheinen aber auch die Regengötter ließen im Verlauf des Tages nicht locker.

Mit wuchtigen Trommeln und neoklassischer Stücke hörte man schon von Weitem wer da auf der Kulturbühne spielte. SEVENTH HARMONIC, die Band aus London spielten ihre atmosphärischen und intensiven Songs.  Das war für den Sonntag ein sehr guter Einstieg, die dunklen Wolken am Himmel gaben dazu ein schönes Spiel.

BLACK LIGHT ASCENSION spielten zur besten Nachmittagszeit auf der Parkbühne. Tolle Musik und Songs welche sehr gut ankamen, obwohl wir hier nur mal kurz schauen wollten.

Nun wechselte das Wetter zu schönsten Sonnenschein und THE CASSANDRA COMPLEX wurden schon von sehr vielen erwartet. Rodney Orpheus erschien im dunklen Anzug und roter Krawatte auf der Amphiebühne.

Seit nunmehr 33 Jahren gibt es seine Formation THE CASSANDRA COMPLEX. Eine mitreißende Show wurde geboten. Eine Stunde lang feierte man zu perfekten Sound und toller Stimmung! Schön war es auf jeden Fall wieder einmal!

Statt ORGY spielten dann als Ersatz auf der Weidenbogenbühne ALEC EMPIRE. Lag es daran dass nun schon einige ihre Sachen packten für den Nachhauseweg oder am gefühlten endlosen Stück, gefühlt war es nur ein Ambient Song aus seinem Ambient Set.

Wie schon erwähnt, ein NCN ohne Regen gibt es nicht. Strömender Regen fiel am späten Nachmittag vom Himmel herab, aber trotz des Wetters war die gesamte Kulturbühne sehr gut gefüllt. Es spielten die spanische Band DER BLAUE REITER! Vom ersten bis zum letzten Song, eine gewaltige Soundkulisse, martialisch sowie orchestral, begeisterten das Publikum. Es gibt nicht viele Bands wo man während des gesamten Konzertes im strömenden Regen steht und den wunderbaren, ganz eigenen Klängen lauscht. Dieser Auftritt war eines der großen Highlights am Sonntag.

Nach dem doch eher ruhigen Ambient Set wechselte das Genre schnell auf der Weidenbogenbühne. MEGAHERZ stürmten die Bühne, schön anzuschauen wie Zombies aus ihrem Zombieland.

Selbst der Mikroständer war aus einem Baseballschläger geformt, so auch die Wucht der Musik. Nicht ohne Grund sind sie seit nun mehr 20 Jahren aktiv, als Begründer der Neuen Deutschen Härte zweifellos. Das Wetter war egal, das Publikum füllte die Fläche komplett und begeistert aus. Es war ein durchgehend kraftvolles und dynamisches Konzert, die Songs und Hits dem Publikum bekannt, alles passte perfekt!

Einen faszinierenden Auftritt bot das Duo SELOFAN, mit ihren avantgardistischen ColdWave-Klängen. Es bedurfte nur weniger zelebrierter Momente um die Zuhörer in eine andere geheimnisvolle Welt zu entführen. 

Nun war es an der Zeit, ja die Zeit ging viel zu schnell vorbei, für das letzte Konzert des NCN 11 im Jahre 2016. Wir kauften uns noch ein Getränk, verabschiedeten uns von einigen Bekannten und Freunden  welche einen wesentlich weiteren Heimweg hatten wie wir und waren gespannt auf die letzte Show!

Fixmer/McCarthy betraten die Bühne mit einer immensen Vernebelung, grandiosen Sound und faszinierenden Lichteffekten. Es passte sehr gut, diese Stimmung zu diesem Abend.  Als Headliner vom Abend und würdigen Abschluss des diesjährigen NCN!

Grandios!

 

Wie jedes Jahr heißt es nun ... nach dem NCN ist vor dem NCN!

Es war ein tolles Festival, vielen Dank an alle Beteiligten, Bands, Security, Team und Holger Troisch!!

 

Klangvoller Sommerabend bei satten Temperaturen:

3. Darkflower Open Air am 09.07. beschert außergewöhnlichen Musikgenuss unter freiem Himmel…

Bereits zum dritten Mal hüllte sich die beschauliche Leipziger Parkbühne im Clara Zetkin Park in ein schwarzes Gewand, um sich auf die Freunde der dunklen Musikszene einzustimmen. Mit den Energiebündeln von HEAD-LESS, CLAN OF XYMOX, MELOTRON und APOPTYGMA BERZERK gelang an diesem Abend ein Line-Up, das ein Potpourri an vertrauten und wohlbekannten als auch weniger prominenten, aber durchaus hörbaren Überraschungen bot. Bei sommerlichen Temperaturen sammelten sich die Konzertbesucher langsam aber sicher auf dem von Baumkronen umringten Gelände, um den elektronischen und rockigen Klängen in lauen Lüftchen zu lauschen.

 

Pünktlich 17 Uhr startete das Trio von HEAD-LESS und begrüßte die Zuschauer mit knalligen Electro/Synth-Rhythmen. Aus voller Leidenschaft stimmten Sänger René Hentzschel und seine zwei Jungs ungeachtet der glühenden Hitze das Publikum auf einen mitreißenden Abend ein. Trotz fehlender Originalbesetzung am Keyboard schallte ein Song nach dem anderen über die Köpfe und in die Ohren der gespannten Zuhörer. Hierfür hatte sich das Musikprojekt kurzerhand den Frontmann der EBM-geprägten Band NOVA-SPES – Matthias Hübner – als Support an den Tasten geschnappt. Inmitten der elektronischen Popwelt blieb dank einer ausdauernden Bühnenperformance mit sportlicher Höchstleistung – dem Ständertanz (ja, Mikroständer sind hervorragende Tanzpartner) – kein Zweifel: hier wurde jemand für die Bühne geboren. Spätestens nach einem „Ich kann euch sehen, aber nicht hören“ war auch der letzte Zuhörer gepackt und die Hände erhoben sich zum regen Klatschen im Takt. Nach einer schwungvollen Dreiviertelstunde verabschiedeten sich die Opener schließlich mit einem „Leipzig – Es war geil! Dankeschön“.

Nach dem gelungenen Auftakt betrat zur nächsten vollen Stunde die aus dem Dark-WaveUmfeld bekannte Musikgruppe CLAN OF XYMOX die Bühne. Die Pioniere der ersten Stunde heimsten an diesem Abend in jedem Fall den Preis für die ausgefallensten Frisuren ein, ist doch der Kopf der Truppe, Ronny Moorings, mit seiner schwarzen Plusterfrisur unverkennbar. Und auch musikalisch überzeugte das sehnsuchtsvolle Ensemble mit ruhigen und gelassenen sowie experimentellen und kraftvollen Szenen. Mit einem instrumentellen Einstieg und verschiedenen Gitarrenmustern sorgte die Band von Beginn an für eine gediegene und schwerelose Atmosphäre. „She Is Falling In Love“ durfte anschließend genau so wenig fehlen wie der Song „Hail Mary“. Zum Schluss wurde es mit dem Shocking Blue Cover zu „Venus“ noch einmal rockig, was auch das tanzwütige Publikum begrüßte. Für das Abschiedslied ließ es sich gerne noch einmal von der kraftvollen Dynamik der Musiker anstecken.

Nach der nächsten Umbaupause verschwand die Bühne für kurze Zeit in einem kleinen Nebelmeer, bevor die Mecklenburger Jungs von MELOTRON vor das Publikum traten. Danach enthüllten die Musiker, wofür sie unter Freunden elektronischer Tanzmusik längst bekannt sind: individuell geprägte Elektro- und Synthiepop-Rhythmen, gepaart mit deutschsprachigen und teils provokanten Lyrics. Mit einer stylischen Offensive in gelbem Shirt und schwarzer Weste startete der redselige Sänger Andy Krüger mit voller Energie durch. „Gib Mir Alles“, „Du Bist Es Nicht Wert“ oder „Love Is Calling“ tönten munter ins Publikum. Es wunderte daher nicht, dass sogar der Weg zum Bierstand von dem Ein oder Anderen fürs Mitträllern genutzt wurde. Zur Halbzeit wurde es sogar philosophisch: „Das Leben ist ein Witz. Ein kurzer Witz. Genießt den Augenblick!“ gab der Frontmann zu bedenken, bevor er mit Handtuch wedelnd in die nächsten Songs überging. Mit einem Cover von Rio Reisers „Menschenfresser“ wurde es letztlich selbst politisch. Das Finale bildete schließlich – fast schon erahnbar – ein belehrender Hinweis: „Seid nicht so eitel!“. Erst danach jagte in einer Zugabe wieder ein Stück das nächste. Wer sich selbst von den Lyrics und Melodien überzeugen möchte, muss sich hingegen gedulden. Erst im Januar 2017 führt die Arbeit am neuen Album wieder zu einem Auftritt nach Leipzig.

 

Das Sahnehäubchen des Open Airs bildete schließlich das nunmehr seit über 20 Jahren existierende norwegische Musikprojekt APOPTYGMA BERZERK rund um den charismatischen Sänger und Bandgründer Stephan L. Groth. Wie erwartet, heizte der Headliner am mittlerweile kühlen Sommerabend ordentlich ein. Der anfangs noch luftige Zuschauerraum vor der Bühne war nun prall gefüllt und das lohnte sich bei der vortrefflich zusammengestellten Setlist definitiv. Ein Spektrum an düsteren, energiegeladenen Elektrohymnen im Wechsel mit lebhaften Gitarrensounds erwartete das Publikum. Sowohl der Ohrwurm „Until The End Of The World“ aus dem Jahre 2002 als auch der Titel „Back On Track“ aus dem Jahre 2005 waren im Gepäck. Sogar Fans des Chorwerks „Carmina Burana“ kamen bei dem Stück „Love Never Dies“, das den Refrain von „O Fortuna“ aufgreift, auf ihre Kosten. Zur Tradition scheint es außerdem geworden zu sein, dass der Bruder des Sängers, Jonas Groth, einen Solo-Part auf Konzerten ausrichtet. Mit einem Medley aus Songs wie „Love Will Tear Us Apart“ (Joy Division), „True Faith“ (New Order) und „Oh L´Amour“ (Erasure) begeisterte er Jung und Alt am Keyboard und mit seiner Stimme. Nach der kurzen, aber gefühlvollen Solo-Einheit ging es mit elektronischen sowie rockigen Klängen weiter. Zu „Apollo (Live On Your TV)“ erhoben sich alle Arme und schwangen über den Köpfen hin und her. Besonders laut mitgesungen wurde jedoch bei der erst 2013 veröffentlichten Single „Major Tom“ – einer englischen Neuinterpretation des von Peter Schilling stammenden Klassikers. Das letzte eingestimmte Lied „Shine On“ setzte dann wieder auf einen eigenen Hit, der sich damals 13 Wochen in den Charts hielt. Erst gegen 22 Uhr ließen die Künstler den Abend letztlich mit einigen Zugaben und einem glücklichen „What an amazing town!“ ausdrucksvoll enden.

 

Start im Hellen, Ende im Dunkeln… nach 5 erlebnisreichen Stunden inmitten gut gelaunter Menschen lautet das Resümee für diesen fantastischen Abend in diesem Jahr erneut: sehenswertes Line-Up, Abwechslung für die Ohren und eine beeindruckende Location, die den Charme von Leipzig versprüht. Doch damit nicht genug. Für all jene, die den Abend nach dem berauschenden Konzert noch nicht enden lassen wollten, wartete das DarkFlower mit einer Aftershowparty auf. Bis in die Morgenstunden hinein bot der Alternative Club im Zentrum von Leipzig eine Fläche für ausgiebige Tanzeinlagen und genussvolle Momente an der Bar… Vielen Dank an die Bands, den Veranstalter Mawi Concert GmbH, Marko mit seinem DF-Team und alle anderen, die diesen Tag so einzigartig gemacht haben!

 

-> Zur Bildergalerie Apoptygam Berzerk

Galerie Head-Less

Galerie Clan of Xymox

Galerie Melotron

Text: Maria K.

 

Drei volle Tage Abwechslung

Core-Klassiker glänzt durch breit gefächertes Spitzen-Lineup

Im alljährlichen Open-Air-Kalender ist das With Full Force im sächsischen Roizschjora weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt für sein knallharte Programm mit Schwerpunkt in der Bereichen Hard- und Metalcore. Neben zahlreichen aufstrebenden Bands, die konstant die Tent-Stage zum Beben bringen, sind auf der Mainstage auch regelmäßig die absoluten Größen der Szene zugegen. Im Vorjahr setzten so z.B. Heaven Shall Burn, Parkway Drive und Sick of it All höchste Maßstäbe. Das Lineup dieses Jahr überraschte da mit einem leicht anderen Focus.

Eines sei jedoch vorab noch schnell klar gestellt: die bekniestrumpften Mosh-Meister kamen auch diese Jahr keinesfalls zu kurz, sondern umfänglich auf ihre Kosten. Die Tent-Stage war wie gewohnt vollgestopft mit energiegeladenen Acts und auch die Mainstage hatte an allen Tagen Schmankerl für die Core-Abteilung zu bieten. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich diese (Walls of Jerico, Hatebreed & Trivium) an allen drei Festivaltagen mit Platz zwei hinter den Headlinern (SLAYER, Amon Amarth und Five Finger Death Punch) begnügen mussten. 

War das zum Nachteil? Wir denken: Ganz im Gegenteil! 

Im hart umkämpften Festival-Zirkus kann es nicht schaden das etablierte Core-Image mit ein paar erstklassige  Headlinern aus benachbarten Genres zu bereichern, solange die klare Ausrichtung dabei erhalten bleibt und treue Fans nicht auf der Strecke bleiben. Und da braucht man sich beim With Full Force so schnell keine Sorgen machen. Das Gesamtpaket weitete auch in diesem Jahr das Herz der Core-Enthusiasten zu einem saftigen Steak. 

Damit wir hier jetzt nicht jede einzelne Band und die ohnehin grandiosen Headliner über den grünen Klee loben müssen, seien an dieser Stelle nur ein paar herausragende Acts erwähnt, die uns besonders ins Auge stachen und in den Ohren klingelten:

- The Amility Affiction und Fit for an Autopsy bereiteten am Freitag die Mainstage erstklassig für die Urgewalt von Walls of Jerico´s Candace vor

- Vader bewiesen zur Knüppelnacht, dass man auch nach über 30 Jahren im Geschäft nichts verlernt hat

- Behemoth beeindruckten mit ihrer Live-Show und ließen keinen Zweifel daran, warum sie derzeit als eine der besten live Bands weltweit gelten

- Rise of the Northstar holten ihren ausgefallenen Gig vom Vorjahr nach und können gerne zu einer ähnlich festen Größe im WFF-Programm avancieren, wie Ikonen von Hatebreed

- Hammercult machten sich und dem Namen der neuen HAMMERSTAGE alle Ehre

- ein ganz besonderes Schmankerl waren die Auftritte der alten Herren von The Real McKenzies und ganz besonders den Punk-Veteranen Bad Religion (da kann sich manch junge Band noch was abschauen!) 

 Nicht zuletzt an der Auswahl unserer persönlichen Highlights kann man erkennen, dass man in diesem Jahr ein besonders breites Spektrum an verschiedenen Bands geboten bekam und sich das WFF so etwas breiter aufstellte ohne seine zurecht beliebte Core-Lastigkeit einzubüßen. Wir begrüßen diesen Trend und hoffen, dass auch im kommenden Jahr ein ähnliche fettes Lineup zustande kommt. Die Fans würden es ohne jeden Zweifel Danke!

Bilder: Unsere Fotos zum Festival findet ihr in unserer Galerie!

Top: Die neue HAMMERSTAGE - so schön nah dran

Flop: Die Dixies im Infield - da ist echt mal ein ordentlicher Sanitärcontainer fällig

 Wacken 2015 - das war's!

Alter Schwede, gerade aus dem Stau zurück nach Hause in die Badewanne gequält, da ist das Wacken Open Air 2016 schon wieder ausverkauft. Die Fans wissen eben dass ihr Festival, egal ob im Schlamm wie in diesem Jahr oder bei Hitzestichgefahr wie im letzten, ein Garant für eine hochgradige Runnig Order ist.  Doch ganz blind gekauft hat keiner sein Ticket erworben. Seit Samstag steht fest dass Axel Rudi Pell, Blind Guardian, Borknagar, Callejon, Eskimo Callboy, Orphaned Land und Weitere den heiligen Acker beschallen werden. Mit der Vorfreude stellt sich jetzt auch die Melancholie ein.

Wir haben ein großartiges Wacken Open Air erlebt. Die Bands und das Festival haben es geschafft, den fiesen Headliner aus dem Norden zu vertreiben: Das Wetter. Ein Irrsinn, wie durchweicht der Acker war, wie tief die Pfützen, wie unberechenbar die Traktorspuren, auf denen wir Halt suchten und wie unglaublich schmutzig unsere Klamotten. Und dann, pünktlich zum Freitag: Sonne! Sonnenbrand! Schwitzen! Nie wieder kalte Füße! Unter normalen Umständen hätten wir schlechte Laune gehabt. Doch in Wacken? Rain or Shine – scheiß drauf!

Doch welche Momente waren es, die uns das Festival in diesem Jahr unvergesslich gemacht haben?

Es waren mal wieder die Menschen. Schon bei der Anfahrt steckten wir im Schlamm fest, doch nicht lange, denn jeder schob jedes Auto, alle halfen einander, verliehen Zeltheringe, Gaffa, gaben einander Unterschlupf im Unwetter, teilten ihre Pavillons, halfen beim Tragen, fingen einen auf wenn man im Schlamm ausrutschte und hielten einfach nur die Laune oben. DANKE WACKEN!

Wacken im Schlamm

Und sonst so?

Europe! Viel mehr als Final Countdown! Als absolutes Highlight trat die Band aus 1979 am Mittwoch auf. Die Headbangers Stage im riesigen Zelt war knackevoll und die Wackenfans bekamen einen ersten musikalischen Vorgeschmack auf die nächsten Tage. Unheimlich spielfreudig, stimmlich top, mit großartig komponierten Liedern und absoluter Leidenschaft überraschten die Rocker wohl alle. Da lacht das Wackenherz! Nochmal, nochmal!

Am Donnerstag hatten wohl viele weitere Nischenvertreter des Metalgenre ihre Sternstunden. Combichrist, Mantar, Dark Tranquillity, The Answer und die jungen Metal Battle Helden ließen keinem langweilig werden. In unsere Gummistiefel gequält erlebten wir Rob Zombie eindeutig als Highlight und Sonnenschein im Line Up – was ist diese Band toll, liveaffin und mitreißend! Dagegen wirkte U.D.O mit dem Bundeswehrkorps etwas blass – im Nachhinein ist diese Erinnerung kein Wunder, denn Orchestermusik sollten wir dieses Jahr wirklich genug hören. Mithalten konnte jedoch das Trans Siberian Orchestra mit Savatage.  Wir haben ein Weltrekord gesehen. Die Savatage-Mitglieder, ihrerseits auch Bestandteil von TSO, bespielten als erste Formation die beiden Hauptbühnen gleichzeitig. Irre und voller Gänsehautmomente im vor schwarzem Wackenhimmel!

Freitag war das Highlight wohl die Sonne. Ehrlich, schön sie zu sehen, schön wie das Wasser aufgesogen, die Pfützen kleiner und die Freude größer wurde.

Und musikalisch? Hatte es der Freitag auch in sich! Death Angel, My Dying Bride, Kvelertak, Dream Theatre…  das Line Up war toll! Wir freuten uns mal wieder Opeth zu sehen, die jedoch einfach in dunklen Hallen besser Stimmung machen, weswegen wir die Bühne zu Annihilator wechselten, die live auch bisher IMMER eine Bank waren und ihre Klasse konsequent weiterführten. Ein weiteres Highlight: Black Label Society: Rock’n’Roll und live auch ohne Schlamm schön schmutzig – so muss es sein! Alles mal wieder nichts gegen In fucking Flames! Wir waren unglaublich heiser und unglaublich kaputt nach diesem großartigen Konzert, das wir mit gefühlt allen 75.000 Wackenfans erlebten. Boss Hoss waren danach jedoch ein wirklich gelungener Abschluss für einen tollen und sonnigen Tag und wir fielen – immer noch knülle von den Anstrengungen der letzten Schlammtage – ins Zelt.

BossHoss

Am Samstag holten uns Kataklysm aus dem Schlafsack und es ist immer wieder schön vor dem Frühstück den Security Stress Test zu machen! Groß!

Doch es folgten weitere Highlights: Walking Dead On Broadway und mit-Genrevertreter Suicide Silence haben in Zukunft unserer Meinung nach NOCH mehr Aufmerksamkeit verdient, das war ganz großes Kino.

Apropos Aufmerksamkeit: Die schenkten wir voll und ganz Skindread. Was hatten wir Spaß! Wir haben gebounced, getanzt, gesungen und sind sogar gesprungen. In Gummistiefeln. Bei 30 Grad! Mega! Können jetzt jedes Jahr spielen, vielen Dank liebes Wacken-Booking-Team für das Erfüllen unserer Wünsche.

Wie der aufmerksame Leser merkt waren wir am Samstagnachmittag nicht wirklich noch einmal an unseren mittlerweile an den letzten Ösen befestigten Zelten. Da kamen wir auch den ganzen Tag nicht mehr hin. Was war das denn bitte für ein Hammertag? Da waren ja auch noch Powerwolf, Danko Jones, Sabaton, Judas Priest und (sorry wir waren leider weder bei Cradle of Filth noch bei Subway to Sally) die Cannibal Corpse, Obituary und Shining. Unser Highlight trotz all dieser Größen: Rock meets Classic Live mit Twisted fucking Sisters Dee Snider und Gänsehaut- sowie Tränenlach-Momenten. Der Mann mit dem pinken Mikrofonständer und der krassblonden Krausemähne stellte Beyond The Blacks Jennifer Haben (warum spielen die eigentlich jetzt so häufig überall – für uns leider überbewertet), Michael Kiske, Marc Storace aber auch Joe Lynn Turner in den Schatten. Mit toller Songauswahl, den besten Fanchören zu „We’re not gonna take it“ und „I wanna rock“ und seiner Initiative „Stop taking Selfies“ war er unser Highlight! Aber im Rahmen der gesamten Rock Meets Classic Show auch schön: Wenn der Dirigent zum „Fluch der Karibik“-Soundtrack mit seinem Dirigentenstab ein Fechtduell eingeht. Große klasse!

Wacken 2015 war anstrengend, Wacken 2015 war schön, Wacken 2015 war voller Highlights. Hier unsere Highlights in Zusammenfassung für euch:

  • Bester Wind-und-Wetter-Moment: Als unsere Nachbarn uns Erdanker brachten und so unsere Zelte vor dem Wegwehen retteten. Ja, ihr hört richtig, Erdanker (80 cm lang). Danke!
  • Bester Campingtipp: LKW-Batterie und Wechselwander mitnehmen – so hat euer Camp Strom den ganzen Tag.
  • Bester Moment mit einem Ordner: Als die betrunkenen letzten zwei von zwanzig Nachbarcampern mit ewig brummendem Stromaggregat, riesiger Anlage und letztem unverständlichen Gröhlen nachts um 5 aufgefordert wurden, endlich schlafen zu gehen, wenn sie auch am Folgetag noch Strom haben wollen würden.
  • Bestimmt die besten Livemitschnitte auf YouTube: Rock meets Classics, Rob Zombie, In Flames, Carmina Burana vom Trans Siberian Orchestra und Europe.
  • Bester Starmoment: Als wir Mittwoch dabei halfen, Mambo Kurts Heimorgel von der Biergarten zur W.E.T.-Stage durch den Schlamm zu zerren.
  • Lustigster Moment: Die vielen Rebellen (und vorallem wir)  in dem Moment, als Dee Snider sein Shirt zitierte und dabei appellierte: Stop taking selfies!
  • Gänsehautmoment: Als Dee Snider seinem verstorbenem Drummer A.J. Pero huldigte und der Acker still wurde und dann andächtig klatschte.
  • Bestes Orchester: Rock meets Classic.
  • Beste Überraschung: Europe! Eindeutig!
  • Beste angekündigte Band für nächstes Jahr bis jetzt: Ministry, Steel Panther und Eskimo Callboy (ja, wir sind Rebellen).

Es war uns ein Fest! See you in Wacken – rain or shine!

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Es ist Soilwork in Leipzig und keiner geht hin. Den Eindruck hätte man haben können, als man am vergangenen Freitag im Hellraiser ankam und eine nahezu leere Halle vorfand. Sicher, die Konkurrenz war mit den Leipziger Disillusion im Werk II und Callejon im Täubchenthal hart, aber Leute, SOILWORK! Tatsächlich war das Konzert der Melodic Death Metal-Helden eines der besten in diesem Jahr. Ärgert euch, ihr Kostverächter! Wir berichten, euch auch, warum:

T.A.N.K (Think Of A New Kind) eröffneten den Abend pünktlich. Nicht nur auffallend schnuckelig, sondern auch auffallend gut nahmen wir die Franzosen war. Zu Beginn des Gigs standen vereinzelte Konzertbesucher am Mischpult mittig in der Halle, nur eine Hand voll in der ersten Reihe. Doch schnell füllte sich der Bereich vor der Bühne, die ersten Konzertbesucher moschten und zollten den charismatischen und leidenschaftlichen Metalern Tribut. Seit 2010 veröffentlichen diese Alben, haben mit Soilwork-Stimme Björn Strid bereits einen Song gemeinsam aufgenommen. Es lohnt sich, die Band, die sich selbst als eine Mischung aus Melodic Death und American Thrash beschreibt, mal zu googeln und Songs der Alben kostenlos von deren Webseite zu streamen. Wir sehen T.A.N.K. zukünftig  mit Headlinerpotential auf den Festivals. Einst von französischen Fachzeitschriften als Newcomer des Jahres benannt, steht den Parisern nach dieser Tour mit Soilwork und Hatesphere sicher die Welt offen.

T.A.N.K.

Apropos Hatesphere: Was hatten wir wieder Spaß! Die dänischen Thrasher mit Death-Metal-Einschlag und Sänger Esben „Esse“ Hansen bringen nicht nur treibenden Sound auf die Bühne, sie gaben uns auch das Gefühl ein Teil der Band zu sein. Ob kleine Spiele und Späße, Zuprosten oder der Weg von Esse ins Publikum – Hatesphere bezogen die Leipziger Fans ein und sorgten dafür, dass es bald vor dem Mischpult brechend voll und nur noch dahinter leer war. Vielleicht half auch, dass die Band, die extrem viele Umbesetzungen in ihrer 22-jährigen Bandgeschichte erlebt hat (nur noch Gitarrist Peter „Pete“ Lyse Hansen ist Gründungsmitglied) mittlerweile in sich geschlossen wirkt. Wir sehen hier klares Comeback-Potential zu alten Tagen!

Hatesphere

Soilwork blicken auf 20 Jahre Bandgeschichte zurück und auch hier ist kaum ein Stein mehr auf dem anderen. Nur Björn „Speed“ Strid ist als Gründungsmitglied noch aktiv, hat sich jedoch ein starkes Team aufgestellt, mit dem er in aktueller Besetzung seit 2012 spielt. Soilwork können auch auf dem Wacken brillieren, doch wie ist es vor einer nur halbvollen Halle in Engelsdorf? Na grandios!

Soilwork

Nicht nur die letzten Alben der in den frühen 2000ern zu Kult gewordenen Mitbegründer des Melodic Death Genres werden über alle Maße gelobt - von uns wird auch die Liveshow gefeiert. Klasse Sound, brillant gespielt, laut und heftig präsentieren Soilwork eine Mischung aus Songs ihrer Bandgeschichte und denen des neuen Albums. Während die neuen Songs heftiger sind, bieten Klassiker wie „Bastard Chain“ oder „Follow The Hollow“ immer noch Gänsehautpotential. Das Publikum brüllt mit, singt die melodischen Riffs mit, bangt und moscht. Björn Strid wählt einen Captain aus, der, stolz wie Oskar, einen Circle Pit anführt und allen voran durch die Halle moscht. Bier wird verschüttet, es wird gelacht und getanzt – ein toller Abschluss für einen tollen Abend. Fans der aufkeimenden Melodic Death-Stunde Anfang der 2000er hätten sich vielleicht einige weitere Klassiker gewünscht und Stimme und Glückshormone komplett im Hellraiser gelassen. Doch spannend an Soilwork ist ja eben gerade diese Weiterentwicklung. Das Publikum, von jung bis alt, ist wohl ein perfektes Indiz dafür, dass die Band es schafft, ihre Fans über Jahre mitzunehmen, zu halten und neue Fans zu gewinnen. Wenn die Livequalität weiterhin so klasse ist, stehen wir vor dieser Bühne noch mit 60!

 Soilwork

 

 

Von Kopf bis Fuß perfekt

Fear Factory als Geburtstagskind des Jahres ausgezeichnet

Das war doch mal ein 20ter Geburtstag nach Maß! Geile Mucke, Bier, ein fröhliches Feiervolk, schöne Frauen, starke Männer und das Geburtstagskind selbst war so richtig gut drauf. Warum uns das einen Bericht wert ist? Weil das Geburtstagskind die Band Fear Factory ist, die wir am 01. Dezember im renovierten Berliner Columbia Theater besucht haben.

Bei einer Feier will ja niemand der erste sein, der auf der Party auftaucht. Das scheint auch in Berlin Motto zu sein, denn als die erste Vorband des Abends, Dead Label!, die Bühne betrat, war der Saal noch mager gefüllt. Pech gehabt, liebe Nachzügler, denn Dead Label! waren ein toller Einstieg für diesen Modern Metal Abend. Die Iren, die unter anderem mit dem Produzenten von All That Remains an ihrer neuen Single gearbeitet haben, überzeugen mit treibenden Basedrums, coolen Riffs und Kopfschüttelgarantie. Seit fünf Jahren touren Sänger und Basser Dan O' Grady, Gitarrist Danny Hall und Drummerin Claire Percival unter Anderem an der Seite von Machine Head durch die Welt, arbeiten hart am Erfolg. Wir sehen keinen Grund, warum der sich nicht in größerem Maße einstellen sollte. Den Berlinern gefiel der Grove Metal mit Screams und so war die Halle nach dem Auftritt von Dead Label! nicht nur voll sondern aufgeheizt.

Livemusik auf einer Feier ist immer ganz schön, die zweite Band war jedoch fast schon ein Zaubertrick im Line Up der Demanufacture-Tour: Once Human. Wie, ihr kennt Once Human nicht?

Once Human, das sind der Ex Machine Head Gitarrist Logan Mader, Sängerin Lauren Hart und Damn Rainauld (Bass) sowie Ralph Alexander an den Drums. Zugegeben: Ende 2015 wurde das erste Album der Kalifornier veröffentlicht und ihr könnt die Band schon allein deswegen kaum kennen. Merkt euch jedoch ihren Namen, hier kommt was Großes auf euch zu!

Wie eine jüngere und heißere Angela Gossow präsentiert sich Lauren Hart unter dem Jubel der Fans, flirtet mit dem Publikum und brüllt ihre Growls in die Menge. Sofort haben Once Human die Menschen in der Hand, die unter den kreischenden Gitarrensoli von Logan Mader schmelzen. Melodischer, moderne Death Metal präsentiert sich uns, wenig Klargesang vermischt mit Ohrwurmmelodien und einer Livepower, die Spaß macht und ansteckt. Kein Haar bleibt mehr auf dem Anderen, wenn wir uns an Arch Enemy erinnert fühlen und doch eine ganz eigene Note in der Musik von Once Human erkennen. Nach 12 Jahren, in denen Mader vor allem produziert hat (u.A. Five Finger Death Punch und Gojira), ist dieses Livecomeback gelungen – wir freuen uns auf mehr!

Mittlerweile platzt das Columbia Theater aus allen Nähten, die Stimmung ist großartig und es gibt immer wieder Fangesänge als die Bühne für Fear Factory umgebaut wird. Auf der Theaterbühne, leicht zurück versetzt, wird ein riesiges Drumset enthüllt, die Lichtanlagen getestet und Nebelmaschinen auf ihren Einsatz vorbereitet. Dann wird es dunkel. Mike Heller nimmt an den Drums Platz, Burton C. Bell betritt die Bühne in perfekter Lichtstimmung, Jubel ertönt als die Band durch Dino Cazares (Gitarre) und Tony Campos (Bass) vervollständigt wird. Die Amerikaner fackeln nicht lange, spielen ihr komplettes „Demanufacture“-Album. Bell bedankt sich mit heiseren Ansagen, feuert das Publikum an und war doch selten stimmlich so stark wie heute. Auch Cazares und Campos wirken elektrisiert, es scheint, als verschmelzen Publikum und Band, feiert gemeinsam diese tolle Metalparty. Nach 11 Songs ist der Abend noch nicht vorbei. Eine umfangreiche Zugabe wird angekündigt und die Band verspricht nicht zu viel. Es sind Klassiker wie Edgecrusher oder Martyr, die das Columbia Theater endgültig zu einem Schmelztiegel machen. Keiner der nicht bangt, tanzt oder mosht, niemand der nicht durchgeschwitzt ist, jubelt und schreit, mitsingt und klatscht. Doch was ist es, das dieses Konzert so besonders macht? Eine Band, die in sich angekommen scheint? Eine kleine und gemütliche Location mit stufenhaftem Aufbau und toller Sicht zur Bühne? Klasse Sound und eine Lichtshow, die das Konzert wie ein fünfter Mann begleitet? Oder einfach gute Musik, die, mal progressiv und eindringlich, mal laut und treibend aber immer perfekt beim Publikum ankommt? Es war natürlich eine Mischung aus all diesen Komponten. Fear Factory erschaffen eine rundum gelungene Geburtstagsfeier. Sie brachten uns mit tollen Vorbands zusammen, die musikalisch perfekt auf den Hauptact vorbereiten. Sie wählten eine Location, die Clubatmosphäre schuf und doch festlich genug war. Sie zeigten die Größe einer 20-jährigen Metalkarriere und doch Fannähe und Spiellust. Mit anderen Fans verbrachten wir auch nach dem Hauptact noch einige Zeit in der Halle. Jeder wirkte glücklich, einige holten sich Autogramme von den bereitwillig wartenden Vorbands oder tranken noch ein Bier. Jeder war sich einig: Diesen Abend könnten wir sofort wiederholen! Wir hoffen dass Fear Factory bald wieder den Weg zu uns wagen und freuen uns drauf!

Fotos zum Konzert.